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ABS für Fahrrad und E-Bikes

12.09.2017

Ein oft beobachtetes Phänomen bei Radfahrern: Die Vorderradbremse wird nur ungern genutzt. Zu groß ist die Angst, dass das blockierende Vorderrad den Fahrer zu Sturz bringt.

 

Zwei von der Bosch Unfallforschung durchgeführte Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass zahlreiche Unfälle auf falsches oder fehlendes Bremsen zurückzuführen sind. So fand bei 5.400 untersuchten Unfällen in bis zu drei von vier  Fällen gar keine Bremsung statt. In einer anderen Studie wurde ermittelt, dass bei rund 20% der untersuchten 500 Unfälle, sich der Sturz bereits vor der Kollision mit anderen Fahrzeugen ereignete. Sehr oft wurde dies durch falsches Bremsverhalten ausgelöst.

 

Als Resultat all dieser Betrachtungen ist zu erkennen, dass die Entwicklung eines Antiblockiersystems (ABS) für Fahrräder die Sicherheit des Radfahrers entscheidend erhöhen würde.

 

ABS für Fahrräder – Eine nicht ganz neue Idee

Bereits 1995 machte die italienische Firma Brovedani mit einem mechanischen ABS im Cantilever-Stil auf sich aufmerksam. Im Jahre 2004 versuchte der sich inzwischen nicht mehr am Markt befindliche, deutsche Radhersteller Biria mit der 1-4-2 Safety Brake ein Antiblockiersystem für Fahrräder zu etablieren. Das Unternehmen Sumpar aus Frankreich hingegen setzt auf eine Variante, in der sich die Bremsen ganz ohne Sensoren bei Blockierungen des Rades für kurze Zeit selbst lösen. Dabei handelt es sich bei Sumpar als Zulieferer für Boeing und Airbus um keinen typischen Hersteller von Fahrradzubehör. Allerdings konnte sich keines der Systeme am Markt durchsetzen.

 

ABS Lösungen von Brakeforce One und Bosch

Aktuell haben zwei renommierte Anbieter für Fahrradzubehör neuartige Antiblockiersysteme für E-Bikes angekündigt. Bei beiden Anbietern sollen noch 2017 die ersten Modelle zu erproben sein. Sowohl Brakeforce One, als auch Bosch nutzen dabei den E-Bike-Akku zur Versorgung der für das Antiblockiersystem notwendigen Elektronik.

Beide Anbieter stellen Sensoren bereit, die ein Abheben des Hinterrades bemerken und anschließend sofort in den Bremsvorgang auf das Vorderrad einwirken. So sollen die besonders gefürchteten Überschläge des Fahrrades vermieden werden.

 

Scheibenbremse

 

Brakeforce One bietet Systeme für Vorderrad und Hinterrad an

Die Lösung von Brakeforce One wird gemeinsam für das Vorderrad und das Hinterrad oder auch nur für das Vorderrad alleine angeboten. Die Steuerungslogik ist in sogenannten Aktuatoren untergebracht, die – für jedes Rad extra – an einer beliebigen Stelle zwischen Bremsgriff und Bremssattel befestigt werden können. Die von Brakeforce One entwickelte Lösung funktioniert nur mit der hauseigenen BFO H2O-Bremse. Dafür verspricht der Anbieter eine sehr gute Wirkung bei einem relativ geringen Zusatzgewicht für das Fahrrad.

 

Bosch konzentriert sich auf das Vorderrad

Die Firma Bosch hat bereits seit längerem Erfahrungen mit Antiblockiersystemen für Motorräder. Schon 1994 wurden erstmalig Blockierverhinderer für Zweiräder in einem Polizeimotorrad in Japan verbaut.

Bosch verwendet nun beim ABS für Fahrräder zahlreiche Erkenntnisse und Elemente des bereits erfolgreich eingesetzten Motorradantiblockiersystems. Als Bremse wird die vom süddeutschen Unternehmen Gustav Magenwirth GmbH & Co. KG (Markenname Magura) extra entwickelte CMe ABS eingesetzt.

Obwohl bei dieser Lösung nur die Bremskraft auf dem Vorderrad kontrolliert wird, bietet Bosch ebenfalls einen Überschlagsschutz an. Sobald ein Abheben des Hinterrads registriert wird, erfolgt ein regulierender Eingriff auf die Bremskraft beim Vorderrad.

Die Belieferung des Handels mit der neuen Lösung ist für den Herbst 2018 geplant. Bei ausgewählten Flottenpartnern im Bereich der Tourismus-Verbände soll das ABS schon ab Herbst 2017 erprobt werden können. Dabei wird es sich um Trekking- und City-E-Bikes mit 28 Zoll Reifen handeln. Die Antriebe der Fahrräder entstammen entweder der Variante Cruise (bis 25 km/h) oder der Variante Speed (bis 45 km/h) aus der Bosch Performance Line.

 

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