Fahrradreifen Recycling
Fahrradreifen Recycling (Bild: Peeradontax – stock.adobe.com)

Ratgeber Rad & E-Bike Fahrradreifen Recycling: Nachhaltigkeit aus Ruß gemacht

Radfahren schont die Umwelt und bringt Nachhaltigkeit in unsere Mobilität. So weit, so gut. Was mit alten Reifen und Schläuchen nach der Entsorgung passiert, ist leider eine ganz andere Geschichte. Weil das Recycling von Fahrradreifen ein schwieriges Unterfangen ist, kommen erst jetzt Produkte in die Fahrradläden, die zu einem guten Teil aus verwerteten Rohstoffen von Altreifen stammen. Der erste Reifenhersteller weltweit mit einem funktionierenden Recycling-System ist Schwalbe. Lesen Sie, wie das mittelständische Unternehmen das Fahrrad Recycling erstmals marktfähig gemacht hat und welche Vorteile sich daraus ergeben.

Recycling von Fahrradreifen – ein neues Verfahren

Das Fahrrad gilt als umweltfreundliches Verkehrsmittel schlechthin. Null Emissionen, Langlebigkeit, und überschaubare Komponentenzahl machen klassische oder E-Bikes zur ökologisch sinnvollen Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor. Und auch Pedelecs fahren, wenn ihr Akku mit Ökostrom aufladen wurde, unter grüner Flagge. Nun haben Fahrräder aber Verschleißteile. Die wichtigsten sind Reifen und Schläuche. Herstellerabhängig halten Reifen – je nach Typ und Beanspruchung – mehrere Tausend Kilometer. Das ist eine ganze Menge. Irgendwann aber ist die Gummimischung des Reifen verbraucht und man kann die Fäden der Karkasse sehen. Dann wird es Zeit für einen Reifenwechsel. Doch was wird aus dem Verschleißteil? Zunächst einmal ist das Entsorgen über den Hausmüll in Deutschland völlig legal. Aber muss das sein? Modernes Fahrradreifen Recycling macht aus dem einstigen Wegwerfprodukt neues nutzbares Material, statt die Verbrennungsanlage zu füttern. Das Verfahren ist noch taufrisch.

Schläuche lassen sich seit 2015 entsorgen

Bevor Sie mehr über das neue Fahrradreifen Recycling erfahren, werfen wir noch einen Blick über die schon seit einigen Jahren gebräuchliche Wiederverwertung von Schläuchen. Denn damit hat alles angefangen. Fahrradschläuche können nicht nur von einem „Platten“ außer Gefecht gesetzt werden. Der Zahn der Zeit, aber auch einfach nur schlechte Lagerung lassen das Material porös werden, sodass auch ein Flicken nichts mehr hilft und ein Ersatzschlauch her muss. Der alte Schlauch wanderte meist in den Müll. Bis die Ralf Bohle GmbH, mit der Marke Schwalbe Europas Marktführer für Fahrradreifen, einen großen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit machte. Das innovative Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Reichshof entwickelte 2015 in Zusammenarbeit mit dem Umweltinstitut EPEA als einziger Reifenproduzent ein Konzept für das Recycling von Fahrradschläuchen. Dafür gab es 2020 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Den Ausschlag hatte das Missverhältnis zwischen dem für die Schlauchproduktion benötigten ressourcenaufwendigen Materials Butylkautschuk und dessen millionenfacher Entsorgung im Müllcontainer gegeben.

Echte Nachhaltigkeit bei Fahrrad-Schläuchen

So können in Deutschland kostenfrei alte Schläuche beim Händler abgegeben werden. Schwalbe führt sie dann dem Recycling-Kreislauf zu. In Indonesien wird aus alt wieder neu: Die heute von Schwalbe verkauften Schläuche bestehen zu etwa 20 Prozent aus aufbereitetem Material. Mehr würde deren Qualität mindern. Aber auch diese Mischung spart rund 80 Prozent an Energie gegenüber der Herstellung von Butyl ohne diese Vorstufe zum Fahrradreifen Recycling. Dazu werden zuerst die alten Schläuche von ihren Ventilen befreit, dann aufbereitet und devulkanisiert. Nach Mischung mit neuem Gummi entsteht eine flexible Masse, die wiederum vulkanisiert und zu neuen Schläuchen verarbeitet wird, um dann vom deutschen Fahrradhandel aufs Neue vertrieben zu werden. Dieser Kreislauf zugunsten der Umwelt ist Schwalbe nun auch beim Recycling von Fahrradreifen gelungen. 2022 erhielt dieses neue Recyclingprojekt den Eurobike Innovators Prize.

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So funktioniert Fahrradreifen Recycling

Fahrradreifen Recycling: Nachhaltigkeit aus Russ gemacht
Fahrradreifen Recycling: Nachhaltigkeit aus Russ gemacht (Bild: Andrii Zastrozhnov – stock.adobe.com)

Das Fahrradreifen Recycling ist wesentlich komplexer als das von Schläuchen. Eine Fülle von Produkten und Materialmischungen stellte Schwalbe vor eine große Herausforderung. Bislang wurden aus Altreifen zwar Taschen oder Bodenbelag-Granulate hergestellt, ein wirklicher Materialkreislauf kann diese Weiterverwertung aber nicht genannt werden. Beim Recycling von Fahrradreifen gelangt altes Material nun ähnlich wie bei den Schläuchen über die Händler zum Hersteller zurück. Dort wird es zerkleinert, wobei Stahl, Textilfasern und Gummigranulat gewonnen werden. Letzteres landet in einem Pyrolyse-Ofen und wird einem Thermolyse-Prozess ausgesetzt. Dieser setzt Gase frei, die die Anlage energieautark betreibt. In dem Verbrennungsprozess entstehen Öle, die als Rohölersatz von der Industrie genutzt werden können. Außerdem bleibt dabei Pyrolyse-Koks rCB zurück, was für recovering Carbon Black steht. Dieser ist letztlich nichts anderes als Ruß, der für die Herstellung neuer Fahrradreifen Verwendung findet. Das ganze Verfahren kommt ohne CO2-Emissionen und ohne Müll aus. Die CO2- bzw. Rohstoffeinsparung bei der Herstellung neuer Fahrradreifen ist mit dem Recycling-Prozess von Fahrradschläuchen vergleichbar.

Recycling Fahrradreifen bislang nur von Schwalbe

Das weltweit einzigartige Vorzeigeprojekt von Schwalbe wird hoffentlich bald Nachahmer finden, die dem mittelständischen Unternehmen aus Deutschland folgen. Für Nachhaltigkeit rund ums Fahrrad setzen sich auch Firmen wie Vaude ein. Der Radbekleidungshersteller produziert aus Pyrolyseöl die Radhose Yaras und leistet so einen wertvollen Beitrag zum Recycling-Kreislauf alter Fahrradreifen. Recycling in seiner Reinform stellt aber vorerst nur das Reifenprogramm von Schwalbe dar, das mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent an recycelten Rohstoffen in den Handel kommt. Der beliebte Radreifen Schwalbe Marathon etwa besteht zu rund einem Drittel aus Altreifenruß und beeindruckt dennoch mit einer besonders elastischen Green-Card-Pannenschutzeinlage.