Zwei Personen begutachten alte Fahrräder im Museum
Geschichte des Fahrrads auf einen Blick (Bild: Iakov Filimonov - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks Geschichte des Fahrrads: Eine 200 Jahre Skala

Für über 5.000 Jahren erfanden einfallsreiche Menschen in Europa und Mesopotamien das Rad – eine technologische Revolution. Aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam jemand auf die Idee, zwei Räder nicht neben-, sondern hintereinander anzuordnen, diese mit Muskelkraft zu betreiben und lenkbar zu machen. Das Fahrrad war geboren. Verfolgen Sie die Geschichte des Fahrrads über die einzelnen Innovationsetappen und wie seine Evolution von der archaischen Laufmaschine zum modernen Citybike oder dem Hochleistungsrennrad möglich war.

Holpriger Start in die Fahrradgeschichte

Probiert wurde es bereits im Altertum: Der Obelisk von Luxor zeigt einen Mann aus dem Ägypten des 13. Jahrhundert v. Chr., der auf einem Balken sitzt, an dessen Enden zwei Räder angebracht sind. Auch für das Arabien der Spätantike und spätere Epochen lassen sich zumindest dokumentarisch sogenannte Laufmaschinen nachweisen, die aus zwei mit einem Steg zum Daraufsitzen verbundenen Holzrädern bestanden. Daneben gab es schon im alten Griechenland und später im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit vierrädrige Wagen, deren Antrieb per Hand- oder Tretkurbel, als Seilzug und Trommelmechanismus vonstattenging. Die Fortbewegung in oder auf diesen Vehikeln darf man sich als sehr mühselig vorstellen. Eine Konkurrenz zu Kutsche und Pferd waren sie jedoch nicht – und für die meisten dürfte auch ein rüstiger Fußmarsch dem Ritt auf einer unlenkbaren Laufmaschine vorzuziehen gewesen sein. Wenn eines dieser Geräte nicht 1804 sozusagen die Titelrolle in der französischen Operette „Les Vélocifères“ gehabt hätte, wäre zum Beispiel über diese Erfindung eines Grafen weiter nichts bekannt.

200 Jahre Fahrrad: Die Geschichte beginnt in Mannheim

Was da im Juni 1817 übers Mannheimer Straßenpflaster holperte, kam im Erscheinungsbild unseren modernen Fahrrädern schon sehr nahe. Ein einspuriges Fahrgerät mit komfortablem Sattel, Hinterradbremse und sogar einem Gepäckträger ließ die Passanten staunen. Doch Pedale gab es keine. Die von ihm erfundene Laufmaschine musste der Forstbeamte Karl von Drais mit schlenkernden Beinbewegungen vorantreiben. Sein rund 25 kg schweres und mit Holzreifen ausgestattetes Laufrad brachte es bei guter Konstitution auf höchstens 15 km/h. Der alte Spruch: „Lieber schlecht gefahren als gut gegangen“ erlangte vor 200 Jahren eine neue Bedeutung, als mit der später sogenannten Draisine die eigentliche Geschichte des Fahrrads begann.

In Deutschland wird das Tretkurbelrad erfunden

1853 versah der Schweinfurter Schreiner und Instrumentenbauer Philip Moritz Fischer die Draisine mit Pedalen an der Vorderachse. Dieses Modell war das erste Fahrrad mit Tretkurbelantrieb. Sein Vorderrad war deutlich höher als das Hinterrad. Aber wie bei vielen Erfindungen streiten sich auch hier die Geister. So soll ein Münchner Beamter bereits 1825 ein Tretkurbelrad entwickelt haben, das manche Historiker aber erst auf 1862 datieren. Ebenso wird einem Mechaniker aus Thüringen das möglicherweise erste Tretkurbelrad zugeschrieben. Ab 1860 nahm die Geschichte des Fahrrads jedenfalls schnell Fahrt auf. Die verbesserten Straßenverhältnisse und die industrielle Revolution sorgten für eine Schwungdynamik, die auch neue Mobilitätskonzepte mit sich brachte. Bereits 1865 wurden in den USA die nach ihrem Erfinder benannten Michaulinen industriell in Serie gefertigt.

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Geschichte des Fahrrads: Sicherheit ist gefragt

Schwarz weiß Bild eines Fahrrads
Geschichte des Fahrrads (Bild: mior anwar aizuddin/EyeEm - stock.adobe.com)

Die folgenden Jahrzehnte in der Geschichte des Fahrrads waren vom Hochrad geprägt, wie man es noch in vielen Historienfilmen durch die Kulissen rollen sieht. Manche Vorderreifen waren geradezu grotesk hoch und verlangten einiges an artistischem Geschick. Das charakteristische hohe Vorderrad und die erhöhte Sitzposition waren der Übersetzung des damaligen Pedalantriebs geschuldet. Auch ließ sich das Hochrad mit hohem Sitz besser balancieren. Diese Fahrzeuge verfügten in den 1870er Jahren bereits über Vollgummireifen mit Stahlspeichen. Dennoch kam es häufig zu Stürzen. Schon kleinste Unebenheiten ließen die eben noch stolz thronenden Fahrerinnen und Fahrer „über den Lenker absteigen“. Vor allem in Großbritannien suchte man einen Ausweg und erfand das Sicherheitsrad, das eine erste Verkleinerung des Vorderrads und eine Verschiebung der Sitzposition nach hinten aufwies. Das amerikanische Modell Kangaroo hatte 1884 am Vorderrad die erste Kettenübersetzung.

Das Niederrad: Ein Meilenstein der Fahrradgeschichte

Von da an war es nicht mehr weit bis zum Fahrrad mit Hinterrad-Kettenantrieb. Erste Versuche entstanden parallel zum Tretkurbelrad als Schwinghebelräder um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Als Prototyp aller modernen Fahrräder gilt das britische Niederrad Rover II aus dem Jahr 1885 mit kleinerem Vorder- und größerem Hinterrad, das sich optisch wieder der Draisine annäherte. Das Hinterrad wurde mit Tretkurbel und einer Kette angetrieben, sein Rahmen in den folgenden Jahren verbessert, bis er die Form des noch heute üblichen rhombusförmigen Diamantrahmen annahm. Auf Englisch heißt Rhombus „Diamond“. Das neue Niederrad sauste dem behäbigen Hochrad nur so davon, war viel sicherer und erhielt bald Schutzbleche über den Rädern, Lampe und Klingel sowie weitere Ausstattungselemente, die bald nicht mehr wegzudenken waren. Hinsichtlich Material, Design und technischer Raffinessen hat das Niederrad seither manche Innovation erfahren. Doch hätten wir sicher kein Problem, auf ein Fahrrad der vorletzten Jahrhundertwende zu steigen, weil es den unseren heute so ähnlich ist. Dass die Geschichte des Fahrrads weitergeht, zeigen zeitgemäße Entwicklungen wie das E-Bike. Doch so viel Neues haben heutige Hightech-Entwicklungszentren dem Erfindergeist von vor über 100 Jahren nicht hinzufügen können.

Geschichte des Fahrrads: Der Drahtesel ist ausgestorben

Bis 1885 waren das englische „bicycle“ (Zweirad) und mehr noch das französische Veloziped“ die gebräuchlichen Bezeichnungen für das Balance-Fahrgerät im deutschen Sprachraum. Dann brachten deutsche Radfahrvereine den Begriff „Fahrrad“ auf. Während bis in die letzten Jahre der Kaiserzeit die vornehmen Leute von ihrem Veloziped sprachen, war nun immer mehr vom Radfahren die Rede – übrigens in nicht immer klarer Abgrenzung zum Motorrad. Saloppe Bezeichnungen wie Stahlross und Drahtesel sind längst wieder im Keller der Geschichte des Fahrrads verschwunden. Heute fährt man einfach nur „Bike“ und noch kürzer: MTB.