Ein Paar fährt Tandem am Meer.
Tandemfahren: Fahrvergnügen hoch 2 (Bild: sashafolly - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen

Tandemvarianten – Fahrvergnügen hoch 2

Wann haben Sie zum letzten Mal ein Tandem gesehen? Wahrscheinlich ist das schon eine Weile her, denn besonders häufig ist das Mehrpersonenrad in Deutschland nicht vertreten. Dabei haben diese Bikes einiges zu bieten und es gibt sie mittlerweile in diversen Sonderformen, beispielsweise als Liegerad-Tandem, Tandem-E-Bike, Mountainbike-Tandem oder Nebeneinandem. Wir stellen Ihnen sowohl das klassische Tandemkonzept als auch viele weitere Tandemvarianten vor, erläutern deren Vor- und Nachteile und geben Ihnen einen Überblick über die jeweiligen Anschaffungskosten.

Tandemvarianten: Was ist ein Tandem überhaupt?

Per definitionem ist ein Tandem ein Fahrrad, das mindestens zwei Personen Platz bietet. Am weitesten verbreitet sind Tandems für zwei hintereinander sitzende Fahrer, wobei der Hintermann (Stoker) ausschließlich pedaliert und der Vordermann (Pilot) zusätzlich lenkt.

  • Die Konstruktion des klassischen „Zwei-Rads“ ist relativ simpel: Der Rahmen ist verlängert und verfügt über ein zweites Sitzrohr, außerdem ist natürlich ein zusätzliches Tretlager notwendig. In der Regel wird als Rahmenmaterial Stahl beziehungsweise Aluminium verwendet, wobei Stahl besonders robust und Aluminium schön leicht ist, was insbesondere bei sportlichen Tandemvarianten eine Rolle spielt.
  • Die Rahmengröße liegt je nach Einsatzzweck zwischen 15,5 und 29 Zoll.
  • Bei der Laufradgröße sind 20 bis 29 Zoll üblich.

Wichtig: Jede Tandemvariante muss das Gewicht von mindestens zwei Personen tragen. Entsprechend stabil und belastbar sollten sowohl Rahmen als auch Laufräder sein! Auch die Bremsen müssen bei diesem Fahrradtyp einiges leisten, daher sollten Sie auf ein entsprechend gut funktionierendes Bremssystem achten. Insbesondere hydraulische Scheibenbremsen verfügen über hohe und gut dosierbare Bremskraft.

Tandemvarianten: Was bietet das Mehrpersonenrad – und was nicht?

Ob normales Zweirad oder Tandem: Der Rollwiderstand und die Stirnfläche bleiben gleich, allerdings treten beim Tandem mindestens zwei Personen in die Pedale. Dadurch können Sie – zumindest in der Ebene oder bergab – deutlich höhere Geschwindigkeiten erreichen, beziehungsweise müssen weniger Kraft einsetzen. Ein Tandem hat jedoch noch viel mehr zu bieten:

  • Unzertrennbares Miteinander: Tandemfahren fördert Kommunikation und Teamgeist. Zum einen müssen Fahrmanöver wie Anhalten, Abbiegen etc. besprochen werden, zum anderen können sich die Fahrer generell problemlos unterhalten. Außerdem verlieren sie sich definitiv nicht mehr aus den Augen.
  • Fahren mit unterschiedlichen Leistungsniveaus: Mit einem Tandem spielt die jeweilige Leistungsfähigkeit der Fahrer eine wesentlich kleinere Rolle als beim Solo-Rad, was insbesondere Fahrradtouren deutlich entstresst. Sehr empfehlenswert sind hier Tandems mit „Allradantrieb“, bei denen Hinterradantrieb und Vorderradantrieb getrennt sind und nicht synchron in die Pedale getreten werden muss.
  • Fahren mit Mobilitätseinschränkung: Viele Tandemvarianten eignen sich hervorragend dazu, auch mit Handicap Fahrrad zu fahren. So können beispielsweise sehbeeinträchtigte Personen problemlos die Rolle des Hintermanns einnehmen.
  • Kinder an Bord: Je nach Alter und Tandemvariante eignet sich dieser Fahrradtyp auch für ein Eltern-Kind-Duo.

Die aufwändige Konstruktion des Tandems bringt natürlich auch einige Nachteile mit sich:

  • Höheres Gewicht: Insbesondere bei Steigungen ist ein deutlich größerer Kraftaufwand notwendig, um die zusätzlichen Kilos fortzubewegen. Hier kann allerdings ein Tandem-E-Bike Abhilfe schaffen.
  • Erschwerter Transport: Die Überlänge des Tandems kann zu Problemen führen, wenn es im Auto, in der Bahn oder im Flugzeug mitgenommen werden soll. Daher gibt es diverse Tandemvarianten, die sich leicht in der Mitte teilen lassen.
  • Hohe Anschaffungskosten: Für ein Tandem werden deutlich höhere Preise aufgerufen als für ein herkömmliches Bike. Rechnen Sie je nach Ausstattung mit Mindestkosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro – und für ein Tandem-E-Bike mit dem Doppelten. Manche Tandemvarianten können tatsächlich noch wesentlich kostenintensiver sein. Eine verbindliche Preisangabe wird dadurch erschwert, dass ein Großteil dieser Räder in Kleinserien oder als Custom-Tandem individuell konfiguriert in Manufakturen gefertigt wird.
  • Gewöhnungsbedürftiges Fahrverhalten: Insbesondere in puncto Balancehalten will Tandemfahren geübt sein.
  • Keine verdoppelte Packmöglichkeit: Sie können auf dem herkömmlichen Tandem in der Regel nicht mehr Gepäck mitnehmen als auf dem Solo-Rad.
  • Schlechte Aussichten für den Hintermann: Der ständige Blick auf den Rücken des vorderen Fahrers ist nicht jedermanns Sache.
  • Einsatz von Spezialkomponenten: Da Tandems wenig verbreitet sind, ist es im Zweifelsfall nicht so einfach, an Ersatzteile wie linksseitige Kurbeln für die Synchronisationskette zu kommen – und günstig sind diese auch nicht.
  • Nichts für Einzelkämpfer: Es ist ausgesprochen anstrengend, sich allein auf dem Tandem fortzubewegen. Allerdings gibt es durchaus Tandemvarianten, die sich kurzerhand zum Solo-Rad umrüsten lassen.

Good to know: Fast alle Tandemvarianten für zwei bis drei Personen sind mittlerweile auch als Klapp-Tandems erhältlich, die sich in der Mitte zusammenfalten lassen, was sie deutlich transportfreudiger macht.

Tandemvarianten: einsatzorientierte Sonderformen

Wer ohne einige der oben genannten Nachteile fahren oder den Nutzen der Mehrpersonenräder je nach Bedarf erhöhen möchte, kann auf diverse Tandemvarianten zurückgreifen:

Liegerad-Tandem – Entspannung zu zweit

Das Tandem-Liegerad bietet dieselben Vor- und Nachteile wie ein herkömmliches Liegerad, nur eben für gleich zwei Personen: Ein Plus an Ergonomie, Komfort und Kraftersparnis steht einem schlechteren Verkehrsüberblick, dem größeren Wendekreis und einer fixen Sitzposition entgegen. Ein technisch ausgeklügeltes, sportliches Liegerad-Tandem mit Standardausstattung kostet um die 4.000 Euro, ein Tandem-Liegerad als E-Bike je nach Ausstattung ab 7.000 Euro. Das Liegerad-Tandem gibt es natürlich auch in der Trike-Version mit drei Rädern, die kippsicherer und oft noch komfortabler ist als die zweirädrige Ausführung – und konstruktionsbedingt entsprechend teurer. Eine weitere Sonderform des Tandem-Liegefahrrads ist das sogenannte Janus-Tandem, bei dem die Fahrer Rücken an Rücken sitzen.

Nebeneinandem – Seite an Seite

Eine Sonderform des Tandems ist das Nebeneinandem – auch Parallel-Tandem, Buddy Bike oder Compagnionfahrrad genannt. Hier sitzen die Fahrer nicht hinter-, sondern nebeneinander. Auch bei diesem Tandem gibt es Pilot und Stoker, es lenkt also nur eine Person. Abgesehen von der größeren körperlichen Nähe und einer entsprechend noch einfacheren Kommunikation eignet sich das Nebeneinandem besonders gut für Beifahrer mit Handicap. Außerdem ermöglichen verstellbare Sitze die einfache Mitnahme von Kindern. Logischerweise ist ein Parallel-Tandem immer dreirädrig, was es etwas wendiger und deutlich kürzer macht als ein herkömmliches Tandem. Gut ausgestattete Nebeneinandems kosten etwa 4.000 Euro, in der E-Version durchaus auch 8.000 Euro und mehr.

Stufentandem – Höhenunterschied mit echtem Mehrwert

Das Konzept des Stufentandems stammt aus dem Bereich der medizinischen Rehabilitation. Bei dieser Lösung sind die Rollen der beiden Fahrer miteinander vertauscht: Der Hintermann hat sitzend die Rolle des lenkenden Piloten inne, der Vordermann übernimmt in liegender Position die Rolle des Stokers. Dabei kann er pedalieren bzw. eine Handkurbel betätigen, muss es aber nicht.

Diese Konstruktion bietet Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen eine gute Möglichkeit, sich auf dem Rad fortzubewegen. Außerdem können auch körperlich unbeeinträchtigte Duos zwischen sitzender und liegender Sitzposition abwechseln. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass beide Fahrer stets eine ungehinderte Sicht nach vorne haben. Für diverse Stufentandems gibt es zudem Sonderzubehör, mit dessen Hilfe das Bike auch als Lastenrad oder Kindertaxi genutzt werden kann. Der Alleskönner unter den Tandemvarianten hat seinen Preis: Für ein sehr gut ausgestattetes, flexibel nutzbares Stufentandem müssen Sie mit knapp 5.000 Euro rechnen, für ein gleichwertiges E-Stufentandem mit ca. 8.000 Euro.

Eltern-Kind-Tandem – die Familienkutsche

Diese Art des Tandems ist ähnlich aufgebaut wie ein Stufentandem, allerdings verfügt es über zwei normale Sitze in unterschiedlicher Höhe. In der Regel sitzt das Kind vorne und tritt optional mit in die Pedale, der Erwachsene fungiert hinten als Pilot. Als Zweirad-Version ist ein solides Eltern-Kind-Tandem für gut 3.000 Euro zu haben, bei der Dreirad-Version müssen Sie mit knapp 4.500 Euro rechnen. Als Tandem-E-Bike kostet der Spaß um die 8.000 Euro.

Mountainbike-Tandem – der Berg ruft

Während ein herkömmliches Tandem ohne Tretunterstützung bei Steigungen schnell an seine Grenzen kommt, können Sie sich mit dem Mountainbike-Tandem auch abseits der befestigten Wege zu zweit austoben. Grundsätzlich entspricht dieser Fahrradtyp dem herkömmlichen Mountainbike https://www.wertgarantie.de/Home/Themen/Blog/Fahrrad-verliebt/das-mountainbike.aspx, es gibt ihn als Hardtail mit Vorderradfederung und als Fully mit separater Federung am Vorderrad und am Hinterbau. Insbesondere das Fully federt Stöße effektiv ab und schont Rücken und Gelenke. Allerdings macht diese Komfortausstattung das Mountainbike-Tandem auch schwerer, wartungsintensiver und kostspieliger. Ab etwa 2.000 Euro ist ein Einsteigermodell zu haben, bei guter Ausstattung sind eher 3.000 Euro fällig. Möchten Sie ein solches Tandem als E-Bike erwerben, müssen Sie je nach Ausstattung mit ca. 6.000 – 9.000 Euro rechnen.

Renntandem – sportliches Pas de deux

Wie beim herkömmlichen Rennrad (Link) geht es auch beim Renntandem darum, durch geringes Gewicht und optimierte Aerodynamik möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Während das auf gut ausgebauten Straßen und ebenem Untergrund je nach Kondition sehr gut klappt, ist ein Renntandem auf unbefestigten Wegen eher nicht zu gebrauchen. Ein solide ausgestatteter Flitzer für zwei kostet ab 3.500 Euro, kann mit Top-Komponenten jedoch deutlich teurer sein. Zusätzliche Tretunterstützung bietet besonderen Komfort, ruft aber auch andere Preise auf: Beim E-Renntandem müssen Sie in der Regel mit mindestens 6.000 Euro rechnen – für eine Basisversion.

Das Renntandem kommt übrigens auch im Rahmen der Paralympics zum Einsatz: Bei diesem Wettbewerb fährt eine sehbeeinträchtigte Person auf dem Rücksitz.

Tandemvarianten für mehr als 2 Personen

Natürlich gibt es nicht nur Duo-Tandems, sondern auch Triplets, Quadruplets oder Quintuplets für drei, vier oder fünf Personen.

* Ein Highlight unter den Tandemvarianten ist das ConferenceBike, bei dem sieben Personen im Kreis zueinander sitzen und in die Pedale treten. Eine Person fungiert als Pilot und herrscht über das Lenkrad und zwei Bremsen.

* Das Thekenfahrrad beziehungsweise Bierbike ist unbestreitbar die lustigste aller Tandemformen und wird gerne für Festivitäten wie Junggesellenabschiede genutzt. Maximal 16 Personen sitzen pedalierend links und rechts einer Theke, an der in der Regel alkoholhaltige Getränke ausgeschenkt werden. Der Pilot befindet sich an der Stirnseite des Fahrzeugs. Natürlich entspricht ein solches Partybike nicht gerade dem „Don’t drink and drive“-Grundsatz, daher darf es nur unter gewissen Auflagen https://www.bussgeldkatalog.org/bierbike/ im Straßenverkehr genutzt werden.

Tandemvarianten – die perfekten Teambuilder

Mehrpersonenräder ermöglichen nicht nur Kommunikation, sie erfordern sie auch: Bei allen Tandemvarianten ist es notwendig, sich beispielsweise beim Auf- und Absteigen abzusprechen und sich auf die Fahrweise und Bedürfnisse des oder der anderen einzustimmen. Gelingt dies, kann ein „Team Tandem“ sich auf ganz besonderen Fahrspaß und sportliches Miteinander freuen, ob mit dem Liegerad-Tandem, dem Tandem-E-Bike, dem Mountainbike-Tandem, dem Renntandem oder anderen Tandemvarianten. Wie bei allen Fahrradtypen empfehlen wir Ihnen, eine professionelle Tandem-Kaufberatung in Anspruch zu nehmen, um zu klären, welche Tandemvarianten für Sie in Frage kommen und um auf jeden Fall eine Probefahrt zu machen – natürlich mindestens zu zweit!

Mehr zum Thema