Fahrradfreundliche Kommunen
Fahrradfreundliche Kommunen (Bild: PUNTOSTUDIOFOTO Lda – stock.adobe.com)

Ratgeber Rad & E-Bike Fahrradfreundliche Kommune – Diese Auszeichnung sollten Sie kennen

Fahrradfahren ist nicht nur Ihre Leidenschaft – für Sie ist dieses Verkehrsmittel auch existenziell wichtig und überdies eine Haltungsfrage? Dann werden Sie sicher großes Interesse daran haben, in einer Fahrradstadt oder Fahrradfreundlichen Kommune zu leben. Ersterer Begriff ist nicht immer mit konkreten Inhalten verbunden. Eine Fahrradfreundliche Kommune aber ist als solche zertifiziert und muss sich immer wieder einer Prüfung ihrer fahrradfreundlichen Maßnahmen unterziehen lassen. Lesen Sie, was es mit diesem Titel auf sich hat, wie und nach welchen Kriterien er vergeben wird und wie weit diese bundesweite Bewegung inzwischen gediehen ist.

Fahrradstadt und Fahrradfreundliche Kommune

Manchmal ist es vor allem Marketing, manchmal Teil der echten urbanen DNA, wenn sich Städte stolz als Fahrradstadt bezeichnen. Sie signalisieren mit diesem selbst verliehenen Titel, dass besonders viele Menschen in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs sind und optimale Bedingungen für das Fahrradfahren herrschen. Nun gibt es aber auch die Bezeichnung Fahrradfreundliche Kommune. Und zu der kommt eine Stadt nicht mal eben so. Denn dabei handelt es sich um eine Auszeichnung, die in Deutschland länderspezifisch und von unterschiedlichen Institutionen nur dann verliehen wird, wenn ein Gemeinwesen gewissenhaft eine Reihe von maßgeblichen Radfahr-Kriterien erfüllt.

Fahrradfreundliche Kommune: Impuls kam aus NRW

Begriff und Idee der Fahrradfreundlichen Kommune gehen auf den Umweltplaner und Verwaltungswissenschaftler Konrad Otto-Zimmermann zurück. Als Mitarbeiter beim Umweltbundesamt machte er sich in den 1980er Jahren Gedanken, wie mit einer Zertifizierung für Kommunen deren vorbildliches Engagement für den Radverkehr gewürdigt und für andere Städte ein Anreiz geschaffen werden könnte. 1993 wurde dann in Nordrhein-Westfalen eine Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) mit 13 Mitgliedern ins Leben gerufen, die auch heute noch existiert und inzwischen 96 Mitgliedsstädte hat. Die AGFS dient seither als Vorbild für ähnliche Gründungen in anderen Bundesländern. Sie war damit die erste deutsche Institution, die auf kommunaler Ebene kooperativ den Fahrradverkehr und die Nahmobilität förderte.

Fahrradfreundliche Kommune: Die Aufnahmekriterien

Um die Auszeichnung Fahrradfreundliche Kommune zu erhalten und dem Verbund beizutreten, muss eine Stadt einen ausgefeilten Katalog von Kriterien erfüllen. Dies wird von Bundesland zu Bundesland zwar nicht identisch, aber doch sehr einheitlich gehandhabt. Beispielhaft seien hier die Aufnahmekriterien der AGFS genannt: Zuerst kommt es auf eine radfahrbezogene kommunalpolitische Zielsetzung an, die unter anderem für das Fahrrad einen Anteil von 25 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen anstrebt. Weiterhin soll die Verkehrsplanung gezielt auf Nahmobilitätsförderung setzen und auch die Stadtplanung den Radverkehr priorisieren – etwa durch den forcierten Ausbau einer fahrradfreundlichen Infrastruktur. Für den Fußgänger- und Radverkehr sollen Services wie Fahrradkuriere, Leihsysteme oder Bringdienste des Einzelhandels geschaffen werden. Schließlich müssen auch Kommunikation und Information auf das Thema Fahrrad abgestellt sein. Die Kriterien gelten als offene Liste mit zahlreichen Unterpunkten, die von Bewerberstädten möglichst lückenlos zu erfüllen sind.

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Fahrradfreundliche Kommune: Jede Stadt ist gefragt

Fahrradfreundliche Kommune: Jede Stadt ist gefragt
Fahrradfreundliche Kommune: Jede Stadt ist gefragt (Bild: ANGHI – stock.adobe.com)

Bei den genannten Kriterien handelt es sich nicht um wohlklingende Lippenbekenntnisse, sondern um zum Teil sehr konkrete Vorgaben, deren Umsetzung genau registriert wird. So musste das nordrhein-westfälische Marl – eine Mitbegründerin der AGFS – 2014 erleben, wie es aus der Gemeinschaft der Fahrradfreundlichen Kommunen des Bundeslandes herausgeworfen wurde, indem man die Mitgliedschaft nicht erneuerte. Marl hatte in den Jahren zuvor sein kommunales Radverkehrsnetz wieder vernachlässigt und sich erkennbar weniger für die Förderung des Radverkehrs engagiert. Wie steht es aber um die Stadt, in der Sie wohnen? Sind Sie in einer Fahrradfreundlichen Kommune zu Hause? Wenn nicht – es steht Ihnen gemeinsam mit anderen Radfahrenden frei, auf die Stadtverwaltung Ihres Wohnorts einzuwirken und für bessere Bedingungen für die Radmobilität einzutreten. Denn der Titel Fahrradfreundliche Kommune ist auch als Imageaufwertung und Prestigefaktor zu verstehen. Keine moderne Kommune sollte hier zurückstehen.

Fahrradfreundliche Kommunen in den Bundesländern

So wird die Mitgliedschaft in den Verbund der Fahrradfreundlichen Kommunen in den meisten Ländern geregelt:

Nordrhein-Westfalen

Wer die Kriterien der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte erfüllt, wird Mitglied und ist zum Tragen der Titels Fahrradfreundliche Stadt berechtigt. Nach sieben Jahren Mitgliedschaft erfolgt eine erneute Überprüfung der Kriterien. Derzeit 96 Mitglieder.

Bayern

Auch in Bayern gibt es eine vergleichbare Arbeitsgemeinschaft, die aber erst 2012 gegründet wurde. Die Mitgliedschaft muss nach vier Jahren erneuert werden. In diesem Zeitraum kann eine neue Kommune für die Verleihung des begehrten Titels beim bayerischen Staatsministerium des Inneren vorgeschlagen werden. Er muss nach sieben Jahren einer Kontrolle unterzogen werden. Derzeit 77 Mitglieder.

Baden-Württemberg

Anders als in NRW wird die Auszeichnung Fahrradfreundlichen Kommune vom Land für fünf Jahre bis zur nächsten Prüfung vergeben. Jedoch muss zuvor eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg hergestellt sein. Aktuell über 100 Städte, Gemeinden und Landkreise.

Brandenburg

Mit 13 Mitgliedern formierte sich die brandenburgische Arbeitsgemeinschaft und wuchs schnell. Derzeit 30 Mitglieder.

Thüringen

In der 2013 initiierten Arbeitsgemeinschaft in Thüringen waren 13 Gründungsmitglieder vertreten. Mit derzeit 16 Mitgliedern kommen die Fahrradfreundlichen Kommunen des Freistaats gegenwärtig nur langsam voran.

Sachsen-Anhalt

Anders in Sachsen-Anhalt: Die dortige Arbeitsgemeinschaft wurde erst 2019 gegründet, zählt derzeit aber schon 84 Kommunen, Städte und Landkreise als Mitglieder.

Mecklenburg-Vorpommern

Das Bundesland ist ebenfalls ein Späteinsteiger und vereint in seiner Arbeitsgemeinschaft 19 Mitglieder.

Niedersachsen & Bremen

Die beiden Bundesländer treiben ihre Mobilitätsoffensiven fürs Fahrrad gemeinsam voran. Aus dem Wettbewerb um einen Landespreis Fahrradfreundliche Kommune ging letztlich auch hier eine Arbeitsgemeinschaft hervor, der derzeit 78 Mitglieder angehören, darunter neben Bremen alle niedersächsischen Großstädte.

Saarland

Erst 2021 unterschrieben 21 saarländische Kommunen und Landkreise einen Letter of Intent als Gründungsurkunde einer eigenen Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlichen Kommunen.

Gibt es noch andere Fahrradstädte?

In Rheinland-Pfalz laufen noch die Verhandlungen über den Zusammenschluss von rund 40 fahrradfreundlichen Kommunen zu einer eigenen Arbeitsgemeinschaft. In Hessen wiederum besteht eine Arbeitsgemeinschaft Nahmobiltät, die aber kein einschlägiges Zertifikat vergibt. Ähnlich verhält es sich mit dem Freistaat Sachsen, wo eine Arbeitsgemeinschaft sächsischer Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs (Wegebund) aktiv ist – ebenso in Schleswig-Holstein mit der dortigen Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs.

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