BMX – kleine Räder, großer Spaß
BMX – kleine Räder, großer Spaß (Bild: Evgeny Starkov - estarkov.ru)

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BMX – kleine Räder, großer Spaß

Auch wenn man selbst (noch) nicht zur eingeschworenen BMX-Fangemeinde gehört, ist der Zwerg unter den Fahrrädern fast jedem ein Begriff. Was viele nicht wissen: BMX ist seit 2008 sogar eine olympische Disziplin. Aber was genau ist ein BMX-Rad eigentlich? Was heißt in dem Zusammenhang Race und Freestyle? Was bedeuten Schlagwörter wie Bunnyhop, Flatland, Peg und Backflip? Antworten gibt’s hier und außerdem Informationen darüber, welches beliebte BMX-Marken sind, ob ein BMX-Rad für Sie geeignet wäre, welche Art von BMX-Rad Kinder und Erwachsene in welcher Größe benötigen, worauf Sie beim Kauf achten sollten und was Sie für ein gutes BMX-Rad investieren müssen.

BMX: wie alles begann

Mit vollem Namen heißt das BMX-Rad Bicycle Motocross – das X steht für Cross, was im Englischen sowohl ‚Kreuz’ als auch ‚durchqueren’ bedeutet. Das BMX-Rad entstand in den USA der späten sechziger Jahre, als der Motocross-Sport ebenso verbreitet wie beliebt war. Jugendliche Anhänger dieses Sports, die weder eine Fahrerlaubnis noch das Geld für ein Motorrad hatten, machten aus der Not eine Tugend: Sie statteten ihre Fahrräder mit einem Motorradlenker und kleineren, breiteren Reifen aus – und so entstand das Stingrayrad bzw. das BMX-Rad.

Angelehnt an den Motocross-Sport wurden damit 400-Meter-Parcoursrennen über hügelige Sandpisten gefahren, die mit Steilkurven und Hindernissen versehen waren, letztere wurden durch Sprünge mit dem BMX-Rad überwunden. Die ersten BMX-Eigenbauten stellten sich allerdings schnell als zu wenig belastbar heraus, woraufhin der Rahmen statisch stabiler gestaltet wurde. Eine Evolutionsstufe dieses Bikes war übrigens das sogenannte Bonanzarad, welches auch in Europa Furore machte und im Deutschland der siebziger Jahre den Traum eines fast jeden Jungens (und so manchen Mädchens) verkörperte.

Damals wie heute verfügt/e ein klassisches BMX-Rad über ein Felgenmaß von 20 Zoll, einen aufrechten Lenker mit Querträgern, lange Kurbeln, meistens über eine Hinterradbremse – und verzichtet auf jegliche Art der Schaltung. Die Reifenbreite richtet sich nach dem jeweiligen Einsatzzweck, der eher schmale, spitz zulaufende Sattel ähnelt dem eines Mountainbikes Home/Themen/Blog/Fahrrad-verliebt/das-mountainbike.aspx. Je nach Einsatzzweck, Rahmenmaterial und Ausstattung bringt ein BMX-Rad zwischen 10 und 15 Kilogramm auf die Waage.

BMX: Rahmengeometrie und Rahmengröße

Ein Fahrrad im eigentlichen Sinne ist das BMX-Rad nicht. Je nach Einsatzzweck ist ein BMX-Rad für sehr kurze Rennen um die 400 Meter (Race) oder für akrobatische Sprünge und Tricks (Freestyle) konzipiert. Informationen zur jeweiligen Ausstattung erhalten Sie im folgenden Kapitel, an dieser Stelle gehen wir zunächst auf die Rahmengröße ein. Wie bei jedem anderen Fahrradtyp bestimmt die Rahmengeometrie, welche Sitzposition Sie einnehmen und wie komfortabel und leistungsstark Sie unterwegs sein können. Die passende Rahmengröße, die Laufradgröße, die Höhe des Lenkers und die Länge der Kurbel richten sich maßgeblich nach der Körpergröße, der individuellen Anatomie und den Bedürfnissen des Fahrers – deshalb gibt Ihnen die Tabelle im Anschluss lediglich Richtwerte. Sie sollten also nicht auf eine professionelle BMX-Kaufberatung verzichten.

Für wen eignen sich welche BMX-Rahmengrößen und -konfigurationen?
Körpergröße Rahmengröße Laufradgröße Oberrohrlänge Kurbellänge Lenkerhöhe
≤ 110 cm Micro 16" 15" - 16" 130 – 140 mm 5" - 6"
≤ 130 cm Mini 18" 17" - 18" 140 – 170 mm 6" - 7"
≤ 150 cm Junior 20" 20" - 20,25" 165 – 175 mm 7" - 8"
≤ 160 cm Expert 20" 20,5" 170 – 180 mm 7,5" - 8.5"
≤ 175 Pro 20" 20,75" 175 – 185 mm 8" - 9"
ab 175 cm Pro XL 20" 21" - 21,5" 175 – 190 mm 8" - 10"

Außerdem gibt es noch eine Sonderform des BMX: den Cruiser. Dieser verfügt über 24-Zoll-Laufräder und ist insbesondere bei der älteren Generation der BMX-Fahrer beliebt.

BMX: Race oder Freestyle?

Wenn Sie in Erwägung ziehen, sich ein BMX-Rad zuzulegen, sollten Sie sich vorab über den Einsatzzweck klar sein: Race oder Freestyle? Rahmen und Ausstattung von BMX-Rädern sind nämlich entweder auf die eine oder andere Variante zugeschnitten:

BMX-Race – Einsatzzweck und Konfiguration

Die ersten BMX-Räder waren Racer – was nach wie vor bei der Race-Disziplin zählt, ist die Geschwindigkeit, mit der das BMX-Rad einen motocross-ähnlichen Parcours mit engen Kurven und Hügeln durchfahren kann – die Erhebungen werden bevorzugt mit teilweise sehr hohen Sprüngen absolviert. Aus diesem Grund verfügt diese Art von BMX-Rad in der Regel über einen Aluminium-Rahmen, um das Gewicht möglichst gering zu halten, und ist mit V-Brakes ausgestattet, weil diese eine höhere Bremskraft haben als U-Brakes, die häufig in der Freestyle-Variante verbaut sind.

BMX-Freestyle – diverse Einsatzzwecke, vielfältige Konfigurationen

Die BMX-Disziplin des Freestyle kam erst nach dem Race auf, wobei heutzutage die meisten BMX-Rädern auf Freestyle zugeschnitten sind. Beim Freestyle geht es um Geschicklichkeit, Akrobatik und Balance, denn hier werden Tricks und Stunts präsentiert, sowohl im Gelände, als auch im urbanen Bereich und in Skateparks. Freestyle verfügt über diverse Unterdisziplinen, sodass man nicht von einer allgemeinen Konfiguration sprechen kann, da sich diese nach dem jeweiligen Einsatzzweck richtet. Es lässt sich allerdings sagen, dass in der Regel U-Brakes zur Anwendung kommen, also Bremsen, die mit dem Gelenk auf der Gabel oder dem Rahmen angebracht werden. Diese Art von Felgenbremse hat eine geringere aber besser zu dosierende Bremskraft als V-Brakes und steht kaum vom Rahmen ab, wodurch sie sich für BMX-Freestyle besonders gut eignet. Als Sonderausstattung sind beim BMX-Rad häufig Pegs zu finden, also Stangen, welche an Vorder- und Hinterrad angebracht werden, die Achsen des Bikes verlängern und für diverse Tricks notwendig sind. Auch der 360°-Rotor ist ein häufiges Ausstattungsmerkmal beim Freestyle-BMX, das eine Drehung des BMX-Lenkers um die eigene Achse erlaubt, ohne dabei durch das Bremskabel behindert zu werden. Der Freecoaster, eine spezielle Art von Hinterradnabe, kann ebenfalls zur erweiterten Ausstattung des BMX-Rads gehören und ermöglicht es, das Hinterrad isoliert, also ohne eine gleichzeitige Drehung der Pedale, rückwärts zu drehen.

Diese Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Unterdisziplinen, deren Einsatzzwecke und die entsprechende BMX-Konfiguration.
Disziplin Einsatz Rahmen Bremssystem häufige Zusatzausstattung
Flatland Tricks auf ebenem Untergrund Aluminium oder Stahl keines Pegs, Freecoaster
Dirt/Dirtjump Gelände/Sprünge über Erdhügel i. d. R. Stahl U-Brakes
Street Urbane Akrobatik (Hauswände, Treppen, etc.) i. d. R. Aluminium U-Brakes Pegs
Park Tricks auf Hindernissen wie Rampen/Skateparks i. d. R. Aluminium U-Brakes 360°-Rotor
Vert Tricks auf Half- bzw. Quarterpipe/Skateparks i. d. R. Aluminium U-Brakes 360°-Rotor

Beim BMX-Freestyle gibt es unzählige Tricks mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Generell werden sie in Sprünge, also Hop-Tricks, Air-Tricks (Tricks in der Luft) und Ramp-Tricks, Tricks auf der Rampe, unterteilt. Besonders bekannt sind Tricks wie Manual (Fahren auf dem Hinterrad, das Vorderrad ist in der Luft) Frontflip (Vorwärtssalto), Backflip (Rückwärtssalto) oder der Bunnyhop, bei dem erst mit dem Vorderrad und dann mit dem Hinterrad vom Boden abgesprungen wird.

BMX-Rad vs. Mountainbike

Beim Dirt-BMX-Rad handelt es sich um eine Kreuzung aus BMX und Mountainbike mit einer Rahmengröße von 24 Zoll bis 26 Zoll. Es ist sprungfreudig und eignet sich bestens für BMX-Parks und Offroad-Strecken, jedoch nicht für längere Ausfahrten.
Generell unterscheiden sich BMX-Rad und Mountainbike erheblich, zum einen hinsichtlich der Konstruktion, zum anderen in puncto Einsatzzweck:
Das MTB ist hauptsächlich für lange Strecken in unwegsamem, natürlichem Gelände ausgelegt, das BMX-Rad für kurze Rennen auf glatter Oberfläche oder für Sprünge über Hindernisse bzw. Tricks und Stunts. MTB-Laufräder sind deutlich größer als die des BMX-Rads, die Bereifung ist breiter und zudem verfügt ein Mountainbike in der Regel über Scheibenbremsen, diverse Gänge und Federung.

BMX: Hersteller, Kosten und Qualitätsunterschiede

BMX-Räder gibt es in den unterschiedlichsten Preiskategorien und von diversen Herstellern. In den letzten Jahren waren laut statista die Marken KS, Rooster, WeThePeople, GT und S'Cool besonders beliebt. Doch auch Hersteller wie Bergsteiger, Monz, KHE, Raleigh, Tretwerk, Felt und Scott sind bekannte Größen in der BMX-Szene.


Die Anschaffungskosten für ein BMX-Rad sind im Verhältnis zu anderen Fahrradtypen eher moderat: Bereits für 200 Euro gibt es gute Einsteiger-BMX wie das Ohio von Bergsteiger, für 500 Euro erhalten Sie schon ein hochwertiges Modell wie das Nova 2019 von WeThePeople. Im High-End-Bereich liegt das P.3 Dirt Mountain Bike 2020 von Specialized mit einem Preis von knapp 1.000 Euro. In Kürze wird es auch ein BMX-E-Bike geben: Der Vorverkauf des UDX 204 von Urban Drivestyle hat bereits begonnen. Die drei Varianten X-BERG, XOPPA und PANZA können Sie momentan noch zum Einführungspreis bestellen, regulär sind sie für 1.490 Euro bzw. 1.690 Euro oder 1.780 Euro zu haben.

Auch bei diesem Fahrradtyp ist es wichtig, sich umfassend zu informieren. Gravierende Qualitätsunterschiede sind für den Laien oft schwer zu erkennen, nicht zuletzt deswegen wird in der Regel davon abgeraten, ein BMX-Rad im Discounter oder online zu erstehen.

BMX: wichtige Kaufkriterien

Bevor Sie sich ein BMX-Rad zulegen, sollten Sie folgende Fragen klären:

  • Möchten Sie eher Race oder Freestyle fahren?
  • Falls Sie sich für Freestyle entscheiden: Welche Art von Freestyle interessiert Sie besonders?
  • Wie wichtig ist das Gewicht Ihres BMX-Rads für Sie?

Ein gutes BMX-Rad zeichnet sich in erster Linie durch einen robusten Rahmen aus, der entweder aus Aluminium (Race) oder Stahl (Freestyle) besteht. BMX-Räder mit einem Chrommolybdän-Rahmen (CrMO) sind leichter als solche mit einem Rahmen aus High-Tension-Stahl (HiTen), aber auch deutlich teurer.


Wenn Sie die Antworten auf diese Grundfragen kennen, sind Sie Ihrem Traum-BMX schon ein ganzes Stück näher gekommen. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich möglichst noch Zeit für eine BMX-Rad-Kaufberatung beim BMX-Fachhändler nehmen. Er kann Ihnen genau sagen, welches Rad und welche Größe am besten zu Ihnen passen. Außerdem berät er Sie zu wichtigen Punkten wie BMX-Helmen und zusätzlicher Ausstattung.

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