Apple verbietet App Tracking - und profitiert selbst
Apple verbietet App Tracking - und profitiert selbst (Bild: LightAndShare - stock.adobe.com)

Datensicherheit Apple verbietet App Tracking - und profitiert selbst

Wissen Sie, was App Tracking bedeutet? Mit dieser Methode können Anbieter von Apps die Daten ihrer Nutzer auslesen. Wenn Sie z.B. die Facebook App nutzen, liest das Unternehmen mit und kann so Rückschlüsse auf Ihr Userverhalten ziehen. Das hilft Facebook wiederum seine Applikation zu optimieren und Ihnen noch bessere Werbung, sogenannte “Search-Ads”, zeigen zu können. Direkt im App Store von Apple haben Unternehmen nämlich die Möglichkeit, Werbeanzeigen ihrer Apps zu schalten. Die funktionieren genau wie Google Ads, nur eben für den App Store. Suchen Sie nach einem bestimmten Begriff, wird Ihnen eine dazu passende App vorgeschlagen. Seitdem Apple das App Tracking verboten hat, fehlen den App Anbietern jedoch die nötigen Userdaten. Apple selbst sammelt hingegen fleißig weiter und kann Ihnen somit passende Search-Ads anbieten. Heißt: Apple profitiert von seinem eigenen App Tracking Verbot.

Warum wurde App Tracking eigentlich verboten?

Dass Werbung heutzutage getrackt wird, ist ganz normal. Während früher Reklame und Anzeigen ausschließlich in der Zeitung, Plakaten oder im Fernsehen zu sehen waren, ist ein Großteil davon nun online abgebildet. Der Vorteil: Die Inhalte lassen sich inzwischen zielgerichtet ausspielen. Je nach Zielgruppe, bekommen manche User diese und andere Nutzer jene Anzeigen zu Gesicht. Dieses Targeting ist aus Sicht der Unternehmen ein Segen, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Werbung auf Gegenliebe stößt. Ganz unkritisch betrachtet, ist das auch für Sie, den Käufer besser. So kriegen Sie nur die Werbung dargeboten, die Sie auch wirklich interessiert. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Unternehmen dafür Ihre Daten abgreifen.

Um Ihnen die passenden Anzeigen präsentieren zu können, müssen Firmen schließlich erstmal wissen, wie Sie so ticken. Der beste Weg, um das herauszufinden, geht über massenhaftes Sammeln und Auswerten von Nutzerdaten. Im Falle von Smartphone Applikationen geschieht dies über das App Tracking. Beim App Tracking wird Ihr Userverhalten in Echtzeit ausgelesen. Eine ganz schön gruselige Vorstellung, seit Jahren aber gelebte Praxis. Genau hier setzt das Verbot von Apple an. Inzwischen haben es Nutzer nämlich selbst in der Hand, ob sie dem App Tracking zustimmen oder nicht. Falls nicht, können Apps Ihr Verhalten nicht mehr auslesen und Sie haben ein Stück Ihrer Privatsphäre zurück. Apple hat das Verbot für App Tracking offiziell dafür eingeführt, um Ihnen die Kontrolle über Ihre Daten wiederzugeben.

So sehr sahnt Apple durch App Tracking ab

Wie genau hängt das Verbot vom App Tracking nun mit Apples Profit zusammen? Das App Tracking und die Algorithmen, die für zielgerichtete Werbung zuständig sind, stellen ziemlich komplexe Sachverhalte dar. Der Zusammenhang zwischen dem Verbot des Trackings und Apples Vorteil daraus lässt sich dennoch leicht erklären. Dadurch, dass ein Großteil der Anbieter von Apps keine Nutzerdaten mehr bekommt, fehlt ihm das Wissen, was User interessiert. Ohne diese Kenntnis, können die Anbieter nicht mehr so gut Search-Ads schalten – die Werbeanzeigen im App Store. Diese Search-Ads sind übrigens ziemlich erfolgreich. Aktuell sind die Werbeanzeigen für 58 Prozent aller Downloads aus dem App Store verantwortlich. Das ist eine ganze Menge. Wenn Sie einen Suchbegriff eingeben, erscheint in der Folge schließlich eine ganze Reihe unterschiedlicher Apps. Die Search-Ads befinden sich aber natürlich an erster Stelle.

Diese werden vom User somit schneller gesehen. Zudem erscheinen Anzeigen oft vertrauenswürdiger bzw. offizieller. In der Folge werden Search-Ads proportional öfter heruntergeladen. Heißt: Diese Anzeigen haben eine große Macht. Dass den Anbietern durch das Verbot für App Tracking nun die Datengrundlage fehlt, stellt für Facebook & Co. ein großes Problem dar – und einen Vorteil für Apple. Genau diesen Wissensverlust macht sich der kalifornische Techkonzern zunutze. Apple selbst sammelt nämlich weiterhin Userinfos – ist vom App Tracking Verbot also ausgeschlossen, zumindest was seine hauseigenen Applikationen betrifft. Von diesem Ungleichgewicht profitiert Apple, dessen Apps in der Folge mehr Aufmerksamkeit zukommen. Das bedeutet für das Unternehmen mehr Gewinn, im aktuellen Geschäftsjahr sind das ca. fünf Milliarden Dollar.

User können App Tracking trotzdem zustimmen

Warum wurde App Tracking eigentlich verboten?
Warum wurde App Tracking eigentlich verboten? (Bild: XFY - stock.adobe.com)

Obwohl bei Apples neuer Richtlinie vielerorts vom „App Tracking Verbot“ gesprochen wird bzw. davon, dass Apple dies unterbindet, ist das nur halb wahr. Ja, Apple kann das Datensammeln durch App Anbieter verbieten. Unterm Strich liegt es aber an Ihnen, ob Sie dies wünschen oder nicht. Wann immer Sie das erste Mal eine App auf dem iPhone nutzen, werden Sie nämlich gefragt, ob Sie damit einverstanden sind, dass die Applikation Ihr Nutzerverhalten ausliest. Dies können Sie entweder bejahen oder ablehnen. Im Menü lässt sich diese Option auch später noch anpassen. Gehen Sie dazu auf Einstellungen > Datenschutz > Tracking. Sie haben es also in der Hand. Laut aktuellen Zahlen stimmen nur 25 Prozent aller iPhone User dem Datensammeln zu. Drei Viertel nutzen somit die Apps ohne, dass sie durch Anbieter ausspioniert werden. Für den Datenschutz der Nutzer stellt das App Tracking Verbot daher ein großes Plus dar.

Haben Firmen keinen Einblick mehr in Nutzerdaten?

Wie sieht es nun also aus? Arbeiten Anbieter für iOS Apps künftig blind und ganz ohne Nutzerdaten? Nein, nicht wirklich. Zunächst ist es richtig, dass Firmen wie Facebook, Google, Twitter, Snapchat und Yahoo! auf dem iPhone keinen Einblick ins Verhalten ihrer User haben, wie zuvor noch. Was Unternehmen aber dennoch erhalten, ist eine Zusammenfassung von Nutzerdaten. So bekommen Twitter, Facebook & Co. nach einer Verzögerung von bis zu 72 Stunden zusammengefasste Werte. Aus diesen lassen sich ebenfalls Rückschlüsse auf das Userverhalten ziehen. Diese Zusammenfassung ist aber freilich nicht so detailliert wie die Datensätze, welche die Unternehmen zuvor bekommen haben. Zudem liegt nun eine Zeitverzögerung von bis zu drei Tagen dazwischen – im Gegensatz zu früher, wo App Anbieter in Echtzeit die Bewegungen ihrer Nutzer verfolgen konnten. Apple selbst bestreitet übrigens, dass es einen Vorteil aus dem neuen App Tracking Verbot zieht. Laut dem Unternehmen stehe einzig und allein der Datenschutz der User im Vordergrund.