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Touristische Radrouten in Europa

14.02.2018

In unserem Artikel über touristische Radrouten in Deutschland haben wir bereits über die Besonderheiten der Radfernwege geschrieben, die hauptsächlich für die touristische Vermarktung von Regionen angelegt wurden. Mitten in der Urlaubsplanung für 2018 stellt sich die Frage: Wie verhält es sich mit solchen Angeboten in anderen Ländern Europas?

 

Definitionen

In dem Beitrag über touristische Radrouten in Deutschland (Radfernwege und touristische Radrouten in Deutschland) schilderten wir, dass die Begriffe Radwege und Radroute bzw. Radfernwege und Radschnellwege nicht dieselbe Bedeutung haben.

Kurz zusammengefasst: Touristische Radrouten und Radfernwege sind Schöpfungen des touristischen Marketings und bieten deshalb in ihrer Gesamtheit betrachtet nicht die einheitliche Qualität wie zum Beispiel Radwege oder Radschnellwege.

Diese Unterscheidung muss auch in den Nachbarländern so gesehen werden. Auch dort versprechen die glanzvollen Namen für Radstrecken lediglich ein Kultur- und Naturerlebnis und garantieren keine genormten Fahrbedingungen.

 

Welche Unterschiede sind zu beachten?

Sollte ein Urlaub entlang einer touristischen Radroute im Ausland geplant sein, ist auf eventuelle rechtliche Unterschiede zu achten. So gibt es in einigen europäischen Ländern eine Helmpflicht für alle Radfahrer oder zumindest für bestimmte Altersgruppen.

Ebenso sind die Promillegrenzen für Radfahrer in den Ländern Europas unterschiedlich geregelt. Während in einigen Staaten keine Grenzen festgelegt sind, verhängen andere Länder ein Bußgeld bei Überschreitung eng gesetzter Promillegrenzen.

Die Regeln können hierzu sehr komplex sein. So wird in der Slowakei unterschieden, ob der angetrunkene Radfahrer auf eine Straße oder auf einem Radweg angetroffen wurde. Einen Überblick über aktuelle Promillegrenzen bietet die Webseite des ADAC.

 

Abweichende Regelungen beachten

Apropos Alkohol: Die geplante Einkehr in einer Raststätte kann an von Deutschland abweichenden Ruhezeiten oder Feiertagen scheitern. Unterschiedliche Feiertagsregelungen können auch die Ursache dafür sein, dass die angepeilte Radwerkstätte am konkreten Tag nicht geöffnet ist.

Stromtankstellen (Link zum Artikel: Stromnetz für Radfahrende) finden eine immer größere Verbreitung. Leider sind Zutritt- und Abrechnungsmodalitäten nicht immer mit den eigenen Möglichkeiten kompatibel. Eine rechtzeitige Erkundigung bezüglich eventuell benötigter Kundenkarten etc. hilft hier weiter.

Das Kennzeichnungssystem der Radrouten kann deutlich von den in Deutschland üblichen Symbolen abweichen. Die Mitnahme der Route auf Papier oder als Datei auf dem Smartphone empfiehlt sich. Manchmal geht eine Kennzeichnung auch verloren, der Versuch einer Orientierung ohne mitgeführten Plan kann wertvolle Urlaubszeit kosten.

 

Unterschiedliche Bezeichnungen in den deutschsprachigen Regionen

Während in Deutschland der ADFC die Verwendung der Begriffe „Touristische Route“ und „Radfernweg“ empfiehlt, ist in Österreich der Begriff „Radwanderweg“ üblich. In der Schweiz hingegen werden nationale und regionale „Radwanderrouten“ betrieben. Die Südtiroler Tourenfahrer erschließen sich schöne Landschaften auf „Radrouten“.

 

Einige besonders spannende europäische Radrouten

Im Jahre 1995 wurde vom Europäischen Radfahrerverband ECF (European Cyclists‘ Federation) mit dem Projekt „EuroVelo“ eine Initiative gestartet, die ganz Europa mit Radfernwegen verbinden möchte.

Die historisch wohl spannendste Route führt entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs (Iron Curtain Trail) auf 10.400 km von der Barentsee bis zum Schwarzen Meer. Da der Streckenverlauf dabei immer wieder zwischen den Staatsgebieten hin und her pendelt, stellt er eine besondere Form von Grenzerfahrung dar.

Zusätzlich bewegt sich die Strecke entlang eines anderen europäischen Projektes mit ökologisch hohem Stellenwert. Während der Zeit des Eisernen Vorhangs haben sich in der menschenverlassenen Zone seltene Tiere und Pflanzen angesiedelt. Eine Fahrt entlang dieses Grünen Bandes (European Green Belt) zeigt interessante ökologische Zusammenhänge auf.

Zwei Pilgerthemen greifen die Pilgrims‘ Route und die Via Romea Francigena auf. Die erste führt auf 5.122 km von dem norwegischen Trondheim in den weltbekannten Pilgerort Santiago de Compostela in Spanien. Die zweite Route verbindet das englische Canterbury mit Rom und zeichnet dabei einen alten Pilgerweg nach Jerusalem nach. Auf dieser Strecke kommen die Pedalierenden an 20 Kathedralen und 21 UNESCO-Welterbestätten vorbei.

 

Weitere Routen mit einem ausgeprägten Nord-Süd-Verlauf:

  • die Sun Route vom Nordkap nach Malta (7.409 km)
  • die Baltic-Adriatic-Route von Gdansk nach Pula (1.930 km)
  • die East Europe Route vom Nordkap nach Athen (5.984 km)

Zwei Routen orientieren sich entlang von großen Strömen. Die Rhine Route verbindet auf 1.320 km das niederländische Hoek van Holland mit dem Schweizer Ort Andermatt. Von dort führt die Rhone Route auf 1.115 km ans Mittelmeer.

Noch mehr Sicht auf Wasser bietet die Atlantic Coast Route, die auf 8.186 km das Nordkap mit dem portugiesischen Sagres verbindet. Hier müssen die Radwanderer öfter auf die Fähre umsteigen, um auch die britischen Inseln an deren Atlantikküste zu umfahren.

 

Radroute

Weitere Strecken des europäischen Projektes sind

  • die Capitals Route vom irischen Galway nach Moskau (5.500 km)
  • die Central Europe Route vom französischen Roscoff nach Kiew (4.000 km)
  • die Atlantik-Black Sea-Route vom französischen Nantes ins rumänische Constanta (4.448 km)
  • die Mediterranean Route vom spanischen Cádiz über Athen nach Zypern (5.888 km)
  • die Baltic Sea Cycle Route rund um die Ostsee (7.980 km)
  • die North Sea Cycle Route rund um die Nordsee (5.932 km)

 

Resümee

Für den nächsten Urlaub bietet es sich an, Europa auf historischen und landschaftlich besonders reizvollen Strecken zu erfahren. Bei der Reiseplanung gilt es aber zu bedenken, dass diese Strecken keiner einheitlichen Norm unterliegen und deshalb Beschilderungen und Fahrqualität regional stark voneinander abweichen können. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen bzgl. Helmpflicht oder Promillegrenzen europaweit nicht einheitlich gehandhabt werden.