Ein Riemenantrieb eines Fahrrads.
Die Vorteile des Riemenantriebs (Bild: RAM - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen

Der Riemenantrieb im Vergleich zum Kettenantrieb

Seit einigen Jahren werden als Alternative zum Kettenantrieb auch Riemenantriebe angeboten. Ihre Vorteile liegen vor allem in ihrem geringeren Wartungsaufwand und der sehr viel längeren Lebensdauer. Dennoch werden Riemenantriebe im Vergleich zum Kettenantrieb auch kontrovers diskutiert.

Die Vorteile des Riemenantriebs laut Hersteller

Ein Riemenantrieb setzt sich aus dem Riemen, der hinteren und der vorderen Riemenscheibe und dem Kurbelsatz zusammen. Durch geschickte Wahl der Materialien sind diese Kombinationen für zahlreiche verschiedene Typen von Rädern geeignet.

Ein Riemenantrieb muss nicht geschmiert werden und ist deshalb wartungsarm. Da er nicht gefettet wird, besteht auch keine Gefahr, das rechte Hosenbein zu verschmutzen. Rostfrei ist er durch die gewählten Materialen.

Der Riemenantrieb ist leiser als der Kettenantrieb. Da es keinen Metall-auf-Metall-Kontakt gibt, ist auch die Laufruhe sehr gut.

Der Riemenantrieb hält länger als der Kettenantrieb und ist im Langzeitgebrauch deshalb auch kostengünstiger. Außerdem verlängert sich der Riemen im Laufe der Zeit nicht so stark wie eine Kette und muss daher auch seltener nachgespannt werden.

Durch eingebaute Funktionen der Selbstreinigung verliert er seinen Wirkungsgrad nicht durch anhaftende Verschmutzungen.

Die Riemen sind in verschiedenen Farben erhältlich und ermöglichen so eine persönliche Note bei der Gestaltung des Fahrrades.

Kritiken und Kommentare zum Riemenantrieb

Kettenantrieb eines Fahrrads.
Der Riemenantrieb im Vergleich zum Kettenantrieb (Bild: Ralf Geithe - stock.adobe.com)

Im Internet lassen sich eine Vielzahl von Kritiken zu dieser neuen Art von Antrieb finden. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass neue Produkte sehr oft unter Kinderkrankheiten, Benutzungsfehlern und hohen Stückpreisen durch geringe Verkaufszahlen leiden. Nach ein paar Jahren kann die Lage schon ganz anders aussehen.

Die Technik des Riemenantriebs beruht auf einigen technischen Voraussetzungen, die auch von den Herstellern betont werden: So lässt sich dieser Antrieb nur bei Nabenschaltungen oder Eingang-Rädern anwenden. Die Rahmen der Fahrräder müssen den Einbau eines solchen Antriebes erlauben. Unter anderem muss gewährleistet sein, dass die vordere und hintere Riemenscheibe exakt in einer Linie liegen.

Ein Riemenantrieb muss zwar nicht geschmiert werden und er reinigt sich bis zu einem Grad auch selbst. Ein Reinigen inkl. Defektkontrolle nach Einsätzen bei Schnee, Eis und Schlamm ist trotzdem sinnvoll.

Der Grad der Geräuscherzeugung bei einem Kettenantrieb hängt von der Schmierung ab. Ist eine Kette gut geschmiert, ist auch deren Geräuschpegel nicht besonders hoch. Bei einem Riemenantrieb ist die geringe Lautstärke nur bei einer präzisen Ausrichtung beider Riemenscheiben gewährleistet. Befinden sich diese nicht in einer Flucht, entwickelt sich auch beim Riemenantrieb ein hörbares Geräusch.

Die lange Lebensdauer des Riemens relativiert sich, wenn man seinen Anschaffungspreis mit dem Preis eines Kettenantriebs vergleicht. Kritiker meinen, sie könnten mit dem Preis eines Riemenantriebs gleich mehrere Kettenantriebe finanzieren. Sollte sich aber der Absatz von Riemenantrieben erhöhen, ist natürlich mit einer Reduzierung der Preise zu rechnen.

Die lange Lebensdauer relativiert sich auch in einem anderen Punkt: Muss der Riemenantrieb einmal getauscht werden, ist das mit etwas Mühe verbunden. Die exakte Ausrichtung der Riemenscheiben muss auch bei einem Tausch gewahrt bleiben.

Wird der Tausch zur Unzeit notwendig – zum Beispiel während einer Tour in einsamer Landschaft – kann die Beschaffung eines Riemenantriebs zu einem Problem werden. Die Mitführung eines Ersatzriemens ist mit Mühen verbunden, da so ein Riemen nicht beliebig komprimiert werden kann.

Kritiker führen auch die Verletzlichkeit des verwendeten Materials für Riemenantriebe an. Die Carbonfasern sind nur in Längsrichtung stabil. Sind sie Kräften von der Seite ausgesetzt, können sie beschädigt werden. Eine solche Beschädigung kann zum Beispiel entstehen, wenn das Fahrrad so abgestellt wird, dass dabei ein Gegenstand gegen den Riemenantrieb drückt. Oder bei einer Montage am Fahrrad schlägt ein Werkzeug gegen den Riemen.

Diese Verletzung des Materials bleibt zunächst oft unbemerkt, kann aber später mit einem Riss enden. Die Lebensdauer reduziert sich dadurch ohne Vorwarnung.

Die beiden Antriebe aus der Sicherheitsperspektive

Reißt ein Antrieb während der Fahrt können die Folgen ein gefährliches Ausmaß annehmen. Durch den Tritt ins Leere verliert der Fahrer womöglich das Gleichgewicht und stürzt. Diese Gefahr besteht besonders bei sportlichen Fahrern, die vielleicht gerade im Wiegetritt das Fahrrad voll beanspruchen.

Die Folgen eines plötzlichen Risses des Antriebes sind bei Riemen wie Kette die gleichen. Ein Unterschied besteht jedoch bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorfalles. Außerdem gilt es zu betrachten, ob so ein Riss vorhersehbar ist.

In beiden Fällen handelt es sich um Verschleißteile. Laut Herstellerangaben ist die Lebensdauer des Riemenantriebs deutlich länger als die des Kettenantriebs. Trotzdem erreicht er eines Tages das Ende seiner Verwendbarkeit. Es verbleibt die Frage, ob der Fahrer den Verschleißgrad des Riemenantriebs auch erkennen kann.

Bei einem Kettenantrieb kann der Abnutzungsgrad mit einer Verschleißlehre gemessen werden. Bei einem Riemenantrieb gibt es noch keine Erfahrungen darüber, den Zustand des Riemens konkret zu beurteilen. Reißt ein Zahn vom Trägermaterial ab, geschieht das eher plötzlich. Der Riemen ist anschließend unbrauchbar und muss getauscht werden. Bei einem Riss der Zahnradkette kann diese hingegen mit etwas handwerklichen Geschickt und einem Nietwerkzeug selbst repariert werden.

Resümee

Der Riemenantrieb wirbt vor allem mit seiner Langlebigkeit und dem geringeren Wartungsaufwand. Diese Vorteile sind aber nur mit einer präzisen Platzierung und Spannung des Riemenantriebs erzielbar. Erreicht der Riemenantrieb sein Lebensende, ist bei heutigem Stand dessen Ersatz etwas schwerer zu bewerkstelligen, als bei einem Kettenantrieb.