Mann steht vor London Bridge und telefoniert
Roaming Gebühren durch Brexit? (Bild: Matej Kastelic - stock.adobe.com)

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Entstehen durch den Brexit Roaming-Gebühren?

Vor nur zehn Jahren war der Begriff “Brexit” so gut wie keinem bekannt. Heute, nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs im Januar 2020 sowie langen und anstrengenden Verhandlungen über dessen Konditionen, weiß jeder Bescheid. Unabhängig davon, auf welcher Seite man steht, klar ist: Der Brexit hat für Millionen von Menschen Konsequenzen. Diese sind vor allem politischer Natur, u.a. in Bezug auf Arbeits- und Reisebedingungen, ganz zu schweigen von den aktuellen Corona-Richtlinien. Aber auch ganz alltägliche Fragen kommen durch den EU-Austritt auf. Wie verhält es sich zum Beispiel mit den Gebühren beim Telefonieren? Fallen mit dem Brexit Roaming-Kosten an? Müssen Smartphone-User aus Deutschland auf einmal draufzahlen, wenn sie nach Großbritannien einreisen und dort telefonieren wollen? Wie verhält es sich zudem für Nutzer aus Großbritannien selbst? Wir geben Ihnen alle Antworten.

Kommen durch Brexit Roaming-Kosten für EU-Bürger? Jein

Wie sieht es aus mit den Mehrkosten durch den EU-Austritt Großbritanniens? Fallen durch den Brexit Roaming-Gebühren an? Mit einem einfachen “Ja” oder “Nein” lässt sich diese Frage leider nicht beantworten. Es kommt darauf an, in welchem Land Sie sich befinden. Zudem hängt es davon ab, was für einen Anbieter Sie nutzen. Die bisherige EU-Regelung ist nicht länger gültig. Aus diesem Grund gibt es auch keine einheitliche Regelung mehr und es existieren viele Einzelentscheidungen in Bezug auf Roaming-Gebühren. Die gute Nachricht für User hierzulande lautet, dass aktuell keine Extrakosten anfallen. Heißt: Sie können auch jetzt in Großbritannien telefonieren und mobile Daten nutzen, ohne dabei draufzuzahlen. Auf der Website von Vodafone heißt es z.B. dass Großbritannien auch nach dem Austritt aus der Europäischen Union Teil der EU-Roaming-Zone bleibt. “Du nutzt Deinen Tarif dort ohne Zusatzkosten wie zu Hause in Deutschland.", wird dort verlautbart. Auch O2 sieht von Gebühren ab. Zumindest bis jetzt: Auf ihrer Website steht, dass sich Telefónica Germany (O2) die Option zumindest offen hält.
O2 schreibt, dass "für Großbritannien trotz Ausscheidens aus der EU bis zum 31.12.2021 weiterhin nur der Preis gemäß Zone 1 (EU-reguliert) abgerechnet wird (Verlängerung vorbehalten)." Damit kann es also sein, dass Sie in Zukunft vielleicht doch draufzahlen müssen. Ganz ähnlich sieht es auch bei der Telekom aus. Sie sagt: "Vorerst wird Großbritannien weiterhin wie ein EU-Land behandelt." Es bleibt also abzuwarten, ob hier nicht vielleicht doch noch auf ein Bezahlmodell umgeschwenkt wird. In anderen EU-Ländern sind durch den Brexit Roaming-Kosten bereits entstanden. In Österreich zum Beispiel - der Marktführer A1 erhebt bereits Gebühren. Beim Anbieter Magenta Austria (ein Tochterunternehmen der Telekom) müssen Smartphone User hingegen nicht mit Mehrkosten rechnen. Der österreichische Anbieter Drei (eigentlich: “Hutchison Drei Austria” und in chinesischer Hand) behält es sich ähnlich wie O2 und Telekom hierzulande vor, in Zukunft Gebühren zu erheben. Ob durch den Brexit Roaming-Kosten anfallen, ist in der EU also nicht einheitlich geregelt.

Smartphone-User aus Großbritannien müssen draufzahlen

Wie genau sich durch den Brexit Roaming verändert, schien vor dem EU-Austritt Großbritanniens relativ klar zu sein. Alle großen britischen Mobilfunkbetreiber hatten versprochen, dass sich durch den Brexit beim Roaming nichts ändert. Heißt: Auch nach dem EU-Austritt sollten keine Zusatzkosten entstehen. Jetzt, ein paar Jahre nach diesem Versprechen, haben zwei große Anbieter (EE und Vodafone) angekündigt, künftig doch Gebühren erheben zu wollen. Handynutzer in Großbritannien müssen also in Zukunft mit Mehrkosten rechnen. Möchten Sie z.B. in die EU einreisen oder nach Island, Liechtenstein oder Norwegen, fallen zum Jahreswechseln Kosten an. Zumindest dann, wenn der Handyvertrag nach dem 6. Juli dieses Jahres abgeschlossen wurde. Beide genannten Mobilfunkanbieter verrechnen die Gebühren in Form von Tages- oder Wochenpauschalen. Reisende nach Irland sind von den Mehrkosten aktuell nicht betroffen. Die anderen großen Mitbewerber in Großbritannien O2 und Three haben noch keine Preissteigerungen angekündigt. Ihre Kunden können also auch trotz Brexit Roaming ganz normal (also ohne Zusatzkosten) betreiben.

Das ändert sich durch die geänderte EU-Regulierung

Wie bereits erwähnt, gilt die bisherige EU-Regulierung nicht mehr. Diese hat bislang kostenloses Roaming innerhalb aller Länder der EU vorgesehen. Kostenlos bedeutet natürlich nicht, dass Sie gar nichts zahlen müssen - die Nutzung von Daten im Ausland kostet aber nichts extra. Stattdessen telefonieren und surfen Sie zu den Konditionen Ihres eigenen Landes. Als das gehört nun der Vergangenheit an - zumindest in Bezug auf Großbritannien. Innerhalb aller anderen EU-Länder gilt die EU-Regulierung weiterhin. Wenn es jedoch ums Ein- oder Ausreisen nach Großbritannien geht, können die Länder bzw. die Mobilfunkanbieter künftig selbst bestimmen, wie sie es handhaben wollen. Genau das macht es ab sofort weniger berechenbar, wer für was künftig draufzahlen muss. Durch die geänderte EU-Regulierung können somit nicht nur Mehrkosten für Handynutzer entstehen. Genauso könnten durch den Brexit Roaming Gebühren für die Netzbetreiber selbst anfallen - die Großhandelspreise für Roaming-Verträge sind jetzt nämlich frei verhandelbar. Einfach ausgedrückt: Auch Firmen könnten theoretisch draufzahlen.

Unterm Strich leiden aber vor allem User aus Großbritannien unter der fehlenden EU-Richtlinie. Für sie können durch den Brexit Roaming-Gebühren anfallen, so wie der Markt es gerade festlegt. Vor diesem Hintergrund scheint die Entscheidung von Vodafone schwer verständlich, in England künftig Gebühren fürs Roaming zu erheben. Der Anbieter besitzt nämlich nicht nur dort, sondern auch in Deutschland, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn Mobilfunknetze. Vodafone muss sich also mit den meisten Staaten der EU gar nicht abstimmen, was Roaming-Gebühren angeht - der Mobilfunkanbieter ist in den meisten Ländern der EU bereits vertreten. Selbst wenn die zuvor erwähnten Roaming-Verträge teuer würden, fließt das Geld weiterhin in Vodafones eigene Tasche. Einfach ausgedrückt ist Vodafone so weit verbreitet, dass es eigentlich keine extra Gebühren erheben muss, um über die Runden zu kommen. Dadurch, dass Vodafone die Roaming-Kosten für User in Großbritannien aber trotzdem erhöht, verdient der Konzern in Zukunft noch mehr als zuvor.