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Mobile Payment: Geldbörse am Handgelenk

05.07.2018

Bilder: pexels/pixabay

Bargeld, EC- oder Kreditkarte? Zu den etablierten Bezahlmethoden im Einzelhandel gesellt sich vermehrt sogenanntes Mobile Payment, das nun auch in Deutschland seinen Weg in mobile Endgeräte findet. Dabei setzt es auf Near Field Communication (NFC) – die Technik, die auch in Bankkarten steckt, die zum kontaktlosen Zahlen genutzt werden können. Auf klassische Chipkarten kann man in Zukunft also vielerorts verzichten, denn aktuelle Wearables haben NFC bereits an Bord. In Kombination mit einer App für mobiles Bezahlen erfolgt der Zahlvorgang buchstäblich im Handumdrehen.

 

In vielen Teilen der Welt ist Mobile Payment schon längst nichts Neues mehr, der deutsche Markt braucht gerade bei sicherheitsrelevanten Neuerungen manchmal etwas länger. Ende Juni war es aber soweit: Mit Google Pay startete auch in Deutschland der erste Digitalriese mit seinem eigenen Bezahlsystem durch. Google dürfte den Trend zum Mobile Payment mit mobilen Endgeräten allein aufgrund der weiten Verbreitung seines Betriebssystems Android hierzulande ein gutes Stück vorantreiben. Mobile Payment ist damit plötzlich einer breiten Masse zugänglich, während bisherige Lösungen eher speziell waren.

 

Noch bevor Google aber Ende Juni an den Markt gehen konnte, grätschte dem US-Giganten ein Schweizer dazwischen: Garmin Pay ging bereits Mitte Juni an den Start und kann ebenfalls auf eine breite Kundenbasis zurückgreifen. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Spezialist für Navigationsgeräte aller Art einen Namen gemacht und verkauft seit einigen Jahren auch Trainingsuhren und Smartwatches. Die aktuellsten Modelle sind mit NFC-Technik ausgestattet und damit für den neuen Dienst gerüstet. Die Wearables sind sowohl mit Android- als auch mit Apple-Geräten kompatibel. Ihre Nutzerbasis ist damit deutlich variabler als mit den nativen Diensten Google Pay oder dem ebenfalls für Deutschland angekündigten Apple Pay, die sie fest an ein Betriebssystem binden.

 

 

Kontaktlos – hoffnungslos?

Garmin setzt mit seinem Bezahldienst zunächst auf eine Zusammenarbeit mit Mastercard und der Banking-App Vimpay. Nach seiner Registrierung in der App erhält der Nutzer eine digitale Prepaid-Mastercard, die zum mobilen Bezahlen mit dem Wearable hinterlegt wird. Diese funktioniert wie eine Prepaidkarte fürs Handy: Auf das Kartenkonto wird ein Geldbetrag eingezahlt, der danach zur Verwendung bereitsteht. Anders als mit klassischen Kreditkarten kann sich der Inhaber also nicht verschulden. Sollte das Guthaben zum Bezahlen einmal nicht mehr ausreichen, kann es aber schnell per Vimpay-App wieder aufgestockt werden.

 

Noch kann nicht überall in Deutschland kontaktlos bezahlt werden. Zahlungsterminals, die kontaktlose Zahlungen ermöglichen, werden zwar stetig mehr, sind aber noch nicht flächendeckend verbreitet. Ab 2020 ist die Unterstützung an Zahlungsstellen europaweit jedoch verbindlich. Dennoch bedeutet die Möglichkeit zum kontaktlosen Bezahlen nicht, dass alle Dienste überall unterstützt werden.

 

Wer beispielsweise mit Kreditkarte bargeld- und kontaktlos bezahlen möchte – und dazu gehört durch die Mastercard-Anbindung beispielsweise auch Garmin Pay –, muss zudem darauf achten, dass der Händler die entsprechende Kreditkarte als Zahlungsmittel akzeptiert. Gerade kleinere Unternehmen schrecken noch immer häufig vor den verhältnismäßig hohen Transaktionsgebühren bei Kreditkartenzahlungen zurück und akzeptieren sie nicht als Zahlungsmittel. Seit 2015 die Konditionen für Händler verbessert wurden, akzeptieren aber immer mehr Verkaufsstellen auch Kreditkarten.

 

 

Alltagshilfe mit Angriffsfläche

Mobile Payment mit Wearables polarisiert, aber so ergeht es vielen neuen Technologien. Die einen sehen den Vorteil in weniger zu tragenden Karten und besserer Sicherung gegen Missbrauch durch Dritte. Die anderen sehen gerade in der All-in-One-Lösung das größte Risiko für ihre Daten und möchten nicht davon abhängig sein, dass der Akku ausreichend geladen ist oder halten die Integration der Zahlungsmittel in neue Geräte schlicht für überflüssig.

 

Noch eben auf dem Rückweg von der Laufrunde Brötchen vom Bäcker holen, ohne extra Karten oder Portemonnaie mitnehmen zu müssen? Super! Vor Ort dann merken, dass der Akku der Smartwatch während der Runde versagt hat, weil man vergessen hat, sie über Nacht aufzuladen? Nicht mehr so super – für viele wohl eher ein Horrorszenario.

 

Digitale Taschendiebe

Einerseits ist es natürlich bequem, einfach die Karte vor das Lesegerät zu halten, ohne vorher eine App öffnen und möglicherweise sogar noch eine PIN in die Uhr eingeben zu müssen. Andererseits bieten diese Umstände bei Wearables zusätzliche Sicherheit, die Karten nicht gewährleisten können. Der NFC-Chip in Wearables ist flexibel und hält nur auf Anforderung die Zahlungsinformationen bereit. Normale Bank- oder Kreditkarten mit NFC-Chip tragen die Informationen hingegen immer lesbar mit sich. Sie lassen sich bis zu einem gewissen Betrag deshalb auch dann unbestätigt belasten, wenn sie noch im Portemonnaie sind oder am Körper geführt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

 

Ob für oder wider, alle Argumentationen sind letztlich in sich nachvollziehbar und jeder muss sie individuell gegeneinander abwiegen. Wie intensiv das mobile Bezahlen zukünftig im nach wie vor bargelddominierten Deutschland genutzt wird, bleibt auch mit den technischen Neuerungen deshalb abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Zahlmöglichkeiten künftig vielfältiger werden.