fahrrad blog der wertgarantie

Alles rund ums Rad.
Unser Fahrrad-Blog.

Starrgabel versus Federgabel

20.11.2018

Harte Stöße beim Fahrradfahren beeinträchtigen das Fahrvergnügen, belasten das Rückgrat und wecken den Wunsch nach einer besseren Federung. Doch ist eine Federgabel immer eine gute Lösung?

 

Einleitung

Ob man sich für eine starre Gabel oder ein gefedertes Fahrrad entscheiden sollte, wird in Foren kontrovers diskutiert – nicht zuletzt deswegen, weil Laien den Nutzen einer Federgabel manchmal falsch einschätzen. Aber auch die Nachteile einer Federgabel werden oft zu sehr betont.

Tatsache ist, dass es für viele Problemstellungen einfache Lösungen gibt. Wenn man das im Hinterkopf behält, fällt die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Variante oft leichter.

 

Argumente für die Starrgabel

Die Starrgabel überträgt die eingesetzte Muskelkraft besser auf die Straße als eine Federgabel. Das hat damit zu tun, dass die Federgabel einen Teil dieser Kraft sozusagen wegfederte. Auf einer geraden Straße mag das lediglich lästig sein, bei steilen Straßen kann ein Weniger an Kraft den Radfahrer eventuell zum Absteigen zwingen.

 

Argumente für die Federgabel

Bei Fahrstrecken mit Bodenunebenheiten federt diese Gabel einen großen Teil der Stöße ab. Das gilt zum Beispiel für Touren im Wald, wo Löcher und Wurzeln regelmäßig für Stöße sorgen. Wer nur gut befahrbare Straßen nutzt, sollte potenzielle Schlaglöcher eher umfahren, als sich eine Federung zuzulegen.

Ein weiteres Argument für die gefederte Gabel: Bei unwegsamen Pfaden hilft die Federgabel dabei, den Kontakt zum Boden stabil zu halten. Das Fahrverhalten wird dadurch sicherer und es kann zudem mit höherer Geschwindigkeit gefahren werden.

 

Die Federgabel – damit muss man rechnen

Gewichtssensible Fahrer werden an einer Federgabel keine Freude haben: Sie ist schwerer als eine Starrgabel und wiegt möglicherweise über 2 Kilogramm. Außerdem belastet die Federgabel das Budget, da sie häufig deutlich teurer ist als eine Starrgabel.

Ist eine Starrgabel defekt, wird sie in der Regel einfach ausgetauscht. Bei einer Federgabel hingegen gibt es Teile, die ausgetauscht werden können. Allerdings macht eine Reparatur schon häufig deswegen Umstände, weil die Gabel an die jeweilige Herstellerfirma verschickt werden muss.

Eine Federgabel ist im Gegensatz zu einer Starrgabel nicht vollkommen wartungsfrei. Manche Garantiebestimmungen verlangen die regelmäßige Inspektion in einer Fachwerkstatt. Das macht diese Art von Gabeln teurer, als man auf den ersten Blick denkt.

Eine preisgünstige Federgabel neigt zum Nachwippen: Nachdem man das Schlagloch gemeistert hat, werden die nächsten Meter also wippend zurückgelegt. Teurere Gabeln mit integrierter Dämpfung schaffen hier Abhilfe.

Es ist nicht sinnvoll, herkömmliche Lowrider mit Federgabeln zu kombinieren. Erstere erhöhen die ungefederte Masse und beeinflussen so das Fahrverhalten des Rades. Spezielle Frontgepäckträger für Federgabeln sind im Handel erhältlich, wenn auch nur in kleiner Auswahl.

Vor der Montage sollte vorsichtshalber geklärt werden, ob die Garantiebestimmungen der Federgabel die nachträgliche Montage eines Gepäckträgers (Lowrider) zulassen.

 

Die Federgabel und das MTB

Federgabeln werden meistens mit Mountainbikes (MTB) in Verbindung gebracht. Ursprünglich wurden sie speziell für diese Zweiräder entwickelt und sind dort auch wirklich notwendig: Ständiges Fahren über Wurzeln und Steine ist ohne Federung nur schwer zu ertragen.

Das Argument, dass man mit einem großzügig gefederten MTB kaum den Berg hinauffahren kann, lösen begeisterte Downhiller auf ihre Weise: Sie fahren einfach mit dem Auto zum Abfahrtspunkt und haben das MTB auf dem Fahrradträger dabei. < Link: Fahrradträger am Auto, noch nicht veröffentlicht >

Inzwischen bieten immer mehr Bergbahnen die Möglichkeit, das Mountainbike mit der Kabine zur Bergstation zu transportieren. Dadurch besteht die Möglichkeit, das MTB und die Federung gänzlich auf die Talfahrt anzupassen. Zudem gibt es Federgabeln, die sich feststellen lassen.

 

Die Federgabel und das City-Bike

Theoretisch gibt es auch in der Stadt die eine oder andere Situation, die zu unangenehmen Stößen führt. Dazu zählen Fahrten über Bordsteinkanten und Bahnschienen – und Schlaglöcher auf den häufig vernachlässigten Radwegen.

Für viele City-Biker ist das aber kein ausreichendes Argument für die zusätzlichen Kosten einer Federgabel. Über Bordsteinkanten und Schienen sollte man ohnehin nur vorsichtig fahren, und den Schlaglöchern kann man gegebenenfalls auch ausweichen.

Schon etwas nerviger sind Fahrten über Kopfsteinpflaster, das man in so manchen (Alt)Städten Deutschlands vorfindet. Hier könnte aber auch die Wahl breiterer Reifen und nicht so steifen Rahmenmaterials Abhilfe schaffen.

Zu berücksichtigen ist auch, dass eine Federgabel das Fahrrad nur vorne abfedert. Das ist vor allem dann spürbar, wenn man  einen Teil seines Körpergewichts in sorgfältig angespannter Position auf den Lenker legt. City-Biker nutzen ihr Fahrrad aber eher aufrecht sitzend, deshalb wäre für sie eine gute Sattelfederung die bessere Lösung.

 

Die Federgabel und das Trekkingrad

Das Trekkingrad oder das Reiserad sind in puncto Nutzung zwischen den beiden zuvor genannten Fahrradtypen angesiedelt: Einerseits verlagern disziplinierte Fahrer einen Teil ihres Körpergewichts nach vorne und können daher von den Vorteilen der Federgabel Gebrauch machen.

Andererseits werden solche Fahrräder oft relativ schwer beladen, um in weniger dicht besiedelten Gegenden Proviant und Witterungsschutz dabeizuhaben. Das Gewicht einer Federgabel schlägt hier zusätzlich zu Buche, außerdem ist es nicht immer ganz einfach, in der Einöde einen passenden Vertragsfachhändler zu finden.

 

Resümee

Ob eine Starrgabel oder eine Federgabel geeigneter ist, hängt vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Dabei sollte man auch abwägen, ob sich das zusätzliche Gewicht und die erhöhten Kosten wirklich lohnen.