eine Frau steht draußen und schaut auf ihr Smartphone
Blaues Displaylicht: So (un)gefährlich ist es (Bild: F8studio - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks Blaues Displaylicht: So (un)gefährlich ist es

Damit die Smartphones Ihnen farbstarke und kontrastreiche Bilder anzeigen können, werden die Displays von den Herstellern bewusst aufgehellt. Für diesen Effekt sind kalte Farbtöne notwendig, deshalb dominiert aus dem gesamten Farbspektrum das kurzwellige blaue Licht auf allen Bildschirmen. Einige wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sehzellen durch das blaue Displaylicht bei regelmäßiger Nutzung nach und nach beschädigt werden. Auch Einschlafprobleme sollen im Zusammenhang mit ihm stehen. Tatsächlich ist es so, dass bestimmte Rezeptoren im Auge auf blaues Licht naturbedingt negativ reagieren. Doch kann die Sehkraft durch die Smartphone-Nutzung wirklich verschlechtert werden? Wir klären Sie über potentielle Gefahren auf und sagen, wie Sie Ihr Smartphone möglichst risikofrei nutzen können.

Schädlich oder nicht? Experten sind sich nicht einig

Nicht nur in Smartphones, sondern auch in Monitoren und anderen OLED- oder LCD-Screens wird das hochenergetische Licht blauer Leuchtdioden verwendet, um die Bildschirme möglichst hell zu machen. Für die Handynutzung im Alltag ist das praktisch, schließlich möchte keiner bei strahlender Mittagssonne auf ein dunkles Display schauen. Allerdings schädige es die Netzhaut und sei für ein spürbares Nachlassen der Sehkraft zuständig. Diese Forschungsergebnisse haben in der vergangenen Zeit weltweit viele Smartphone-Nutzer verunsichert. Bevor aber aus der Verunsicherung Panik wurde, meldeten sich weitere Experten zu Wort und relativierten die Gefahr. Lichtforscher und Augenärzte verwiesen darauf, dass die Studienergebnisse nicht ohne weiteres auf die Vorgänge in einem menschlichen Auge übertragbar seien, da dort die Reaktionen von Tieren auf hohe Lichtintensitäten gemessen wurden. Um eine einheitliche Antwort auf den potentiellen Schaden durch das blaue Displaylicht zu geben, bedürfe es an Langzeituntersuchungen, die derzeit noch nicht existierten. Es sei aber anzunehmen, dass eine durchschnittliche Smartphone-Nutzung für Erwachsene und nicht sehgeschädigte Menschen unproblematisch ist, so die Experten. Sie sollten sich dabei aber einige Gewohnheiten aneignen, um Ihre Augen zu schonen. Anders sieht es bei Kindern aus: Zwar gibt es auch hier noch keine belastbaren Daten zur Netzhautschädigung, jedoch weiss man, dass die kindliche Linse noch keinen ausreichenden Schutz vor blauem Displaylicht bietet wie bei Erwachsenen. Aus diesem Grund ist gerade bei ihnen die zeitlich begrenzte Nutzung unbedingt ratsam.

Blaues Displaylicht im Dunkeln verdrängt die Müdigkeit

In machen Punkten sind sich aber alle Ärzte und Wissenschaftler einig: Problematisch wird es für die Augen, wenn sie dem blauen Displaylicht bei Dunkelheit in einer zu starken Intensität ausgesetzt werden. Dann kann es sogar doppelt schaden. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Sie abends in einer dunklen Umgebung lange auf ein Smartphone mit weißem Hintergrund und schwarzer Schrift schaut. Aufgrund der Dunkelheit verengen sich die Pupillen nämlich weniger stark als bei Tageslicht und bieten somit weniger Schutz als in einer Umgebung mit natürlichen Lichtverhältnissen. So könnte die Netzhaut durch das blaue Displaylicht auf Dauer tatsächlich mehr als nötig beansprucht werden. Auch auf den Schlaf hat blaues Displaylicht negative Auswirkungen, denn es unterdrückt die Müdigkeit und kann Sie länger wach halten, als Ihnen lieb ist. Wenn Ihre Rezeptoren zunehmende Dunkelheit registrieren, wird das Hormon Melatonin produziert, welches für den Schlaf wichtig ist. Wenn aber die Blauanteile auf dem Bildschirm zu hoch sind, wird die Melatonin-Ausschüttung gehemmt und Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus wird irritiert. Infolgedessen bekommen Sie vermutlich Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden und fühlen sich wieder wach, nachdem Sie lange ins helle Display geschaut haben.

Nacht-Modus tut Augen und Akku gut

Person tippt im dunkelen auf Smartphone

Um die Augen zu entlasten und das Surfen im Dunkeln generell angenehmer zu machen, haben die Hersteller ihre Geräte mit dem Nacht-Modus ausgestattet. Nicht umsonst wird dieser auch Blaufilter genannt und soll einen großen Blauanteil im Display von Ihren Augen fern halten. Auch wenn das Bild zunächst ungewohnt düster und gelbstichig wirkt, sollten Sie den Nutzen dieser Funktion nicht unterschätzen. Vielleicht haben Sie schon einmal gemerkt, dass ein greller Bildschirm im Dunkeln Ihre Augen brennen oder tränen lässt. Dagegen schafft der Dark-Mode zumindest teilweise Abhilfe. Zu nah oder zu lange ohne zu Blinzeln sollten Sie natürlich trotzdem nicht ins Display schauen. Positiver Nebeneffekt: Der Nacht-Modus ist nicht nur für Ihre Augen und fürs problemlose Einschlafen gut, sondern schont auch den Akku von OLED-Smartphones. Laut Google soll beispielsweise die YouTube-App nach Einschalten des Nacht-Modus je nach Nutzung zwischen 40 und 60 Prozent weniger Energie verbrauchen als sonst. Da das Display der größter Stromfresser im Smartphone ist, ist das auch nicht verwunderlich. Es gibt mittlerweile zahlreiche Android- und iOS-Apps, die im Dark-Mode statt weiße dunkle Hintergründe verwenden oder ein anderes, dunkleres Farbschema anbieten. Für LCD-Bildschirme gilt das Einsparpotential leider nicht, in ihnen hat die Darstellung schwarzer Pixel keine Auswirkungen auf den Stromverbrauch.

Auf die Nutzung kommt es an

Blaues Licht gilt in der Natur als Risikofaktor für die Augen. Die eingehende Frage, ob blaues Displaylicht den Augen automatisch schadet, kann man laut aktuellen Expertenmeinungen jedoch wegen mangelnder Datenlage nicht per se bejahen. Vielmehr kommt es darauf an, wie Sie Ihr Smartphone nutzen. Hilfsmittel wie der Nacht-Modus sind sinnvoll und zeigen bei intensiver Nutzung im Dunkeln eine positive Wirkung auf die Netzhaut. Aber auch nur dann, wenn Sie das Telefon nicht direkt vor die Nase halten. Manche Ärzte sagen, dass es nicht verkehrt ist, den Blaufilter auch tagsüber aktiviert zu lassen. Außerdem wichtig für die Augen, unabhängig vom blauen Displaylicht: Nicht zu lange ins Display starren ohne dabei zu blinzeln, genauso wie auch beim Monitor immer wieder Pausen einbauen und ab und zu in die Ferne schauen. Für Nutzer mit Erkrankungen oder Operationen an den Augen kann eine UV-Schutzbrille sinnvoll sein, die Blau- und UV-Licht zurückhält.