Software wird am Compugter programmiert
Per Software Hausautomation und Energie-Messung vornehmen (Bild: Juth@PHotographer2017 - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen

FHEM: Das kostenlose Open-Source-Programm für Ihr Smart Home

Eine FRITZ!Box oder andere Smart-Home-Zentralen sind so nicht mehr notwendig. Welche weiteren Vorteile FHEM mit sich bringt, was das FHEM-Forum ist und was das Open-Source-Programm so besonders macht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Inhalt

Kurzer Überblick: Was ist FHEM?

FHEM ist ein Computerprogramm, das auf der Programmiersprache PERL basiert und aus verschiedenen Computern einen Server für Ihre Smart Home-Geräte macht. In anderen Worten: FHEM ist eine Software, mit deren Hilfe sich alle smarten Geräte in einer Benutzeroberfläche vereinen lassen – unabhängig von Marke oder Hersteller. So können die integrierten Devices miteinander kommunizieren, obwohl sie ursprünglich nicht in der gleichen Programmiersprache geschrieben sind.

Wie bei allen Smart Home-Lösungen gilt auch hier: Damit ein Zuhause wirklich smart wird, müssen die Geräte wissen, welche Aktion sie wann und bei welchen Sensor-Werten ausführen sollten. Dafür ist es notwendig, dass sich die Sensoren mit den Aktoren – also den Geräten wie beispielsweise Lichtschaltern oder Heizungen – austauschen. Genau diese Kommunikation geschieht über die FHEM-Software.

Um die Software herunterladen und später benutzen zu können, sind als Host entweder Microsoft-, macOS-, und linux-basierte Computer einsetzbar. Klassische Beispiele für Hostcomputer sind Network Attached Storage (NAS), eine FRITZ!Box oder Einplatinencomputer wie Raspberry Pi. Jedoch gibt es mit dem Computer „TuxRadio“ auch einen speziell vorbereiteten Host.

FHEM: Echte Alternative zu FRITZ!Box und Co.

Da Marke und Hersteller für die Verwaltung der Smart-Home-Geräte irrelevant sind, lässt sich die Hausautomations-Software für viele verschiedene Systeme und Geräte verwenden. Das sind zum Beispiel:

  • Heizungssteuerungen wie FS20, HomeMatic oder MAX!
  • Automatisierungssysteme, Protokolle und Sensoren wie KNX, Z-Wave oder Philips HUE.
  • Diverse Geräte wie Fernseher, Verstärker, Heizungsbrenner, Solaranlagen, Rollladen- oder Jalousien-Steuerungen wie beispielsweise von Somfy oder Hörmann Garagensteuerung.

Bedient werden kann die Software über ein browserbasiertes Web-Frontend oder telnet. Außerdem gibt es zahlreiche Apps für das Smartphone, die man sich über die gängigen App-Stores von Apple oder Android herunterladen kann.

Voraussetzung für die Nutzung von FHEM ist, dass die Komponenten durch Schnittstellenmodule angeschlossen und mit dem FHEM-Server verbunden sind. Das ist beispielsweise über USB, Netzwerk oder Onboard-Schnittstellen möglich.

Anwendungsgebiete mit FHEM: Was kann die Software?

Mit der FHEM-Software eröffnen sich für den Anwender einige Möglichkeiten, mit denen das eigene Zuhause zum Smart Home wird. So braucht es nur einige Grundkenntnisse in der Programmiersprache PERL – und schon lassen sich denkbar viele Szenarien zur Hausautomation selbst programmieren. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Lampen auf Knopfdruck an- und ausschalten: Mit einer Funk-Steckdose und der entsprechenden Codierung in FHEM können Sie Ihre Lampen auf Knopfdruck automatisch an- und ausschalten.
  • Lichter zeitgesteuert an- und ausschalten: Wer zu einer bestimmten Zeit ein Licht an- oder ausschalten möchte, kann dies über FHEM entsprechend programmieren. Das ist auch mit Zeitabständen möglich: Wenn eine Lampe beispielsweise alle zehn Minuten für eine gewisse Zeit leuchten soll, ist dies mittels der Software einfach einstellbar.
  • Überwachung der Haustüre: Möchte der Nutzer darüber informiert werden, wenn die Haustüre geöffnet wird, ist dies über eine Push-Nachricht ans Smartphone möglich. Die Benachrichtigungen lassen sich auch nur an bestimmten Tagen innerhalb eines gewissen Zeitraumes einstellen. Zum Beispiel, wenn die Wohnung oder das Haus von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr normalerweise nicht bewohnt ist. Zudem kann die Abwesenheit auch mittels einer Bluetooth-Verbindung zur Haustüre definiert werden: Wenn der Besitzer nicht verbunden ist, befindet er sich auch nicht zu Hause. Wird dann die Türe geöffnet, erhält der Nutzer eine Nachricht – aber auch nur dann.

Selbstverständlich gibt es noch deutlich mehr Szenarien, die über die Software programmiert werden können. Das hört sich schwieriger an, als es ist, denn es existieren bereits viele Module, die die Mitglieder der FHEM-Community vorprogrammiert haben. Zudem gibt es auch nützliche Codes außerhalb vom FHEM-Forum, auf deren Basis individuelle Einstellungen programmierbar sind.

Vorteile: Open Source und FHEM-Forum

Die Smart Home-Software wartet mit zahlreichen Vorteilen auf. So ist ein großer Pluspunkt, dass die Software ein Open-Source-Programm ist. Das ist nicht nur in puncto Kosten eine echte Stärke: Die sogenannten Devices, also die Module, über die sich die Geräte steuern lassen und die das Herz der Software bilden, werden von einer großen Community im FHEM-Forum stets weiterentwickelt. Das garantiert eine stetige Aktualisierung – ganz ohne Aufpreis oder Aufwand. So lassen sich im FHEM-Forum schnell Module auch für neue Hardwaresysteme finden. Zudem ist der Benutzer in der Gestaltung der Smart-Home-Szenarien stets sehr frei – alle Abläufe können nach eigener Vorstellung in PERL programmiert werden.

Dadurch, dass das Programm und die App quelloffen sind – also als Open-Source-Programm von einer ganzen Community aktualisiert und betreut werden – ist der Verwender auch unabhängig von Hardware-Herstellern. Damit wird FHEM zu einer der günstigsten Smart Home-Lösungen, die es auf dem Markt gibt.

Alle Vorteile von FHEM auf einen Blick:

  • Es ist kostenlos, da es ein Open-Source-Programm ist.
  • Die Software läuft auf verschiedener Hardware oder Einplatinencomputern.
  • FHEM bringt alle Smart-Home-Systeme in einer einheitlichen Bedienungsoberfläche zusammen.
  • Die Community aktualisiert die Module im FHEM-Forum stetig.
  • Es sind verschiedene Visualisierungen der App verfügbar (Android, iOS)

Diese Vorteile machen die Hausautomation-Software zu einer echten Bereicherung im smarten Zuhause. Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der User bereit ist, zu tüfteln und sich in die technischen Finessen einzudenken. Ebenso sind grundlegende Programmierkenntnisse nötig, um FHEM und das FHEM-Forum adäquat nutzen zu können.

Fazit: Günstig & grenzenlose Möglichkeiten – mit etwas Einarbeitungszeit

Wer sich etwas Zeit nimmt, um sich in die Software, die Programmierung und das FHEM-Forum einzuarbeiten, holt sich mit FHEM einen wahren Smart Home-Giganten ins Haus. Denn wie gezeigt kann die Hausautomationssoftware mit zahlreichen Vorteilen punkten. So ist sie kostenlos und wird durch eine große Gemeinschaft getragen, die für die stetige Aktualisierung der Module sorgt.

Außerdem ist FHEM eine herstellerunabhängige Software, wodurch sich nahezu alle Geräte in einer einzigen Anwendung vereinen lassen. Das ist ein Pluspunkt, wodurch die App für Android, iOS und andere Betriebssysteme so besonders und nahezu konkurrenzlos auf dem Markt ist.