Person zieht unbemerkt das Handy aus der Hosentasche einer Anderen
Projekt: Handy-Diebstahl (Bild: Andrey Popov -stock.adobe.com)

Schäden vorbeugen

Projekt: Handy-Diebstahl

Es dauert nur Sekunden, ein kurzer Rempler beim Shopping in der Fußgängerzone und schon ist es passiert: Unbemerkt hat mir ein Dieb mein Smartphone aus der Tasche geklaut. Während er sich mitsamt Gerät schon längst aus dem Staub gemacht hat, dauert es, bis ich den Diebstahl bemerke. Die Panik beginnt aufzusteigen: Was ist zu tun? Was ist mit meinen persönlichen Daten? Wie geht es weiter?

Ein dokumentierter Diebstahl

Als der Niederländer Anthony van der Meer bemerkte, dass sein Smartphone geklaut war, konnte er erleichtert aufatmen – sein Plan war aufgegangen. Fünf lange Tage hatte der 23-Jährige gewartet, bis endlich ein Dieb anbiss. Nun konnte sein Vorhaben beginnen. „Was passiert mit meinem Smartphone, wenn es geklaut wurde?“ – diese Frage stand am Anfang seines Projektes.

Anthony van der Meer wollte die Antwort mit einem Dokumentarfilm geben. Vor dem Diebstahl installierte er Spyware auf seinem Smartphone. Auch wenn die Software legal war, rechtlich gesehen befand er sich, was das Hacken und Ausspionieren angeht, in einer Grauzone. Nachdem der Dieb das Gerät geklaut hatte, nutzte Anthony van der Meer die installierte Software. In der Zeit vom 21. Mai bis zum 6. Juni 2015 hatte der Dieb jetzt einen unsichtbaren Beobachter an seiner Seite, der ihn auf Schritt und Tritt verfolgte.

Unbemerkt konnte van der Meer Videos, Fotos und Audiodateien aufnehmen und Nachrichten lesen. Er wusste jederzeit, wo der Unbekannte sich aufhielt und was er gerade machte. Die gesammelten Bilder, Fotos und Daten fasste Anthony van der Meer zu seiner Dokumentation zusammen. Sein 21-minütiger Film gibt Einblick in das Leben „seines“ Diebes und zeigt, wie wichtig der Schutz von Daten auf dem Smartphone und Co. geworden ist.

Handydiebe haben alle Hände voll zu tun

Allein im Jahr 2013 wurden in Deutschland 236.550 Mobiltelefone als gestohlen oder geraubt gemeldet. Im Durchschnitt schlugen Diebe damit rund 650 Mal pro Tag zu.

Am häufigsten wird in Großstädten geklaut. Beliebt sind Orte mit vielen Menschen. In dichtem Gedränge, in den Fußgängerzonen beim Shopping oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln finden Taschendiebe ideale Bedingungen, erklärt die Polizei. Märkte, Messen oder große Sportveranstaltungen und Konzerte werden ebenfalls häufig von Dieben besucht. Gerne gehen Taschendiebe zur Urlaubszeit in den Bahnhöfen und Zügen ihrem „Handwerk“ nach. In der Vorweihnachtszeit besuchen sie die Weihnachtsmärkte, um Beute zu machen.

Erste Maßnahmen, wenn Smartphone und Dieb weg sind

Person nimmt das Handz einer Anderen aus der Jackentasche
Handy Diebstahl was tun (Bild: Mulderphoto - stock.adobe.com)

Trotz aller Vorsicht passiert es dann doch: Der Griff zum Smartphone in der Tasche geht ins Leere - Taschendiebe haben unbemerkt zugeschlagen. Die Polizei rät dazu, Ruhe zu bewahren und folgende Aktionen der Reihe nach durchzuführen.

  • Das Handy anrufen, um zu prüfen, ob es sich noch in der Nähe befindet.

  • Das Gerät orten. Dafür kann man Ortungsfunktion von Smartphones und Tablet-Computern nutzen. Diese müssen zuvor allerdings aktiviert werden.

  • Fernsperre oder Fernlöschung nutzen, falls die Funktionen vorhanden und aktiviert sind.

  • Die Mobilfunkkarte sperren. Hierfür werden die IMEI-Nummer des Gerätes sowie die Mobilfunknummer benötigt.

  • Anzeige bei der Polizei. Im Falle eines Diebstahles sollte der Vorfall bei der Polizei gemeldet werden. Auch hier werden die IMEI-Nummer und die Bezeichnung des Gerätes benötigt.

  • Passwörter für alle Apps und Websites, die sich auf dem Gerät befinden, sollten zudem schnell geändert werden.

  • Taschendiebe lassen sich am typisch suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute.

Vor dem Diebstahl steht der Schutz

Um den Schutz seiner sensiblen Daten zu gewährleisten, sollte jeder vorab ein paar Maßnahmen ergreifen, damit Diebe keinen Zugriff haben. Wichtig ist es, auf dem Gerät einen Sperrbildschirm zu aktivieren. Die größte Sicherheit bietet eine mehrstellige PIN oder ein sicheres Passwort. Zudem können die Geräte verschlüsselt werden.

Generell sollten Daten wie Adressen, Fotos oder Nachrichten regelmäßig per externen Backups gesichert werden. Wichtige Nummern, wie IMEI-Nummer oder die Notfallrufnummer des Mobilfunkanbieters, sollte man sich vorab notieren. Die IMEI-Nummer befindet sich auf der Original-Verpackung des Gerätes und im oder am Gerät selbst. Zudem findet man sie über das Menü des Gerätes. Mit der Tastenkombination *#06# kann sie zudem angezeigt werden.

Darüber hinaus gibt es für Android und iOS diverse Anti-Diebstahl-Apps. Sie ermöglichen Geräte zu lokalisieren und alle Daten auf den Geräten fernzulöschen.

Wie wichtig es ist, die richtigen Vorsichtsmaßnahmen schon vor einem Diebstahl zu treffen, bestätigt auch der junge niederländische Filmemacher Anthony van der Meer im Interview mit der „Rheinischen Post“: „Die Leute schützen ihre PCs mit Firewalls, kleben ihre Webcams zu, aber ihr Smartphone schützen sie nicht.“

Seine Dokumentation „Find my Phone“ über sein gestohlenes Handy ist auf YouTube zu sehen. Mittlerweile (Stand: September 2017) ist der Film über 6,7 Millionen Mal geklickt worden.