Mann schaut auf Smartphone
Was steckt hinter Fairphone (Bild: contrastwerkstatt - stock.adobe.com)

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Was steckt hinter Fairphone, dem fairen Smartphone-Hersteller?

Bestimmt haben schon viele einmal ihr Smartphone in der Hand gehalten und sich gefragt, was eigentlich alles darin steckt und wie der beliebte digitale Begleiter hergestellt wird. Einige hat vielleicht sogar das schlechte Gewissen gepackt, wenn sie von schlechten Arbeitsbedingungen in Produktionsländern wie China und Afrika gehört oder gelesen haben. Der Hersteller Fairphone will mit diesen Gedanken nun Schluss machen und verspricht ein ethisch korrektes und fair produziertes Smartphone. Doch was steckt hinter dem fairen Smartphone? Wir haben uns den Hersteller für Sie einmal genauer angesehen.

Handyhersteller in der Kritik

Viele Smartphone-Nutzer haben bestimmt schon die ein oder andere Kritik an Handyherstellern mitbekommen und dabei geht es nicht immer um die Funktionen des neusten Handymodells oder den Preis, sondern auch um die Herstellung von Smartphones an sich. Beispielsweise werden bei einigen Herstellerbetrieben wie Foxconn die Arbeitsbedingungen bemängelt, denn Arbeits- und Gesundheitsschutz wie in Deutschland existiert in den meisten Produktionsländern nicht. Kinderarbeit und 90 Wochenstunden sind in China, Indien oder Taiwan oftmals keine Seltenheit. Bei anderen Herstellern stellen hingegen die Bezugsquellen der für die Produktion benötigten Rohstoffe ein moralisches Problem dar. So sollen einige dieser Rohstoffe und Metalle in Minen abgebaut werden, die von sogenannten Warlords kontrolliert werden und deren Gewinne für die Finanzierung von Bürgerkriegen genutzt werden. Welche anderen Probleme die Gewinnung der Rohstoffe mit sich bringt, erfahren Sie im Artikel Rohstoffe und Seltene Erden in Smartphones. Alles in allem klingt die Handyproduktion nicht gerade so, als würde man am Ende ein faires Smartphones in den Händen halten.

Der Hersteller für faire Smartphones

Bei Fairphone sieht dies jedoch anders aus: Das niederländische Startup mit Sitz in Amsterdam hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Handy-Nutzern nicht nur faire Smartphones zu ermöglichen, sondern auch Handys, die sich durch Langlebigkeit und einfache Reparaturen auszeichnen.

Doch wer oder was ist Fairphone eigentlich? Der Smartphone-Hersteller begann 2010 seine Aufklärungskampagne über Konfliktmineralien und startete im Jahr 2013 mit der Entwicklung und Produktion seines ersten fairen Smartphones. Laut Fairphone liegt der Fokus bei der Produktion auf Transparenz in der Lieferkette und der Verfolgung des Ziels „die Wertschöpfungskette in den Bereichen Bergbau, Design, Produktion und Produktlebenszyklus positiv zu beeinflussen“. Das bedeutet, dass das Fairphone mit möglichst geringem Schaden für die Umwelt produziert werden soll, Arbeiter in der Produktionsfabrik fair entlohnt werden und die Arbeitsbedingungen generell ohne Ausbeutung auskommen sollen. Um diese Ziele zu erreichen und ein wirklich faires Smartphone zu produzieren, berücksichtigt der Hersteller gleich mehrere Aspekte, wie die Müllvermeidung, die durch Langlebigkeit, günstige und gute Reparaturmöglichkeiten, sowie Dual-SIM-Fähigkeit und Recycling sichergestellt werden soll. Auch achtet der Hersteller auf die Nutzung von konfliktfreien Rohstoffen aus geprüften Minen für seine fairen Smartphones und arbeitet eng mit dem chinesischen Auftragsfertiger zusammen, um den Arbeitern faire Produktionsbedingungen gewährleisten zu können.

Dass diese Idee gut bei Nutzern ankommt, beweisen die verkauften Fairphones. Bis Anfang 2017 sollen mehr als 125.000 Menschen das faire Smartphone bereits gekauft haben. Dass der Hersteller für seine Idee im Jahr 2016 sogar mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet wurde, wundert die Käufer des Fairphones wohl nicht.

Die fairen Smartphone-Modelle

Person sitzt auf Steg und bedient ihr Smartphone
Der faire Smartphone Hersteller Fairphone (Bild: pakorn - stock.adobe.com)

Bisher wartet der faire Smartphone-Hersteller mit drei verschiedenen Modellen auf, dem FP1 (Fairphone First Edition oder auch Fairphone 1), FP1U (Fairphone 1 Second Batch) und FP2 (Fairphone 2).

Alle drei fairen Smartphones zeichnen sich durch ihre leichte Reparatur aus. Mit einem Schraubenzieher und einigen einfachen Handgriffen können so angeblich selbst die größten Reparatur- und Techniklaien das Smartphone wieder zum Laufen bringen. Bei einem Defekt muss einfach nur das entsprechende Modul gegen ein neues ausgetauscht werden. Alle verbauten Teile lassen sich als Ersatzteil recht günstig über den Fairphone Onlineshop bestellen. Ein neues Display kostet den Fairphone-Besitzer beispielsweise 85,70 Euro.

Einen Minuspunkt bringt die modulare Bauweise und der dadurch erst ermöglichten einfachen Reparatur jedoch mit sich: Nach heutigem Standard ist das Fairphone ungewöhnlich dick und in Kunststoff gehüllt. Wer ein ästhetisches Handy, wie die von Apple oder Samsung erwartet, dürfte schwer enttäuscht werden. Einen Design-Preis gewinnt das Fairphone sicher nicht – allerdings liegt der Fokus des fairen Smartphones ja auch nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auf dem Schutz von Mensch und Umwelt. Dafür nehmen Fairphone-Benutzer leichte Abstriche in Design und Technik in Kauf, denn das Fairphone mag zwar prinzipiell gut ausgestattet sein, jedoch glänzen die verbauten Komponenten selten mit dem neuesten Stand der Technik.

Kritik auch am vermeintlich fairen Smartphone

Auch das Fairphone ist vor Kritikern nicht sicher. Neben den bereits erwähnten technischen Mängeln wird vor allem kritisiert, dass sich derzeit ein komplett faires Smartphone gar nicht bauen ließe. Denn um ein wirklich 100%ig faires Smartphone zu bauen, muss ein Hersteller über die Herkunft und Verarbeitung jedes einzelnen Stoffes Bescheid wissen, was zum aktuellen Zeitpunkt eine nahezu unmögliche Aufgabe darstellt, da einfach zu viele verschiedene Unternehmen und Zulieferer an der Fertigung eines Smartphones beteiligt sind. Fairphone räumt diese Argumente auch ein und gibt zu, dass sie momentan noch kein komplett faires Smartphone produzieren können. Jedoch wird viel seitens des Herstellers unternommen, um die Fabrikation der Geräte so transparent wie möglich zu gestalten, wie beispielsweise die Aufschlüsselung aller Herstellungskosten, Steuern, Investitionen und den eigenen Gewinn pro Fairphone belegen. Wer möchte, kann sich zudem eine zehnseitige Liste mit Namen und Adressen jedes einzelnen Lieferanten herunterladen und einsehen.

Für welches Handy Sie sich am Ende entscheiden, ob Fairphone oder ein anderer Hersteller, bleibt am Ende nur Ihnen überlassen.