Mit dem Fahrrad zu Schule - das gibt es zu beachten
Mit dem Fahrrad zu Schule - das gibt es zu beachten (Bild: Irina Schmidt - stock.adobe.com)

Ratgeber Rad & E-Bike So kommen Ihre Kinder sicher mit dem Fahrrad zur Schule

Ihre Kinder sind im Grundschulalter und begeisterte Radfahrer? Dann werden Sie sicher schon darüber nachgedacht haben, sie mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen. Und vielleicht tun sie das ja bereits. Denn das Radfahren bringt Ihre Sprösslinge nicht nur schneller hin und zurück, sondern unterstützt auch das natürliche Bewegungsbedürfnis von Kindern. Doch wie steht es um den Sicherheitsaspekt? Was ist überhaupt erlaubt? Worauf müssen Eltern achten, deren Kinder den Schulweg auf dem Fahrrad meistern? Hier finden Sie Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um die Fahrt zur Schule auf dem Fahrrad.

Mit dem Fahrrad zur Schule: Ihr Kind wird selbstständig

Mit dem Fahrrad zur Schule – für viele Kinder ist dies ein heißer Wunsch, dürfen sie doch im Straßenverkehr jetzt selbstständig agieren, ihr fahrerisches Können in der Praxis anwenden und mit anderen Kindern unterwegs sein. Für Eltern wiederum bedeutet es eine immense Entlastung, wenn sie nicht mehr „Taxi zur Schule“ fahren müssen. Gleichzeitig gibt es natürlich Bedenken. Ist der Schulweg mit dem Fahrrad nicht zur gefährlich für unser Kind? Bestehen gesetzliche Auflagen? Wie lässt sich sicheres Fahren trainieren? Welche Fähigkeiten muss das Kind mitbringen, wenn es allein zum Unterricht fährt?

Mit dem Fahrrad zur Schule: Ab wann es erlaubt ist

In der Straßenverkehrsordnung ist vorgeschrieben, ab welchem Alter und in welchem Umfang Kinder auf dem Fahrrad am Verkehr teilnehmen dürfen. Die Regelung besagt: Bis zum Alter von acht Jahren müssen Kinder auf dem Gehweg fahren oder auf Radwegen, die von der Fahrbahn getrennt sind. Bis zum Alter von zehn Jahren dürfen sie auch Gehwege benutzen. Ab zehn Jahren steht ihnen sowohl der Radweg als auch die Straße frei. Es gibt die Möglichkeit, ein Kind unter acht Jahren zu begleiten. Doch wenn es mit dem Fahrrad zur Schule fährt, wird es auf sich selbst angewiesen sein. Ein Mindestalter von acht Jahren ist also Voraussetzung, wenn man sein Kind auf dem Rad zur Schule schickt.

Mit dem Fahrrad zur Schule: Die Radfahrausbildung

Die Radfahrausbildung ist Teil der schulischen Verkehrserziehung. 95 Prozent der deutschen Schüler steigen dabei unter professioneller Anleitung aufs Rad. Die Ausbildung findet nicht vor dem dritten oder vierten Schuljahr statt, weshalb empfohlen wird, Kinder erst nach absolviertem Training den Schulweg auf dem Fahrrad zurücklegen zu lassen. Am Ende ihrer Grundschulzeit sind sie dann in der Lage, das Verkehrsgeschehen gut überblicken und aus Erfahrung einschätzen zu können sowie auch mal brenzlige Situationen zu bewältigen. Kinder, die bereits in der ersten und zweiten Klasse im Schonraum üben, haben noch bessere Ausgangsbedingungen, später im realen Verkehr gut zurechtzukommen. Allerdings: So sehr das Training im Schonraum Motorik und Konzentration schult, so wenig lassen sich diese zweifellos wichtigen Aspekte der Radfahrkompetenz nicht eins zu eins auf den Straßenverkehr anwenden. Die schulische Radfahrausbildung, zu der es meistens auch eine Prüfung gibt, sollte ohnehin nicht Anlass zu leichtsinnigen Schlüssen geben. Als Basistraining ist sie vielfach erprobt. Aber ohne Verkehrspraxis könnte ein noch unerfahrenes Kind leicht von einer ganz konkreten Straßensituation überfordern werden. Hier sind Eltern gut beraten, frühzeitig mit ihren Kindern auf dem Gehweg zu üben und ohne Druck auszuüben den Schulweg mit dem Fahrrad in einer ruhigen Wohnlage simulieren.

Schulweg auf dem Fahrrad: Schluss mit den Mythen!

Am Thema Schulweg auf dem Fahrrad entzünden sich die Gemüter. Bei vielen Eltern besteht Unsicherheit über das, was erlaubt ist und was nicht. Hier möchten wir mit verbreiteten Mythen aufräumen und Ihnen ein gutes Gefühl geben, auf der sicheren Seite zu sein, wenn Sie Ihr im Sattel geübtes Kind mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen. Oft wird behauptet, dass ein Kind die Fahrradprüfung in der vierten Klasse bestanden haben muss, um selbstständig den Schulweg auf dem Fahrrad antreten zur dürfen. Das ist falsch! Ohne Begleitung der Eltern seien Kinder zudem nicht unfallversichert. Auch das entspricht nicht der Wahrheit. Der Versicherungsschutz ist altersunabhängig und macht auch bei einem bestimmten Verkehrsmittel keine Ausnahme. Allerdings sollte in diesem Zusammenhang klar sein, dass Schüler auf ihrer Schultour und zurück keine weiteren Ziele ansteuern oder Umwege fahren. Ferner haben Schulen nicht das Recht, Radfahrverbote für Kinder auszusprechen. Allein die Eltern dürfen darüber entscheiden, ob Töchterchen oder Sohnemann auf Rad steigt oder nicht. Die Schule darf Ihren Kindern übrigens auch keine Helmpflicht auferlegen. Dennoch empfehlen wir diese Sicherheitsmaßnahme. Eltern tragen somit die Verantwortung über ihren radfahrenden Nachwuchs und sollten ohne Kompromisse gewährleisten, dass ihre Schulkinder sicher im Sattel sitzen und sich auch mit den Verkehrsregeln auskennen.

Mit dem Fahrrad zur Schule: Sicherheit geht vor

Mit dem Fahrrad zur Schule - das sollten Sie wissen
Mit dem Fahrrad zur Schule - das sollten Sie wissen (Bild: candy1812 - stock.adobe.com)

Fahrradfahren ist das Mobilitätskonzept mit dem höchsten Grad an Nachhaltigkeit – und auch Fitnesswirkung. Wer über Schulkinder klagt, die Geschicklichkeits- und Koordinierungsdefizite haben, sollte sich über jedes Kind freuen, das auf sicherem Weg mit dem Fahrrad zur Schule fährt. Doch nur jedes fünfte Schulkind – so der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) – steigt dafür auch tatsächlich aufs Rad. Nach einer Umfrage, die der ADFC beim Institut für angewandte Sozialwissenschaft (INFAS) 2020 in Auftrag gegeben hatte, glauben 77 Prozent der Bevölkerung, dass mehr Eltern für ihre Kinder den Schulweg auf dem Fahrrad oder auch zu Fuß ins Auge fassen würden, wenn dieser sicherer wäre. Viele fordern deshalb weitere Tempo-30-Zonen. 71 Prozent befürworten breitere Radwege für Schulkinder, die zudem von der Fahrbahn getrennt angelegt sein müssten. Lediglich ein Prozent befand, dass keinerlei Maßnahmen erforderlich seien. Dies zeigt, wie sensibel Eltern entscheiden, wenn es um die Gesundheit ihrer Kinder geht. Und das ist auch gut so!

Mit dem Fahrrad zur Schule: Niederlande als Vorbild

Auch die folgenden Zahlen des ADFC erhellen, weshalb Deutschland noch einiges tun muss, um als Fahrradland für Kinder zu gelten: Anders als etwa in den Niederlanden (28 Prozent) bringen 43 Prozent der deutschen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Obwohl deutsche Schulwege dank guter Infrastruktur vergleichsweise kurz sind. Knapp die Hälfte von ihnen misst nicht einmal einen Kilometer – eigentlich perfekt, um morgens entspannt mit dem Fahrrad zur Schule zu radeln. Wenn dies nicht eine Aufforderung an die Kommunalpolitik ist, aus dieser Chance noch mehr zu machen!