Frau hält Smartphone in der einen Hand und zeigt mit dem Finger der anderen Hand darauf
Resistiver vs. kapazitiver Touchscreen: Unterschiede (Bild: deagreez - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks

Resistiver vs. kapazitiver Touchscreen: Unterschiede

Ob Smartphone, Navi, Kopierer oder Geldautomat: Täglich nutzt so gut wie jeder von uns Geräte mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche. Gefühlt sind Touchscreens erst seit 2007 auf dem Vormarsch, als Apple sein erstes iPhone auf den Markt brachte. Tatsächlich existieren sie aber bereits seit den Achtziger-Jahren und gliedern sich seit jeher in die resistiven Touchscreens sowie die kapazitiven Touchscreens. Der zentrale Unterschied zwischen ihnen: Während ein resistiver Touchscreen auf Druck reagiert und sich mit allen Gegenständen bedienen lässt, reagiert ein kapazitiver Touchscreen nur auf unsere Finger. Haben andere Smartphone-Hersteller ihre Smartphones vor einigen Jahren noch gerne mit einem resistiven Touchscreen ausgestattet, kommt diese Technologie heute nur noch bei einigen preisgünstigen Modellen zum Einsatz. Hier erfahren Sie, wie sich die beiden Touchscreen-Varianten voneinander unterscheiden und wie sie funktionieren.

Wie arbeitet ein resistiver Touchscreen?

Ein resistiver Touchscreen funktioniert durch den Druck einer Berührung, bei welchem zwei leitfähige Schichten innerhalb des Bildschirms miteinander verbunden werden. Es wird dann der elektrische Widerstand ermittelt, um die Position der jeweiligen Druckstelle zu erhalten. So erklärt sich auch der Name, der vom englischen Wort resistivity abgeleitet wird und auf Deutsch Widerstand bedeutet. Den Aufbau und Funktionsweise eines resistiven Touchscreens können Sie sich vereinfacht wie folgt vorstellen: Unter der obersten Schicht, die aus einer dünnen Polyester-Folie besteht, befindet sich die erste elektrisch leitende Schicht. Unter ihr folgt ein Zwischenraum, der sie durch kleinste Abstandshalter mit einer zweiten leitenden Schicht verbindet. Außerdem befinden sich Halbleiter in diesem Hohlraum, die für das menschliche Auge in bestimmter Dichte unsichtbar sind. Bei jeder Berührung werden diese beiden elektrisch leitenden Schichten dann zusammengeführt. Der entstandene Widerstand gibt dem System daraufhin Informationen darüber, wo sich der Druckpunkt befindet. Daraufhin wird diese Information als Eingabe an das Betriebssystem geleitet, welche dort in entsprechende Befehle verarbeitet wird. Somit lässt sich der benötigte Druck bei resistiven Touchscreens mit Hand, Stift oder allen anderen Gegenständen erzeugen.

Wie arbeitet ein kapazitiver Touchscreen?

Person tippt auf Touchscreen
(Bild: Dragana Gordic - stock.adobe.com)

Das Prinzip des kapazitiven Touchscreens beruht auf einem elektrischen Feld, welches über der Bildschirmoberfläche erzeugt wird. Das geschieht durch eine Folie mit leitenden Streifen, auch unter dem Stichwort Metalloxid bekannt. Nähern wir unseren Finger, wird dieses elektrische Feld durch die Berührung unterbrochen und es kommt zu einer Spannungsveränderung. Das liegt daran, dass unser Körper ebenfalls geringe elektrische Impulse an die Umwelt abgibt. Im Gegensatz zum resistiven Touchscreen wird bei dieser Methode also kein mechanischer Druck benötigt, um eine Reaktion auf dem Gerät auszulösen.

Auch das Innenleben des Bildschirms unterscheidet den kapazitiven Touchscreen von einem resistiven Touchscreen: Unter der obersten Schicht liegen zwei voneinander isolierte Schichten aus Halbmetallleitern, die übereinander gitterförmig angeordnet sind. Trifft unser Finger auf einen der Millionen von Kreuzungspunkte, erkennt das System die genaue Position und ruft im System das entsprechende Kommando ab. Mit dem kapazitiven Touchscreen wird auch die Multitouch-Steuerung ermöglicht: Nicht nur eine, sondern mehrere Berührungen können dabei gleichzeitig vom System erkannt und verarbeitet werden. Diese Funktion nutzen wir zum Beispiel bei Drehen oder Zoomen von Bildinhalten mit zwei Fingern.

Die kapazitiven Touchscreens sind neben den induktiven (mit Stift bedienbar) weit verbreitet und kommen beispielsweise in allen iPhones, aber auch in fast allen anderen aktuellen Smartphones und Tablet-PCs zum Einsatz. Kapazitive Touchscreens werden automatisch mit Apple in Verbindung gebracht, weil diese Technologie mit dem Einbau im ersten iPhone erst wirklich massentauglich gemacht wurde und den Touchscreen-Markt revolutioniert hat.

Resistive Touchscreens verschwinden vom Markt

So unterschiedlich die Funktionsweisen auch sind, haben Sie bei der Anschaffung eines neuen Smartphones oder Tablet PCs kaum Chancen, sich für eine Touchscreen-Art Ihrer Wahl zu entscheiden. Das liegt daran, dass die resistiven Touchscreens von den meisten Smartphone-Herstellern nicht mehr verbaut werden und langsam aber sicher vom Markt verschwinden. Warum sich diese Technologie nicht durchgesetzt hat, lässt sich nicht genau sagen. Klarer Vorteil bei einem kapazitiven Touchscreen ist die Möglichkeit, kratz- und stoßfestes Glas zu verbauen. Das sogenannte Gorilla-Glas gilt als Meilenstein in der Smartphone-Industrie und kommt mittlerweile bei den meisten Geräten mit einem kapazitiven Touchscreen zum Einsatz. Bei resistiven Touchscreens ist die Oberfläche dagegen häufig mit einer dünnen Polyester-Schicht überzogen und somit weniger stabil und deutlich anfälliger für Kratzer.

Touchscreen-Handschuhe für den Winter – Kauf oder Eigenbau

Im Winter stehen viele Smartphone-Nutzer vor dem gleichen Problem, wenn sie mit Handschuhen ihren kapazitiven Touchscreen bedienen wollen: Der Bildschirm reagiert nicht. Das liegt daran, dass die meisten Handschuhe aus einem isolierenden Material gefertigt werden und die elektrischen Impulse, die vom Körper ausgehen, nicht durchlassen. Abhilfe schaffen spezielle Touchscreen-kompatible Handschuhe aus einem leitenden Stoff, die es in den unterschiedlichsten Preisklassen zu kaufen gibt. Eine Alternative für Tüftler: Einen leitenden Garn in den Handschuh einnähen, und zwar so, dass dieser von der einen Seite Ihren Finger und von der anderen Seite den Touchscreen berührt. Genaueres dazu finden Sie im Artikel Wintereinbruch – So bedienen Sie Ihr Smartphone trotz Kälte.

Damit hängt auch das Thema Barrierefreiheit zusammen, da Menschen mit Armprothesen Schwierigkeiten haben, ein Gerät mit einem kapazitiven Touchscreen zu bedienen. Sie müssen sich für ihr Smartphone mit einem kapazitiven Touchscreen einen speziellen Bedienstift kaufen, der über eine leitende Fähigkeit verfügt.