Drei Hände halten unterschiedlichen Elektroschrott ins Bild
Die Restmülltonne ist kein Elektroschrottplatz (Bild: Sergey - stock.adobe.com)

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Die Restmülltonne ist kein Elektroschrottplatz

Bei der Frage, welche alten Elektrogeräte bei mir so herumfliegen, muss ich erst einmal nachdenken. Da wäre mindestens ein altes Smartphone, das mittlerweile als Spielzeug ohne Akku etc. in den Besitz meiner Tochter übergegangen ist. Dazu mindestens eine alte Kaffeemaschine, ein altes Tablet, unzählige Teile Zubehör wie Mäuse, Gamepads und Tablet-Tastaturen. Ob es bei mir wirklich die 50 prognostizierten Geräte sind, wage ich zwar zu bezweifeln, aber auch bei mir sind es definitiv zu viele Elektrogeräte.

Definition: Was ist Elektroschrott?

Immer mehr Elektroschrott häuft sich laut aktueller Studien in deutschen Haushalten an. Dazu zählen Elektro- und Elektronikgeräte, die nicht mehr benötigt werden bzw. durch neuere ersetzt wurden oder gar kaputt gegangen sind. Hier sind alle ausgedienten Geräte gemeint, die mit Strom aus der Steckdose, einer Batterie oder Solarzellen betrieben wurden. Auch Neonröhren und Energiesparlampen gehören dazu. Eine Entsorgung über die Restmülltonne ist gesetzlich untersagt.

In Sammelstellen oder dem Schrottplatz wird in der Regel zwischen Kleingeräten (Toaster) und Großgeräten (Kühlschrank) unterschieden. Experten unterteilen den Schrott zudem in Weiße Ware (alle Haushaltsgeräte), der Braunen Ware (Unterhaltungsgeräte) und der Roten Ware (Heizungen). Vielfach werden Computer, Monitore, Tastaturen, Mäuse, Scanner, Kopierer, Fax-Geräte, Modem und Router, Telefone und Beamer auch als IT-Schrott deklariert.

Elektroschrott zu Hause, was nun?

Doch was tun, wenn man Fön, Toaster, Handy, Tablet und Co. nicht mehr benötigt und auch nicht mehr verkaufen kann? Viel zu viele Geräte landen davon im Hausmüll. Zudem wandert Elektroschrott illegalerweise in Massen auf die Müllkippen Afrikas und Asiens. Beides hat schlimme Folgen für die Umwelt, da durch das Ausschlachten unter katastrophalen Bedingungen vor Ort Stoffe wie Quecksilber in den Boden oder Organismen geraten, die schädlich für Menschen und Umwelt gleichermaßen sind.

Dabei beinhalten Altgeräte wertvolle Rohstoffe, deren Recycling durchaus sinnvoll erscheint. Das passende Stichwort hier ist Urban Mining. Und für Basismetalle Stahl, Aluminium, Kupfer, Zinn und Blei, die im Schrott zu finden sind, gibt es je nach Zustand und Gewicht, auch noch Geld pro Kilogramm:

  • Mischschrott 0,14 €

  • Scherenschrott 0,16 €

  • Aluminium 0,70 €

  • Blei 1,35 €

  • Edelstahl 0,75 €

  • Hartmetall 6,50 €

  • Kupferschrott 4,30 €

  • Messing 3,00 €

  • Zinn 6,00 €

  • Zink 1,55 €

Die Preise für Elektroschrott sind nicht immer eindeutig, da je nach Gerät auch unterschiedliche Mengen der Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin enthalten sind. Bei High-Tech-Produkten wie Smartphones sind auch die immer wertvolleren Metalle aus der Gruppe der Seltenen Erden enthalten.

Seit Ende 2013 sind Geschäfte zudem ab einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern aufgrund einer EU-Richtlinie verpflichtet, Geräte bis zu einer Länge und Breite von 25 Zentimetern anzunehmen. Dies gilt selbst dann, wenn kein neues Produkt gekauft wird. Ab 2018 soll diese sogenannte WEEE-Richtlinie dann für alle Geräte gelten. Zudem können Elektrogeräte aller Art bei eingerichteten Sammelstellen auf den Recyclinghöfen entsorgt werden. Elektrogroßgeräte werden zudem bei der Sperrmüllabfuhr kostenfrei abgeholt.

Wie kann ich Elektroschrott vermeiden?

Kaputte Handys und Smartphones
(Bild: Wlodzimierz - stock.adobe.com)
  • Aufrüsten statt neu kaufen: Oftmals macht es aus finanzieller Sicht mehr Sinn, beispielsweise PCs aufzurüsten als neue zu kaufen. Und auch Reparaturen machen oft durchaus Sinn, insbesondere wenn die Geräte versichert sind.

  • Konsumverhalten hinterfragen: Ein Tausch ist sicher dann legitim, wenn man ein veraltetes Gerät gegen ein energieeffizienteres tauscht. Aber brauchen wir wirklich jedes Jahr ein neues Smartphone, alle zwei Jahre einen neuen Fernseher oder wirklich jeden neuen technischen Schnickschnack?

  • Altgeräte verkaufen: Natürlich kann man alte Geräte vor allem im Internet auch verkaufen. Dort finden sich zahlreiche Plattformen oder Secondhandgeschäfte, wobei man gerade beim Preis nicht die höchsten Erwartungen haben sollte.

Green IT: Recyling gebrauchter Technik im großen Stil

Auch im Handel kommt Elektroschrott bzw. gebrauchte Technik zunehmend gut an. So hat sich der französische Groß-Händler (Distributor) Itancia auf das Reycling ausgemusterter Geräte aus der IT- und Telekommunikations-Welt spezialisiert. Dabei setzt das Unternehmen, das in zehn Ländern inklusive Deutschland aktiv ist, auf Reparatur, Recycling und Wiederaufbereitung. Es werden auch gebrauchte Geräte in großem Stil aufgekauft und dann generalüberholt in Europa und Afrika weiterverkauft. Diese Geräte entsprechen Neuware, auch wenn sie vielleicht leichte Gebrauchsspuren aufweisen. Teilweise werden auch nur bestimmte Teile recycelt und mit neu gefertigten Hörern, Displays oder Tastaturen ausgestattet.

Derzeit hat der Distributor nach eigenen Angaben mehr als 90.000 aufbereitete Geräte wie Telefone, Smartphones, PBX, DECT, Switches und Router am Lager vorrätig. So lassen sich Rohstoffe und Abfall einsparen, aber die reparierten Geräte sollen auch weniger Kohlenstoffemissionen verbreiten, als Neugeräte. Der Fachbegriff für aufbereitete alte Ware ist Green IT oder auch Öko-Recyling. Itancia kann derzeit monatlich 15.000 Smartphones und Tablets wieder aufbereiten.