Mehrere Ladekabel vor Smartphone
Wann gibt es einheitliche Smartphone-Ladebuchsen? (Bild: Ralf Geithe - stock.adobe.com)

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Wann kriegen Smartphones einheitliche Ladebuchsen?

Es ist ein lang diskutiertes Thema in der EU. Seit Jahren dreht sich das Europäische Parlament um eine entscheidende Frage: Wie lassen sich einheitliche Ladebuchsen für Handys durchsetzen? Seitdem es Smartphones gibt, also seit über 13 Jahren, existiert kein Standard für Ladebuchsen. Im Prinzip gibt es zwei verschiedene Typen: Einerseits Apples Lightning Anschluss (bis zum iPhone 4s noch Dock Connector) und andererseits den USB-C Anschluss. Letzterer wird von allen großen Smartphone Herstellern wie Samsung, Sony, HTC oder Huawei verbaut. Wie so oft, setzt Apple bei seiner Hard- und Software auf ein Alleinstellungsmerkmal: iPhones, iPads & Co. sollen möglichst nur mit hauseigenem Zubehör verwendet werden. Kann Apple dem Druck der EU standhalten? Kommt die Ladebuchse für alle und was würden einheitliche Ladebuchsen für Sie in der Praxis bedeuten? Hier die wichtigsten Antworten.

Das tut die EU aktuell dafür, um einheitliche Ladebuchsen einzuführen

Das, worauf sich EU und Smartphone Hersteller bislang geeinigt haben, war eine „freiwillige Kooperation“. Diese besagt, dass Smartphone Hersteller in Zukunft verstärkt auf die Kompatibilität von Ladebuchsen und Ladekabeln achten sollten. Gezwungen, also per Gesetz, können sie dazu aber nicht werden. Da Apple den ihm zur Verfügung gestellten Spielraum komplett ausnutzt – und keine USB-C Buchsen in seinen iPhones verbaut – haben sich nun erneut Politiker zu Wort gemeldet. Sie fordern, dass ein neues Gesetz verabschiedet wird, das Unternehmen dazu zwingt, auf einheitliche Ladebuchsen zu setzen. Was passiert jetzt also als nächstes? Formal wird die erneute Forderung in die kommende EU-Parlamentssitzung mit aufgenommen. Das heißt: Beim nächsten Treffen wird der Punkt „einheitliche Ladebuchsen“ im Europäischen Parlament diskutiert. Daraufhin erfolgt eine Abstimmung. Diese findet aber zu einem späteren Zeitpunkt statt und nicht gleich im Anschluss an die Plenarsitzung. Das bedeutet für Sie, dass Sie sich zunächst noch etwas gedulden müssen, bis die EU darüber abgestimmt hat. Für den Fall, dass bei einem Votum einheitliche Ladebuchsen beschlossen werden, bekommen die Smartphone Hersteller eine gewisse Zeit, um ihre Produkte daran anzupassen. Ist diese Übergangsfrist vorbei, wäre der neue Standard für Buchsen und Ladekabel daraufhin Pflicht.

Das größte Hindernis für einheitliche Ladebuchsen stellt Apple dar

Wie bereits angeklungen, gibt es vor allem einen Grund, weshalb einheitliche Ladebuchsen hierzulande noch keine Realität sind: Die Politik von Apple. Der amerikanische Software Konzern hat es zum Bestandteil seiner Firmenpolitik gemacht, seine Produkte möglichst nur mit hauseigenen Geräten bzw. Zubehör kompatibel zu machen. Das zeigt sich im aktuellen Beispiel der Ladebuchsen. Dies hat sich, abseits der Ladebuchsen, in der Vergangenheit z.B. auf das Managen von Musik bezogen. Während auf Android Geräten Songs einfach per drag-and-drop auf das Gerät gezogen werden konnten, war es iPhone Usern nicht möglich, ihre Songs vom Handy herunterzuziehen und weiter zu verschicken. Durch Spotify & Co. hat sich diese Problematik ein Stück weit gelöst. Zurück zur Ladebuchse: In Bezug auf die strikte Firmenpolitik bekommt Apple zunehmend auch selbst Probleme. Seit einiger Zeit verbaut der Konzern USB-C Buchsen, jedoch nicht in iPhones, sondern in iPads und MacBooks. Das hat zur Folge, dass diese Geräte mit USB-C Buchsen nicht mit den iPhones kompatibel sind, die über Lightning Anschlüsse verfügen. Als Wiedergutmachung liefert Apple Adapter zu seinen iPhones mit. Das iPhone 11 Pro kommt z.B. mit einem Adapter von USB-C auf Lightning. Das iPhone 11 wird mit einem alten Adapter geliefert, der hierfür nicht passt. Kurz gesagt: Apple spaltet nicht nur iPhone und Nicht-iPhone User, auch unter iOS Nutzern tauchen Kompatibilitäts-Probleme auf.

Was genau will die EU erreichen?

Smartphone mit Ladekabel
Einheitliche Smartphone-Ladebuchsen in Sicht? (Bild: gerasimov - stock.adobe.com)

Bereits seit geraumer Zeit arbeiten das Europäische Parlament und die Europäische Kommission daran, einheitliche Ladebuchsen durchzusetzen. Um genau zu sein: Die EU setzt sich für ein universelles Ladekabel ein und nicht für einheitliche Ladebuchsen. Unterm Strich kommt das aber natürlich aufs Gleiche heraus: Existiert ein Standard für Kabel, müssen die Buchsen entsprechend angepasst werden, sodass sie damit geladen werden können. Ziel der EU ist es, dass Sie beim Kauf von Smartphones und Ladekabeln die Wahl haben und nicht darauf angewiesen sind, ein bestimmtes Produkt zu erwerben, nur damit Sie Ihr Gerät aufladen können. Darüber hinaus soll damit auch die Umwelt geschont werden, indem so weniger Elektromüll produziert wird. Unterm Strich geht es der EU also um die Verbraucherinnen und Verbraucher, also um Sie, und um Nachhaltigkeit. Der Versuch einheitliche Ladebuchsen zu etablieren, bezieht sich nicht ausschließlich auf Smartphones. Die EU versucht universelle Ladekabel- und Buchsen auch bei elektronischen Kleingeräten wie Kopfhörern und eBook Readern durchzusetzen. Obwohl dies in der aktuellen Diskussion nicht explizit erwähnt wurde, ist stark davon auszugehen, dass sich die EU einen USB-C Anschluss wünscht. Dieser bietet die aktuell höchste Kompatibilität.

Was hat die EU bereits erwirkt?

Trotz des aktuell mühseligen Bestrebens der EU, einheitliche Ladebuchsen zu etablieren, gibt es durchaus bereits Erfolge vorzuweisen. Die wohl bislang größte Errungenschaft ist in diesem Zusammenhang der USB-C Standard. Wie zuvor erwähnt, verwendet ein Großteil der aktuell auf dem Markt erhältlichen Smartphones einen USB-C Anschluss. Dieser ist eine kleine Variante des klassischen USB Anschlusses – so wie er am anderen Ende des Kabels (auch bei iPhones) existiert. Neben dem USB-C Anschluss existiert auch Micro USB. Dieser sieht fast genauso aus wie der USB-C Anschluss, unterscheidet sich jedoch leicht in der Form. Unterm Strich ist USB-C aber der Anschluss, der in Smartphones verbaut wird. Dass dies so ist, liegt vor allem an der Arbeit der EU. Wenn es nach dem Europäischen Parlament ginge, wären sämtliche Ladekabel und Buchsen einheitlich. Dies gestaltet sich jedoch weiterhin schwierig – vor allem am Widerstand von Apple. Mit dem sogenannten „Impact Assessment“ (zu Deutsch: in etwa “Bewertung über die Auswirkung“) wollte die EU im Jahre 2018 von allen großen Smartphone Herstellern wissen, wie sehr einheitliche Ladebuchsen den Unternehmen (finanziell) schaden würden. Besonders Apple hat sich zu Wort gemeldet und von schwerwiegenden finanziellen und ökologischen Folgen gesprochen und sich damit gewissermaßen quergestellt. Mehr dazu können Sie hier nachlesen.