Mann bedient iPhone
Virus auf dem iPhone: Ist das überhaupt möglich? (Bild: Denis Prikhodov, Russia Simferopol - stock.adobe.com)

Schäden vorbeugen

Virus auf dem iPhone: Ist das überhaupt möglich?

In der immer wieder aufkommenden Diskussion, welches Betriebssystem besser ist, Android oder iOS, wird auf Seiten der sogenannten Apple-Jünger immer das Argument angeführt, dass Viren auf dem iPhone so gut wie unmöglich seien. Diese Meinung scheint auch Apple selbst zu vertreten. Schließlich stehen im App Store so gut wie gar keine Virenscanner zum Download bereit. Auch in der Öffentlichkeit ist der Mythos vom 100 Prozent sicheren iPhone weit verbreitet. Doch wie sicher sind die iPhones mit ihrem iOS-System wirklich? Haben Viren und andere Schadsoftware tatsächlich keine Chance? Wir gehen dem Mythos auf den Grund und überprüfen, ob und wenn ja wie viel Schaden ein Virus auf dem iPhone anrichten kann.

Virus definieren und einordnen

Fälschlicherweise dient der Begriff Virus heutzutage als Überbegriff für alle Arten von Schadsoftware. Dabei kann nur ein geringer Teil der Schadsoftware, die im Umlauf ist, wirklich als Virus bezeichnet werden. Ein Virus auf dem iPhone ist nämlich ein winziges Schadprogramm, das sich in einer Datei festsetzen und sich mit Hilfe dieser verbreiten kann. Der Begriff Virus stammt im Übrigen aus dem Lateinischen und bedeutet Schleim oder Gift. Um empfindlichen Schaden anrichten zu können, ist er demzufolge auf Träger angewiesen. Als Überbegriff für Schadsoftware bietet sich vielmehr Malware an. Das beinhaltet z.B. auch Adware und Trojaner.

Apple hält Virenscanner für nicht notwendig

Suchen Sie doch mal im App-Store auf Ihrem iPhone nach Virenscannern. Das Ergebnis der Suche wird ziemlich mau ausfallen. Im App-Store stehen schließlich seit 2015 keine Virenscanner mehr zum Download bereit. Sie finden dort nur noch einige Schutzprogramme von bekannten Firmen wie Kaspersky oder Norton. Diese Programme beinhalten allerdings Funktionen und Features, die das iOS-System und der Großteil der Mail-Apps ohnehin schon zur Verfügung stellen. Dazu gehören unter anderem der Diebstahlschutz und der Schutz vor Phishing, also Versuche, über gefälschte Webseiten, E-Mails oder Kurznachrichten Ihre persönlichen Daten zu erhalten und damit Identitätsdiebstahl zu verüben.

iPhone: Argument Sandbox

Apple unterstreicht und untermauert seine Ansicht, dass keine Virenscanner notwendig sind auch mit Fakten. Ein geschaffener Fakt ist die speziell für iOS entwickelte sogenannte Sandbox. Apps laufen in dieser Sandbox und können nur innerhalb der Sandbox lokale Dateien auf dem Gerät entschlüsseln, lesen und speichern. Falls eine App also Schadsoftware enthält, kann sie nur äußerst wenig damit anrichten. Das würde zudem für Virenscanner bedeuten, dass sie nicht auf andere Anwendungen zugreifen können, um diese nach Malware zu untersuchen. Daher sind Virenscanner auf iPhones wenig sinnvoll. Des Weiteren gilt es festzustellen, dass das Betriebssystem iOS schon von Haus aus gut selbst vor Viren schützen kann. Das müssen auch klare Befürworter von Android anerkennen.

Ein iOS-Virus fällt auf

Neben Google und Facebook ist Apple der Tech-Riese, dem die breite Öffentlichkeit am meisten Beachtung schenkt und der damit häufig in den Nachrichten vertreten ist. Für Sie Nutzer erhöht sich deshalb die Sicherheit Ihres iPhones. Wenn nämlich ein Virus auf dem iPhone oder andere Malware über Sicherheitslücken ins das iOS-System eingeschleust wird, ist das höchstwahrscheinlich spätestens zwei Tage danach Thema Nummer eins auf den Technikseiten der Medien. Zudem können Sie einen solchen Fall selbst erkennen, wenn Sie aufmerksam sind. Denn eingedrungene Schädlinge verringern die Performance und Akkuleistung Ihres iOS-Geräts.

Geschlossenes System und Kontrolle des App-Stores

Führen Sie sich wieder Diskussionen um das beste Betriebssystem vor Augen, werden Sie feststellen, dass Apple-Gegner immer wieder das geschlossene iOS System als Argument verwenden. Befürworter Apples tun dies wiederum auch, weil das System so bestimmte Sicherheitsstandards etablieren konnte. So braucht jede App erst Ihre Erlaubnis, um auf Systemfunktionen wie z.B. Kamera oder Ortungsdienste zugreifen zu können. Außerdem können Apps im Normalfall nur über den App-Store installiert werden. Diese Maßnahme bietet ein gewisses Maß an Sicherheit.

Geschichte der iPhone-Malware

Lächelnder Mann bedient weißes iPhone
(Bild: Mongkol Chuewong - stock.adobe.com)

Es kann also festgestellt werden, dass das iOS-System von Apple Android und Windows in Sachen Sicherheit ein ganzes Stück voraus ist. Dennoch sind auch iPhones nicht vollständig vor schädlichen Eindringlingen gefeit. In der Vergangenheit konnte immer mal wieder Malware auf die Apple-Geräte gelangen. Als prominentestes Beispiel ist die Spyware Pegasus anzuführen. Sie wurde im Jahr 2016 entdeckt und führte unter anderem einen versteckten Jailbreak durch. Dafür nutzte die Schadsoftware einen Fehler in der Speicherverwaltung des iOS-Kerns. Dadurch konnte Pegasus beispielsweise die Messenger-Kommunikation abhören, Kontakte vollständig kopieren und auf sämtliche Fotos und Dokumente zugreifen. Zehn Tage nachdem Apple über die Sicherheitslücken in Kenntnis gesetzt wurde, stellte der Konzern ein Update bereit, welches die Fehler behob und die Lücken schloss.

Jailbreak ist Sicherheitsrisiko

Ein Jailbreak verändert das ganze Sicherheitsgefüge Ihres iPhones. Er hebelt nämlich konsequent alle Sicherheitsmechanismen des iOS-Betriebssystems aus. Außerdem ist nicht gesichert, dass die für einen Jailbreak benötige Software frei von Malware ist. Denn diese Software wird nicht gründlich oder gar nicht kontrolliert. Wenn Sie Ihr iPhone gejailbreakt haben, können Sie nicht immer sofort die neuesten Software-Versionen installieren. Das stellt ein weiteres Sicherheitsrisiko dar. Dennoch bleibt festzustellen, dass das iOS-System im Originalzustand, also ohne Jailbreak, Malware kaum Möglichkeiten bietet, größeren Schaden anzurichten. Somit ist Apples Behauptung größtenteils richtig.

Gefährliche Cloud-Dienste

Immer mehr iPhone-User benutzen Cloud-Dienste. Bieten diese doch etliche Vorteile wie z.B. das einfache Teilen von Dateien. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass mit den Dateien Malware auf Ihr Gerät gelangt. Denn die Dateien werden nicht von den jeweiligen Cloud-Diensten überprüft. Mit der Unterstützung von Apps wie Lookout können Sie die Gefahren bezüglich der Cloud-Dienste minimieren.

Fazit: Gefahren durch Abzocke und Phishing

Festzuhalten ist: Viren stellen keine große Gefahr für Ihr iPhone dar. Dafür sorgt Apple mit dem geschlossenen System und der Überprüfung und Verifizierung von Apps. Zwar sind immer mal wieder Schwachstellen und Sicherheitslücken offen gelegt worden, jedoch hat Apple diese auch durch den Druck der Öffentlichkeit immer schnell behoben. Deshalb sind Virenscanner auch nicht notwendig. Es gibt allerdings auch Probleme, die nicht einfach mit einem Update behoben werden können und gegen die Apple noch kein effektives Rezept gefunden hat. Dazu gehören falsche Gewinnspiele, Abzocke durch Rückrufe, Phishing-Versuche und Adware. Dadurch geraten Ihre Kontaktdaten oder Bankdaten in die falschen Hände, kosten Sie wenige Minuten in der Warteschlange ein kleines Vermögen und Sie laden Apps herunter, die Sie nur mit lästiger Werbung nerven. Hier hilft nur rationales Denken und Ihr gesunder Menschenverstand.