Kinder und Mutter schauen auf Tablet
Alles über Kita Apps – Das müssen Sie wissen (Bild: Robert Kneschke - stock.adobe.com)

Ratgeber Apps & Programme Kita Apps: So behalten Eltern den Überblick über die Kinder

Wenn Sie Kinder haben, ist Organisation gefragt. Morgens früh aufstehen, Zähne putzen, anziehen, Essen zubereiten, Schuhe an und los geht’s. Alleinerziehende haben es besonders schwer. Der Spagat zwischen Familie und Job stellt eine Herausforderung dar, und da ist Ihr Privatleben noch gar nicht eingerechnet. Um in all das Ordnung zu bringen, gibt es Apps wie Evernote oder Todoist, die bei der Planung helfen. Zudem gibt es auch spezielle Kita Apps. Diese Unterstützen Sie dabei wichtige Termine im Auge zu behalten, sich mit anderen Eltern auszutauschen und Berichte über die Entwicklung Ihres Kindes abzurufen. Das klingt erstmal gut. Aber wie hilfreich sind Kita Apps wirklich? Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Viele Kita Apps gelten nämlich als unsicher. Welche kinderfreundlichen Apps gibt es außerdem und was hat es mit Beobachtungsbögen auf sich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kita Apps – Die kleinen Helfer im Alltag

Wer eine Kita App nutzt, der tut dies vor allem aus einem Grund: Arbeitserleichterung. Kita Apps helfen den Überblick über Ihr Kind und die Kita zu behalten, in die es geht. Wenn Sie bislang keine oder nur wenig Erfahrung mit Kita Apps haben, kein Problem. Wir verraten Ihnen im Folgenden alles, was Sie darüber wissen müssen.

Was können Kita Apps?

Es gibt viele Kita Apps auf dem Markt. Zu den bekanntesten zählen die Kita Info App, Kindy - Die Kita-App, Kita App und die CARE Kita App. Abgesehen davon, dass sie alle fast identische Namen haben, bieten die Anwendungen doch ganz unterschiedliche Features. Für Eltern (hier wird dann gerne auch von Eltern Apps gesprochen) dienen sie vor allem der Kommunikation. Sie können nämlich, ähnlich wie per WhatsApp, mit dem Kita Personal oder anderen Eltern kommunizieren, auch Tools für Videokonferenzen zählen oft dazu. Zudem lassen sich Besonderheiten im Alltag Ihres Kindes, z.B. durch Beobachtungsbögen festhalten (mehr über Beobachtungsbögen weiter unten). Viele Applikationen bieten auch Komplettlösungen an, die die Verwaltung der Stammdaten Ihres Kindes organisieren.

Ein weiterer Vorteil von Kita Apps ist, dass sie wie eine News App dienen. Sie werden informiert über anstehende Termine, Neuigkeiten oder Krankmeldungen aus der Kita. Auch Erzieherinnen und Erzieher, Kita-Leitungen oder Träger können von Kita Apps profitieren, indem mit ihnen z.B. die Organisation von Stundenplänen vorgenommen werden kann.

Wie sicher sind Kita Apps?

Wie sicher sind Kita Apps? Die kurze Antwort: Nicht sonderlich sicher. Zumindest nach einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre, der Ruhr-Universität Bochum sowie Expertinnen und Experten von Aware7 (IT-Sicherheitsfirma aus Gelsenkirchen). Die Studie legt nahe, dass Kita Apps von Android (iOS Apps wurden nicht getestet) große Mängel im Datenschutz aufweisen. Die IT Experten haben insgesamt 42 Kita Apps untersucht, insbesondere aus Europa und den USA. Das Ergebnis: Nur zwölf Anwendungen gelten als unbedenklich.

Mehrere Apps greifen Nutzerdaten ab, ohne vorher nach Einverständnis gefragt zu haben. Dazu zählen z.B. Telefonnummern und E-Mail-Adressen sowie Infos zur Nutzung der App, wann beispielsweise auf welchen Button getippt wurde. Eine App legte sogar offen, wie oft Windeln gewechselt wurden. All diese Daten werden dann, so die IT Expertinnen und Experten, mit Drittanbietern geteilt. Das ist leider noch nicht alles: Unten den Kita Apps mit gravierenden Sicherheitsmängeln (darunter auch vier deutsche) konnte auf Kinderfotos zugegriffen werden, weil sie auf schlecht geschützten Cloud Speichern lagen. Möglich wurde dies, indem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst Konten erstellten und sie dann hackten.

Selbst die Datenschutzbestimmungen, da wo alles schwarz auf weiß festgehalten werden sollte, waren oft vage formuliert. Viele Erklärungen erwähnten nicht einmal, „dass sie Daten von Kindern verarbeiten, geschweige denn, dass sie Daten sammeln und verkaufen, obwohl sie das nach den gesetzlichen Vorschriften Europas und der USA müssten“, so ein Wissenschaftler der Studie. Die europäische DSGVO und das US Pendant verpflichten sich dem besonderen Schutz von Kindern, zahlreiche Apps kämen dem aber nicht nach. Lediglich sechs der 42 Anbieter haben auf die Ergebnisse der Studie reagiert. Nur vier deutsche Apps gelten als unbedenklich.

Was bedeutet das für Sie? Lesen Sie sich vor dem Download der App in jedem Fall die Kundenrezensionen durch. Die Berichte von Nutzerinnen und Nutzern können bereits einen ersten Anhaltspunkt über die Erfahrung mit der App geben. Achten Sie auch auf die Sternebewertung. Auch sie gibt Aufschluss darüber, wie zufrieden Userinnen und User mit der Anwendung sind. Ein weiteres Indiz sind die Downloadzahlen. Eine relativ hohe Ziffer lässt darauf schließen, dass viele Nutzer der App vertrauen. Machen Sie sich zudem die Mühe und googeln Sie nach Testberichten im Netz. Stellen Sie sicher, dass Sie keine negative Berichterstattung in Bezug auf den Datenschutz finden.

Welche Apps für Kinder?

Kind schaut auf mobiles Endgerät
Bei Kita-Apps sollte besonders auf den Datenschutz geachtet werden (Bild: Rawpixel.com - stock.adobe.com)

Neben Kita Apps gibt es auch ganz normale Apps für Kinder. Applikationen also, mit denen Ihre Kleinen spielend lernen oder einfach unterhalten werden. Die Zahl der Kinder Apps ist groß. Populäre Anwendungen sind z.B. Fiete, in der Sie einen freundlichen Seemann auf seiner Reise begleiten. Oder die Maus App, mit der Sie u.a. die Folgen der beliebten Fernsehserie nachschauen können, sowie Kids Paint. Mit Letzterer können Kinder ihre Kreativität ausleben und eigene Gemälde erstellen. Die Anton Lern-App hat einen noch stärkeren pädagogischen Ansatz und bietet Lektionen in Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Musik für die Klassen 1 bis 8. Je nach Altersstufe und Interesse des Kindes gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Apps.

Was gibt es alles für Beobachtungsbögen?

In der Krippe und Kita wird viel mit Beobachtungsbögen gearbeitet. In diesen werden die Entwicklungsprozesse von Kindern dokumentiert und ausgewertet. Das ist keine Kontrolle, sondern soll gewährleisten, dass jedes Kind die benötigende Fürsorge und Erziehung bekommt. Je nach Alter des Kindes und was genau beobachtet wird, gibt es verschiedene Bögen. Wir stellen Ihnen die gängigsten vor.

  • Sprache, Sprachentwicklung

Für Kinder unter drei Jahren gibt es den BaSiK U3 (Begleitende und alltagsintegrierte Sprachentwickungsbeobachtung) sowie den Liseb-1/lieseb-2 (Literacy und Sprachentwicklung beobachten bei Kleinkindern). Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren kommen die Bögen SISMIK (Sprachentwicklung und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kitas), SELDAK (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern) und BaSiK Ü3 (Begleitende und alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung) zum Einsatz. Für Grundschul- und Hortkinder wird Selsa (Kinder mit Deutsch als Erst- und Zweitsprache von 1. bis 4. Schulklasse) genutzt.

  • Interessen und Kompetenzen

Bei Kindern bis drei Jahren wird der Bogen Grenzsteine der Entwicklung (Laewen) angewandt. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden die Bögen KOMPIK (Kompetenzen und Interessen von Kindern), PERIK (Positive Entwicklung und Resilienz im Kita-Alltag), Ravensburger Bogen zur Entwicklungsbeobachtung, Infans Beobachtungsbogen (Bildungsthemen des Kindes) sowie der Gelsenkirchener Entwicklungsbegleiter genutzt. Bei Grundschul- und Hortkindern kommen der PERIK (1. und 2. Klasse) sowie der Bogen zur Beobachtung von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren der Stadt Recklinghausen zum Einsatz.

  • Auffälliges Verhalten

Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren gibt es den BEK (Beobachtungsbogen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsrückständen bei Kindergartenkindern).

  • Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls

Bei Kindern unter drei Jahren kommt die sogenannte KiWo-Skala zum Einsatz, genauso wie für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Für Grundschul- und Hortkinder gibt es wiederum die KiWo-Skala Schulkind.