Zwei Hände tippen auf Smartphone, darüber erscheinen holographisch Nachrichtenblasen
Liest Facebook bei WhatsApp Nachrichten mit? (Bild: oatawa - stock.adobe.com)

Datensicherheit Kann Facebook Ihre WhatsApp Nachrichten mitlesen?

Facebook ist eines der mächtigsten Unternehmen weltweit. Der Erfolg hat verschiedene Gründe, einer ist der Aufkauf konkurrierender Dienste. 2014 hat Facebook den damals erst fünf Jahre alten Messenger-Dienst WhatsApp geschluckt, zwei Jahre zuvor kam bereits Instagram hinzu. Auf diese Weise wächst nicht nur Facebooks Nutzerschaft, sondern auch die Grenzen zwischen den einzelnen Diensten verschwimmen. So lassen sich heute Funktionen App-übergreifend nutzen, wie z.B. das Teilen von Stories. So viel User-Komfort muss doch automatisch auch negative Konsequenzen mit sich führen, oder? Richtig. Ein Nebeneffekt der Fusion von Facebook mit WhatsApp & Co. ist, dass nicht nur einzelne Features, sondern auch Ihre Messages geteilt werden können. Soll heißen: Facebook ist in der Lage WhatsApp Nachrichten mitzulesen. So zumindest die Befürchtung vieler Datenschützer. Wir verraten, was dahinter steckt.

Das ist am Auslesen von WhatsApp Nachrichten wirklich dran

Um es kurz zu machen: Ja, Facebook liest Ihre WhatsApp Nachrichten mit. Und jetzt die Einschränkung - jedoch nicht immer und auch nicht alle. Zur Erklärung: WhatsApp Nachrichten sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können daher (eigentlich) auch nur von den Gesprächsteilnehmern selbst gelesen werden. Dritte haben keinen Zugriff darauf. Es ist jedoch möglich, einzelne Messages zu melden. Dann nämlich, wenn sie rechtswidrige oder unangemessene Inhalte haben. Hierbei handelt es sich um eine Option, die es Nutzern erlaubt, sich gegen Belästigung, Stalking oder Diskirminierung zu wehren. Die User können bzw. müssen hier also selbst aktiv werden, damit etwas passiert. Dies geht übrigens über die jeweilige Profilseite des Kontaktes, von dem die Nachrichten stammen. Ganz unten gibt es den Menüpunkt “Kontakt melden”. Genau genommen melden Sie zunächst also den Account und nicht einzelne WhatsApp Nachrichten.

Haben Sie einen Kontakt gemeldet, werden Sie gebeten, die entsprechende Nachricht zu melden, die vom Account an Sie geschickt wurde. Daraufhin werden Ihre WhatsApp Nachrichten tatsächlich ausgelesen. Jedoch nur die, um die es in dem aktuellen Fall geht. Facebook schaut sich die gemeldete Message an sowie die vier vorangegangenen WhatsApp Nachrichten inkl. Fotos und Videos. Vorgenommen wird diese Prüfung übrigens von über 1000 Mitarbeitern in verschiedenen Büros im US-Bundesstaat Texas, in der irischen Hauptstadt Dublin sowie in Singapur. In den Büros werden Millionen von Nutzerinhalten untersucht. Alle wurden zuvor gemeldet. Die Prüfung läuft ähnlich wie bei Facebook und Instagram Messages ab: Jeder sogenannte “Moderator” arbeitet täglich ca. 600 Tickets durch. Hierbei wird gecheckt, ob es sich bei den gemeldeten WhatsApp Nachrichten tatsächlich um illegale bzw. unlautere Inhalte handelt oder nicht.

Was bedeutet das Ganze nun für die Datensicherheit?

Wenn Facebook Ihre WhatsApp Nachrichten liest, dann müssen diese zuvor gemeldet worden sein - wie sicher sind Ihre Daten also? Einerseits sind Ihre WhatsApp Nachrichten gut geschützt. Alle Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und werden nur in Ausnahmefällen und auch nur von Facebook-Personal gelesen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt weiter bestehen. Das ist die gute Nachricht. Andererseits werden Ihre Ende-zu-Ende-verschlüsselten WhatsApp Nachrichten eben doch gelesen. Eine einhundertprozentige Sicherheit, dass wirklich nur Sie und Ihr Gegenüber die Messages sehen können, gibt es nicht. Darüber hinaus kann jeder WhatsApp Nachrichten melden. Unabhängig davon, um welchen User es sich handelt und egal, ob der Inhalt auch wirklich “meldewürdig” ist oder nicht. Per Knopfdruck lassen sich also beliebige WhatsApp Nachrichten melden und somit auch auslesen. Unterm Strich ist die Datensicherheit Ihrer WhatsApp Nachrichten hoch - aber nicht allumfassend.

Woher kommt die Befürchtung um WhatsApp Nachrichten?

Frau sitzt lächelnd auf gelbem Sofa und schaut auf ihr Smartphone
Was ist an den Sorgen dran? (Bild: Gorodenkoff Productions OU - stock.adobe.com)

Die Sorgen von Usern, Bürgerinnen und Bürgern sowie Datenschutzexperten ist nicht neu. Dass WhatsApp Nachrichten oder Messages von Facebook oder Instagram mitgelesen werden, wird nicht erst seit gestern befürchtet. Seit Jahren gilt der Facebook Konzern als einer der Hauptakteure, wenn es ums Sammeln und Auslesen von Nutzerdaten geht. Facebooks ganzes Geschäftsmodell basiert schließlich auf dem Schalten zielgerichteter Werbung, sprich “Micro Targeting”. Als Facebook Anfang 2021 angekündigt hat, WhatsApp noch stärker zu integrieren, haben sich Sorgen von Usern noch vergrößert. Spätestens als das US-Portal “ProPublica” berichtet hat, dass WhatsApp Nachrichten künftig mitgelesen werden könnten, war das Chaos perfekt.

Was macht das WhatsApp Nachrichten Auslesen so brisant?

Hauptgrund der Aufregung, dass WhatsApp Nachrichten ausgelesen werden, ist der fehlende Datenschutz. Die eigenen Messages sollen schließlich sicher vor Dritten sein, auch bzw. insbesondere vor dem Konzern, dem der Dienst gehört. Vertrauen ist in der digitalen Kommunikation schließlich ein hohes Gut. Brisant wird die Diskussion ums Auslesen von WhatsApp Nachrichten vor allem darum, weil WhatsApp doch eigentlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Heißt: Nur die Personen, die auch wirklich am Chat beteiligt sind, können ihn einsehen. Facebook und Instagram sind hingegen nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Aus diesem Grund hat der Mutterkonzern Facebook in der Vergangenheit sicherlich freimütiger zugegeben, Konten überwacht und gesperrt zu haben.

Dann nämlich, wenn es sich um rechtswidrige bzw. der Firmenpolitik widersprechende Inhalte (wie z.B. Fake News) gehandelt hat. Im Falle von Facebook und Instagram war das Überwachen bzw. Auslesen von Inhalten also sogar gut. Zum einen weil sich Facebook damit u.a. gegen Hass und Hetze im Netz gestellt hat und weiterhin tut. Zum anderen, und das ist in diesem Fall besonders wichtig, weil beide Netzwerke (Facebook und Instagram) nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Das Mitlesen war hierbei also irgendwie erwartbar. Nicht aber bei WhatsApp, das über die besagte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verfügt. Dass Facebook auch hier mitlesen kann, was sich User im Privaten schreiben, lässt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung quasi nutzlos erscheinen.

Facebook versucht zu beschwichtigen und sagt, dass gemeldete WhatsApp Nachrichten automatisch weitergeleitet würden und diese auch weiterhin Ende-zu-Ende-Verschlüsselt blieben. Es bestehe also kein Grund zur Sorge. Zumindest rechtlich ist Facebook auf der sicheren Seite. In den Nutzungsbedingungen steht bereits seit einiger Zeit geschrieben:

„WhatsApp erhält die neuesten Nachrichten, die du von dem gemeldeten Benutzer oder der gemeldeten Gruppe empfangen hast.“

Jeder Nutzer hat diesen Richtlinien also bereits zugestimmt. Unabhängig davon, ob er sie gelesen hat oder nicht.