Tandem fahren
Tandem fahren (Bild: RBecker - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks

Tandem fahren

Auf den ersten Blick wirkt ein Tandem wie eine verspielte Idee. Doch ein zweiter Blick lohnt sich. Durch die Verteilung des Antriebs auf vier statt zwei Beine ergeben sich einige bemerkenswerte Vorteile. Diese Vorteile gelten vor allem für Menschen, die ohnehin gerne etwas zu zweit unternehmen.

Was ist ein Tandem?

Die Definition, ein Tandem bietet Platz für zwei, greift etwas zu kurz. Platz für eine zweite Person würde auch ein Sitz auf dem Gepäckträger bieten.

Der entscheidende Vorteil eines Tandems ist das gemeinsame Pedalieren. Dadurch teilen sich zwei Personen die Kraftarbeit. Allerdings müssen diese nicht immer gleich stark in die Pedale treten.

Begriffe bzgl. der Fahrer auf einem Tandem

Im englischen Sprachraum haben sich die Begriffe Captain bzw. Pilot (vorne) und Stoker (hinten) durchgesetzt. Die deutschen Entsprechungen hierzu werden gerne mit Kapitän und Heizer angeführt. Der Hintergrund hinter dieser Wortwahl sind die unterschiedlichen Aufgabenstellungen auf einem Tandem: Der Kapitän trifft alle Entscheidungen, der Heizer sorgt für ausreichende Trittenergie.

Zum besseren Leseverständnis bieten sich aber auch Begriffe wie Vordermann bzw. Lenker und Hintermann an.

Vorteile eines Tandems

Neben der Aufteilung des Kraftaufwandes bietet das Tandem noch einen anderen Nutzen: Beide Personen bewegen ich auf demselben Fahrzeug und kommen dadurch immer gleichzeitig am Ziel an.

Das ist bei der Fahrt auf zwei Solorädern nicht selbstverständlich. Hier müssen sich Mitfahrende immer wieder aufeinander abstimmen, damit niemand zurückbleibt. Die kräftigere Person muss sich dabei zwangsweise der schwächeren Person anpassen.

Zusätzlich erleichtert ein Tandem auch die Unterhaltung, da sich beide Personen im übertragenen Sinne näherstehen bzw. nähersitzen. Auf Solo-Rädern gelingt eine Unterhaltung häufig nur durch das Nebeneinanderfahren. Das ist aber im Straßenverkehr oft gefährlich.

Ein großes Plus stellt das Tandem auch für jene Personen dar, die aus gesundheitlichen Gründen nur schlecht, oder gar nicht, alleine mit dem Fahrrad fahren können. Sie sitzen von vorne sicher geführt auf dem zweiten Sitz und können trotzdem an der sportlichen Aktivität des Pedalierens teilnehmen.

Der Markt für Tandems ist sehr klein. Die oben geschilderten Vorteile treffen besonders für Radfahrer mit Handicaps und für Tourenfahrer zu. Deshalb sind die meisten Angebote von Tandems für diese Aufgabenstellungen optimiert.

Welche Anforderungen werden an ein Tandem gestellt?

Das Gesamtgewicht eines Tandems ist durch die Konstruktion und durch die zwei fahrenden Personen deutlich höher als bei einem Solo-Rad. Das erfordert eine besondere Bremskraft. Deshalb werden an einem Tandem meistens Scheibenbremsen verbaut.

Um das Gewicht von zwei Personen tragen zu können, muss auch die Rahmenkonstruktion stabiler ausgeführt werden. Zum leichteren Auf- und Absteigen werden gerne Konstruktionen gewählt, die ein Durchsteigen möglichst einfach machen.

Wichtig ist auch eine gute Federung des Fahrrades, besonders am Sitzrohr der hinteren Person. Der Grund: Unebenheiten können von hinten nicht gesehen, sondern nur gespürt werden. Eine gute Federung verhindert Stress beim Tandemfahren.

Eine sehr gute Einstellung des Fahrrades auf die körperlichen Größen der Fahrer ist auch aus einem anderen Grund notwendig. Auf einem Tandem entfällt jede Art von dynamischen Fahren. Eine ruhige Haltung gelingt aber nur, wenn die Einstellungen komfortabel sind.

Ist das Fahren mit dem Tandem schwer?

Ob eine Fahrt mit dem Tandem einfach, schwer oder gar gefährlich ist, hängt alleine davon ab, wie die Tandemfahrer aufeinander Rücksicht nehmen. Tatsächlich stellt die besondere Konstruktion des Fahrrades bestimmte Aufgaben an die beiden Fahrer.

Vor der ersten Fahrt sollten Neulinge das Tandem auf einer verkehrsarmen Fläche testen. Dabei sammelt der Hintermann Vertrauen in die Fähigkeiten des Lenkers und der Vordermann lernt auf die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten des Hintermanns Rücksicht zu nehmen.

Welche Aufgaben hat die Steuerperson?

Die Steuerperson am vorderen Lenker hat die bessere Sicht auf die Fahrsituation und muss dafür die Verantwortung übernehmen. Sie oder er alleine entscheidet darüber, wann gestoppt und wann wieder angefahren wird.

Das Fahrverhalten sollte betont ruhig sein. Weder wird unerwartet beschleunigt, noch werden Situationen mutwillig herbeigeführt, in denen plötzlich gebremst werden muss. Das Fahrrad wird ruhig in Kurven hineingelenkt. Zwar ist der benötigte Radius dafür etwas länger, ein Einschlagen des Vorderrades bis zum Maximum ist aber selten notwendig.

Sollten Hindernisse wie Gegenstände oder Schlaglöcher ein Ausweichen notwendig machen, sollte der Lenker dies vorankündigen. Spontane Lenkvorgänge wirken auf die hinten sitzende Person immer wie eine Überraschung.

Die Steuerperson muss sich im Klaren darüber sein, dass sie es ist, die für das Gleichgewicht beim Fahren und beim Stehen sorgen muss.

Welche Aufgaben bestehen im hinteren Teil?

Von hinten lässt sich die Verkehrssituation kaum beurteilen, deshalb muss Vertrauen in den Steuerperson existieren. Eine ruhige Fahrt lässt sich am besten durch eine aufrechte Haltung unterstützen. Ein ängstliches gegen die Kurve lehnen sollte unterbleiben.

Wer hinten sitzt, hat theoretisch viel Zeit die Landschaft zu genießen und möchte vielleicht auch mal Fotos schießen oder anderen Leuten winken. Trotzdem sollte man nicht durch ständige Lageveränderungen den Lenkenden irritieren.

Bei Schaltungen des Ganges ist auch Mitarbeit gefragt. Je nach technischer Beschaffenheit der Gangschaltung muss auch die hinten sitzende Person beim Gangwechsel das Pedalieren kurz einschränken.

Resümee

Tandemfahren ermöglicht nicht nur eine harmonische Fahrt, sie fordert und fördert gemeinsames Erleben.

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