Was bedeutet richtiges Sitzen auf dem Fahrrad?
Was bedeutet richtiges Sitzen auf dem Fahrrad? (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks

Richtiges Sitzen auf dem Fahrrad

Wer gut sitzt, fährt gut. Doch was bedeutet richtiges Sitzen auf dem Fahrrad? Was kann durch besseres Material und was kann durch die korrekten Einstellungen für ein gesundes Pedalieren erreicht werden? Und wo muss der eigene Körper mit einer angepassten Haltung das schmerzfreie Fahren unterstützen? In diesem Artikel geben wir Antworten auf diese Fragen.

Sitzen ist keine menschliche Stärke

Während der Fahrt mit dem Fahrrad lastet das Gewicht des Menschen auf drei Punkten:

  • Man sitzt auf dem Sattel
  • Man stützt sich auf dem Lenker ab
  • Man drückt mit den Füßen auf die Pedale, gleichzeitig stützt man so den Körper ab

Von den drei genannten Kontaktflächen wurden nur die Füße dafür geschaffen, das Gewicht des Körpers zu tragen. Die Hände haben diese Funktion spätestens zu jenem Zeitpunkt verloren, als sich der Mensch aufrichtete. Das Gesäß hingegen war nie dafür gedacht, ständig zu sitzen.

Egal ob man auf dem Fahrrad Platz nimmt, oder auf einem harten Stuhl während eines Seminars: Mit der Zeit beginnt das Gesäß zu schmerzen und beim Rücken machen sich Beschwerden bemerkbar. Eine gute Sitzhaltung kann diesen Moment in die Zukunft schieben.

Unterschiedliche Fahrweisen, unterschiedliche Haltungen

Die optimale Sitzhaltung lässt sich nicht beschreiben. Sie hängt vom Einsatzzweck des Rades ab. Daraus ergeben sich unterschiedliche Belastungen auf die drei im vorherigen Kapitel erwähnten Kontaktflächen. Dazu ein paar Beispiele:

  • Bei einem Fahrradrennen beugen sich die Fahrer weit nach vorne. Mit großer Kraft treten sie in die Pedale und stützen sich während der Fahrt auf dem Lenker ab. Das Körpergewicht wird absichtlich stark auf die Pedale gelenkt, das Gesäß ruht fast nicht auf dem Sattel. Im Gegenteil: Während des Wiegetritts berührt das Gesäß den Sattel gar nicht mehr.
  • Während einer ausgedehnten Fahrradtour wird ebenfalls viel Kraft ins Pedalieren gesteckt. Schließlich will man ja weit kommen. Spitzenzeiten müssen allerdings nicht erreicht werden. Dadurch ist die Haltung nicht mehr extrem nach vorne geneigt, wodurch wiederum das Gesäß stärker belastet wird.
  • Bei einem Fahrrad, das für die Stadtfahrt genutzt wird, sitzen man dagegen eher aufrecht. Die Hände liegen locker am Lenker auf, sie tragen fast keine Last mehr. Pedaliert wird gemütlich, hohe Geschwindigkeiten sind wegen Ampeln und häufigen Querungen mit Fußgängern ohnehin nicht möglich. Das Gewicht lagert deshalb hauptsächlich auf dem Gesäß.

Was genau bedeutet richtiges Sitzen?

Trotz der im vorherigen Absatz beschriebenen unterschiedlichen Haltungen, gibt es einige grundsätzliche Hinweise bezüglich des richtigen Sitzens. Sie gelten sowohl für das auf Geschwindigkeit optimierte Rennrad, als auch für das auf Ausdauer angewiesene Tourenrad. Diese Punkte sind im Einzelnen:

  • Die Last des Körpers wird auf möglichst großflächige Kontaktpunkte verteilt. Damit sind vor allem dicke Lenkergriffe und ein Sattel mit großer Kontaktfläche gemeint. Dabei reicht es nicht, dass diese Sitzfläche möglichst breit ist. Die Gesäßformen sind bei den Menschen verschieden. Der Sattel muss auf die unterschiedlichen Sitzknochenabstände abgestimmt sein.
  • Die Muskelkraft und das eigene Gewicht sollten beim Pedalieren möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. Das ist vor allem dann nicht der Fall, wenn die Fahrer zu hoch oder zu niedrig sitzen. In beiden Fällen treten sie nicht voll ins Pedal, es entsteht kein runder Tritt.
  • In Ergänzung zum vorherigen Punkt sollten alle Muskeln in ihrer Mittelstellung angesprochen werden. Sie werden beim Fahren nicht überstreckt, es herrscht aber auch eine gute Vorspannung.
  • Der Körper sollte nicht wie ein nasser Sack auf den Kontaktflächen aufliegen. Ein gut gefedertes Fahrrad nimmt bei holprigen Wegen viel von den Stößen auf. Trotzdem muss der Mensch entspannt genug sein, bei einer Fahrt über die Bordsteinkante diesen einmaligen Stoß aktiv abzufedern und nicht einfach hineinzufallen.

Ist aufrecht Sitzen gut oder schlecht?

„Sitz aufrecht!“, wurde uns in der Kindheit oft gesagt. Stocksteifes Sitzen hat aber am Fahrrad Nachteile. Durch die kerzengerade Haltung verlieren die Hände einen Teil ihrer Rolle zum Stützen des Körpers. Ist dann der Schwerpunkt hinter der Tretkurbel, unterstützen die Beine zwar den Antrieb, aber nicht mehr das Tragen des Körpers. Der Mensch ruht dann zur Gänze auf dem Gesäß und der Rücken nimmt die Stöße am Rad passiv auf. Die Folge sind Rückenschmerzen, obwohl man so brav aufrecht gesessen hat.

Manche Menschen bevorzugen die aufrechte Haltung beim Fahren. Dann ist zumindest darauf zu achten, dass das Fahrrad perfekt gefedert ist. Dazu tragen eigene Federelemente sowie federndes Material wie ein Stahlrahmen bei.

Was bedeutet das für das Fahrrad?

Viele wissen bereits, dass für ein genussvolles Fahren, der Rahmen eine bestimmte Höhe haben muss. Eher übersehen wird die Notwendigkeit, dass auch seine Länge korrekt sein sollte. Nur durch den richtigen Abstand zwischen Sattel und Lenker können Biker ausreichend vorgebeugt fahren.

Resümee

Durch die genaue Beobachtung der Haltung lässt sich erkennen, welche Körperteile beim eigenen Fahrstil besonders belastet werden. Je nach bevorzugter Körperhaltung ist abzuleiten, ob für das Zweirad eine bessere Einstellung oder ein stärker gefedertes Teil gebraucht wird. Ist alles am Fahrrad in Ordnung, verbleibt die Notwendigkeit, durch bewusstes Training und aktives Fahren die Sitzhaltung beim Fahrradfahren zu verbessern.

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