Radschnellwege im Ausland
Radschnellwege im Ausland (Bild: Alexander Filon)

Tipps und Tricks

Radschnellwege im Ausland

In Deutschland sind Radschnellwege an einigen Orten bereits Wirklichkeit geworden. Die Idee ist allerdings nicht neu — und auch nicht auf Deutschland beschränkt. In diesem Artikel beschreiben wir ähnliche Initiativen in Nachbarländern.

Definition eines Radschnellwegs

Über die Definition eines Radschnellwegs und die damit verfolgten Ziele in Deutschland haben wir bereits in dem Artikel "Fahrradschnellwege" geschrieben.

Einige Radschnellwege wurden in Deutschland bereits eröffnet, sehr viele Projekte mit zum Teil unterschiedlichen Ansätzen sind in den nächsten Jahren geplant. Eine Übersicht über die aktuellen Aktivitäten in Deutschland geben wir in dem Artikel „Radschnellwege in Deutschland“.

Die Definition für einen Radschnellweg weichen in den Nachbarländern von den deutschen Definitionen in vielen Fällen ab. Die meisten Unterschiede finden sich dabei im baulichen Bereich. Die mit den Radschnellwegen verbundenen Ziele sind aber in der Regel die gleichen.

Die im Folgenden beschriebenen Projekte sind nach ihren Ländern alphabetisch geordnet.

Belgien

Die Radschnellwege in Belgien werden vor allem im flämischen Teil sehr energisch vorangetrieben. Mit dem Projekt „Fietssnelwegen“ werden zurzeit die bereits zahlreich vorhandenen Radschnellwege mit einem einheitlichen Logo und einer intuitiv lesbaren Streckenbeschilderung versehen.

Damit soll erreicht werden, dass die Benutzer der Radschnellwege das Netz effizient nutzen können. Dieses Vorhaben ist Teil des europäischen Förderprojekts Cycle Highways Innovation for smarter People Transport and Spatial Planning (CHIPS), dass Radschnellwege als Mobilitätsprodukt etablieren möchte.

Dänemark

Der erste Radschnellweg wurde am 14. April 2012 mit der Route 99 von Kopenhagen nach Albertslund eröffnet. Insgesamt sollen 26 Radschnellwege errichtet werden. Die Radschnellwege sind mit Luftpumpstationen in regelmäßigen Abständen ausgestattet. An den Ampeln wird die Dauer der aktuellen Grünphase angezeigt. Fußbänkchen erleichtern das Warten an der roten Ampel.

Frankreich

Paris möchte bis 2020 in Bezug auf Fahrradstrecken zu Kopenhagen und Amsterdam aufschließen. So soll der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen von fünf auf 15 Prozent gesteigert werden. Dazu sollen innerstädtischer Radschnellwege mit dem Namen réseau express vélo, kurz REV, errichtet werden.

Die Radschnellwege sollen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h ermöglichen und 365 Tage im Jahr rund um die Uhr benutzbar sein. Die Beleuchtung der Fahrbahnen soll in der Nacht durch Näherungssensoren aktiviert werden.

Großbritannien

Die Stadt London wird zurzeit von sechs Cycle Superhighways erschlossen. Im Jahr 2017 wird an zwei weiteren Routen gearbeitet, die die Stadt in West-Ost und in Nord-Süd Richtung durchqueren sollen.

Niederlande

In den Niederlanden sind die Radschnellwege unter der Bezeichnung Fietssnelweg oder Snelfietsroute bekannt. Aktuell sind 31 Routen für das ganze Land geplant. Davon sind bereits elf Strecken realisiert.

Mit den Radschnellwegen möchte man den Pendelverkehr auf dem Fahrrad unterstützten. In den Konzepten wird aber auch eine Benutzung durch Betriebsmittel wie Segways und Fahrzeugen für mobilitätseingeschränkte Personen berücksichtigt.

Eine interessante Idee in Bezug auf Beleuchtung wird dabei auf der Snelfietsroute Arnhem-Nijmegen verfolgt: Eine Kunst-Installation mit Licht leuchtet dort heller und farbiger, je mehr Radfahrende vorbeikommen.

Österreich

Wien

In Wien sind bis 2025 drei Rad-Langstrecken geplant. Diese verbinden das Stadtzentrum mit dem Wiener Umland und sollen eine Verlängerung im niederösterreichischen RADLGrundnetz finden. Die erste Route soll 2018 fertiggestellt sein und wird dann die Innenstadt mit dem Wiener Hauptbahnhof und darüber hinaus die Stadtgebiete im Süden von Wien verbinden.

Als durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit werden 15 km/h angepeilt, was im Vergleich zu anderen Projekten ein niedriger Wert ist. Weitere Qualitätskriterien sind eine möglichst weitgehende Vorrangregelung für diese Rad-Langstrecken und kurze Wartezeiten an Ampeln. Die Routen sollen zu jeder Jahres- und Tageszeit benutzbar sein.

Niederösterreich

Im Niederösterreich wurde im Jahr 2013 vom Land Niederösterreich in Kooperation mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), der NÖ Regional GmbH und der Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) das Projekt RADLGrundnetz initiiert.

Dabei sollen neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit die Ballungsräume des Landes miteinander verbunden werden und das Rad als Zubringer zum öffentlichen Verkehr gefördert werden.

Der Verlauf der Strecken wird mit den Rad-Langstrecken in der Bundeshauptstadt Wien abgestimmt, die durch ihre Lage innerhalb des Landes Niederösterreich eine zentrale Rolle bei den Pendlerbewegungen einnimmt.

Schweiz

In der Schweiz werden die Radschnellwege Velobahnen oder Veloschnellrouten genannt. Vorreiter auf dem Gebiet der Radschnellwege sind dabei die Städte Bern und Winterthur.

Velobahnen in Winterthur

So sind im städtischen Gesamtverkehrskonzept und im Agglomerationsprogramm für Winterthur und Umgebung die Schaffung von Velobahnen vorgesehen. Mit dieser Maßnahme zur Förderung des Veloverkehrs über mittlere und längere Distanzen, erhofft sich der Stadtrat eine Entlastung des Straßennetzes.

Die Velobahnen sollen dabei das Stadtzentrum mit dem neuen Zentrum Neuhegi-Grüze und den gewachsenen Ortsteilen Oberwinterthur, Wülflingen, Töss, Seen beziehungsweise der umliegenden Region verbinden. Das Zielpublikum sind dabei speziell die Pendler.

Velobahnen in Bern

In Bern schlägt der Verband für die Interessen der Velofahrenden (Pro Velo Bern) die Vernetzung von Bern mit seinem Umland in Form von Velo-Hochleistungsverbindungen vor. Damit soll eine Umlagerung von motorisierten auf muskelgetriebene Kilometer gefördert werden. Eine Forderung bei der Gestaltung der Velobahnen ist, dass ein Weg von fünf Kilometern mit maximal drei Unterbrechungen zurückzulegen ist.

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