Ein Retro-Fahrrad steht vor einer grauen Wand.
Der Charme vom Retro-Fahrrad (Bild: DutchScenery - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks

Der Charme vom Retro-Fahrrad

Alle Jahre wieder zeigt sich bei fast allen Dingen ein bekannter Trend: Das Design der Gegenstände nimmt Elemente aus der Vergangenheit auf. Gleichzeitig steigt auch die Nachfrage nach kompletten historischen Originalmodellen. Das ist auch bei Fahrrädern nicht anders. Dieser Artikel beleuchtet ein paar Gesichtspunkte des Themas „Retro-Fahrrad“.

Retro-Fahrrad auf dreierlei Art

Beim Trend zum Retro-Fahrrad lassen sich drei Varianten unterscheiden:

  • Es werden in modernen Fahrrädern Retro-Elemente eingearbeitet
  • Es werden Fahrräder nach alten Bauplänen neu gefertigt
  • Es werden gezielt alte Fahrräder im Original nachgefragt

Retro-Elemente am modernen Fahrrad

Gerade neue Eigentümer eines Fahrrads frühen Baujahrs wählen gerne Retro-Elemente aus, um mit diesen ihr historisches Modell zu verschönern. Damit wird das Fahrrad individualisiert und hebt sich von den anderen Rädern am Fahrradständer ab. Gern gewählte Accessoires sind zum Beispiel alte Fahrradklingeln oder ein Sattel mit gediegenem Lederüberzug.

Einige Hersteller nehmen aber auch bewusst Elemente aus vergangener Zeit in ihren serienmäßigen Fahrrädern auf. So sind manche Doppelrohrrahmen eher der Nostalgie und weniger modernen Anforderungen an die Rahmengeometrie geschuldet.

Besonders raffiniert kommen dabei auch Farben zum Einsatz. So lassen sich mit der Farbe Pink Assoziationen an einen Cadillac generieren.

Bau von Fahrrädern nach alten Plänen

Oft aus reinem Interesse an historischer Fahrradbaukunst, gibt es Menschen, die Fahrradmodelle originalgetreu nachbauen. Klassische Ausführungen, die sich mit modernen Fertigungsmethoden nicht mehr herstellen lassen, nehmen in den Werkstätten von Enthusiasten Gestalt an.

Einige Hersteller bieten auch den Nachbau von Fahrrädern nach alten Plänen an. Das so erzeugte Fahrrad könnte man dann als eine Art Replikat oder Neuauflage bezeichnen. Da dafür sehr viel Handarbeit notwendig ist, sind auch die Preise für so ein Fahrrad sehr hoch.

Andererseits geht auch die Renovierung eines alten Rades ins Geld. Der Zukauf von Originalteilen ist oft nur durch Bezahlung von Liebhaberpreisen möglich. Zudem ist die Verwendung von alten Teilen nicht ungefährlich. Manche Ermüdungserscheinungen des Materials sind nur für erfahrene Kenner ersichtlich.

Nachfrage nach alten Fahrrädern

Trotz der oben geschilderten Bedenken in Bezug auf alte Fahrräder, finden diese eine steigende Nachfrage. Manche Fahrradhändler mit angeschlossener Werkstätte haben sich daher auf den Ankauf und Verkauf von alten Fahrrädern spezialisiert. Vor dem Weiterverkauf werden diese fachgerecht restauriert und auf den neuesten Sicherheitsstandard gebracht.

Die Begründungen für den Kauf eines alten Fahrrades können vielfältig sein. Viele Interessenten für alte Fahrräder holen sich damit bewusst ein Stück Geschichte in die Garage. Die jeweilige Vorgeschichte eines Rades wird deshalb von verkaufstüchtigen Händlern eifrig dokumentiert und an den neuen Besitzer weitergereicht.

Der Besitzer eines Mountainbikes neuester Bauart sieht beim Partygespräch plötzlich ganz schön alt aus, wenn die Nachbarin erzählt, dass ihr neues Fahrrad in den 1940er Jahren zur Briefpostverteilung in den Schweizer Bergen verwendet wurde.

Manche möchten mit ihrer Fahrradwahl auch nur ein Statement gegen die moderne Konsumwelt abgeben. Neben den toll gestylten Rädern mit Carbon-Rahmen und funkelnden Scheibenbremsen sind die Waffenräder (die österreichische Lizenzversion eines englischen „Swift“-Rades) in dezentem Grün mit Felgenbremsen und massiven Sprungfedern unter den Sätteln oft die beeindruckenderen Hingucker.

Einige Käufer wollen einfach nicht auf die Vorzüge eines Fahrrades mit Stahlrahmen verzichten. Entgegen dem Trend zu Alu- und Verbundmaterialien beim Rahmenmaterial gilt Stahl für viele Enthusiasten als der einzig richtige Werkstoff im Rahmenbau. An alten Rädern sieht man deshalb oft nicht die Plakette des Herstellers, sondern das Markenzeichen einer auf die Fertigung von Stahlrohren spezialisierten Firma.

Manche Details an Retro-Fahrrädern beeindrucken auch überzeugte Nutzer von modernen Trekkingrädern und Urban Bikes. So waren früher einige Fahrradmodelle mit einem Tragriemen aus Leder über dem Tretlager versehen. Eine solche Einrichtung ist immer noch praktisch, wenn man das Fahrrad mal mit der Hand transportieren muss.

Retro-Fahrräder und die Sicherheit

Ein Fahrrad mit Geschichte ist nicht unbedingt das sicherste Fahrrad. Deshalb sollten beim Kauf eines alten Fahrrades die sicherheitsrelevanten Teile sorgfältig auf Vollständigkeit und auf Materialermüdung überprüft werden. Dazu gehören

  • die Bremsen
  • die Lichtanlage
  • der Rahmen im Allgemeinen
  • die Sattelstütze und der Fahrradlenker im Besonderen

Weiter sollte berücksichtigt werden, dass in den vergangenen Jahren zusätzliche Sicherheitseinrichtungen gesetzlich vorgeschrieben wurden, die es so im Baujahr der alten Fahrräder noch nicht gab. Dazu zählt beispielsweise die Ausstattung mit Reflektoren, die erst in moderner Zeit vorgeschrieben ist.

Veranstaltungen für Retro-Fahrräder

Ein historisches Rad will nicht nur gehegt und gepflegt, sondern auch präsentiert werden. Inzwischen hat sich eine Reihe von Veranstaltungen etabliert, bei denen sich Liebhaber von klassischen Fahrrädern mit ihren guten Stücken zum gemeinsamen Fahren treffen.

Als Beispiele seien hier die Velo Classico in Deutschland und die L’Eroica in Italien genannt. Natürlich lassen es sich die Teilnehmer bei diesen Veranstaltungen nicht entgehen, die Fahrten in passender Kleidung zu absolvieren. So dominieren bei diesen Events Woll-Trikots und Tweed anstatt Rennhosen und wasserabweisendem Spezialmaterial. Wem die Kleidung wichtigster Retro-Faktor und das Rad nur schmückendes Beiwerk ist, begibt sich gleich auf den jährlichen Tweed Run in London. Bei diesem sind Textilien aus dem frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts quasi Pflicht.

Resümee

Retro-Fahrräder sind eine interessante Möglichkeit, den modernen Alltag mit einem Tupfen Klassik zu versehen. Allerdings nimmt man damit auch den anderen Komfort der alten Modelle in Kauf. Für den Gebrauch im Straßenverkehr ist besonders wichtig, dass alle aktuellen Sicherheitseinrichtungen am neuen (alten) Fahrrad vorhanden sind und die eingebauten Teile sorgfältig auf Materialermüdung überprüft wurden.

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