Mehrere E-Scooter stehen nebeneinander
E-Scooter mieten oder kaufen? (Bild: terovesalainen - stock.adobe.com)

Tipps und Tricks

E-Scooter mieten oder kaufen?

Seit dem 15. Juni 2019 sind E-Scooter in Deutschland für den Straßenverkehr zugelassen. Entsprechende Verleihunternehmen standen zu diesem Zeitpunkt schon in den Startlöchern und machen es seither vielerorts möglich, E-Scooter zu mieten. In welchen Städten Sie E-Scooter ausleihen können, welche Anbieter es gibt, wie genau Sie einen E-Scooter mieten können, was es kostet und inwieweit Sie über den E-Scooter-Verleih versichert sich, erfahren, Sie in diesem Artikel.

E-Scooter mieten: In welchen Städten ist das möglich?

Der E-Scooter-Verleih in Deutschland beschränkt sich nicht nur auf Großstädte, auch in mittelgroßen und kleineren Städten wie beispielsweise Flensburg, Ingolstadt, Herne oder Gütersloh gibt es die Möglichkeit, einen E-Scooter zu mieten. In Ballungsgebieten wie Berlin ist die Zahl der verfügbaren Mietfahrzeuge logischerweise deutlich höher, insgesamt stehen in Deutschland geschätzte 30.000 Leih-E-Scooter bereit. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es in Ihrer Gegend einen E-Scooter-Verleih gibt, können Sie dies problemlos über das Internet oder direkt über die Webseiten der jeweiligen Anbieter erfahren: Zu den marktstärksten E-Scooter-Verleihfirmen in Deutschland gehören Circ, Lime, Tier Mobility und Voi.

E-Scooter mieten: Welche Voraussetzungen gibt es?

Selbstverständlich gelten auch dann feste Regeln, wenn Sie einen E-Scooter nur ausleihen. Sie dürfen das Fahrzeug nicht zu zweit nutzen, müssen Promillegrenzen beachten und sich auch sonst an die Verkehrsordnung halten. E-Scooter dürfen im Straßenverkehr nicht mehr als 20 Stundenkilometer schnell sein und ausschließlich auf Radwegen und Radstreifen genutzt werden. Sind diese nicht vorhanden, ist auf der Straße zu fahren, niemals jedoch auf Gehwegen. Umfassende Informationen zu geltenden Regeln finden Sie übrigens in unserem Beitrag E-Scooter-Gesetz – welche verbindlichen Regeln gibt es?.

Wichtig: Obwohl es theoretisch ab einem Alter von 14 Jahren erlaubt ist, mit dem E-Scooter durchzustarten, gilt das nicht, wenn Sie einen E-Scooter mieten möchten. Um einen rechtlich wirksamen Mietvertrag abschließen zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

E-Scooter mieten: Wie funktioniert das?

Im Prinzip ist es ganz einfach, einen E-Scooter per Smartphone zu mieten:

  • Die App des entsprechenden Anbieters auf dem Smartphone installieren
  • Registrierung beim E-Scooter-Verleih über die App, Wahl der Zahlungsmethode – in der Regel Kreditkarte, gelegentlich auch Lastschrift
  • Standorte der (nächstgelegenen) E-Scooter werden auf der App angezeigt.
  • Mieten können Sie das Fahrzeug, indem Sie den auf dem Scooter angebrachten QR-Code scannen oder die unterhalb des Codes vermerkte Nummer manuell eingeben.
  • Um die Ausleihe zu beenden, müssen Sie den E-Scooter abstellen und den Vorgang per App beenden. Manche Apps helfen Ihnen dabei, einen geeigneten Abstellplatz zu finden, manche Anbieter geben gekennzeichnete Flächen zum Abstellen vor – auf keinen Fall dürfen Sie den E-Scooter so parken oder zurücklassen, dass er andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet.

Vor dem Start sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse den Akku prüfen, da Sie diesen unterwegs nicht selbst aufladen können: Ein voller Akku bietet je nach Modell eine Reichweite von etwa 30 Kilometern.

E-Scooter mieten: Wie sieht es mit der Versicherung aus?

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Halter von E-Scootern eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen – das gilt auch für Unternehmen, von denen man E-Scooter leihen kann. Wenn Sie also einen E-Scooter mieten und mit dem Fahrzeug Sach- oder Personenschäden gegenüber Dritten verursachen, muss die Versicherung des Verleihunternehmens einspringen. Auf Schäden, die Ihnen selbst entstehen, erstreckt sich der Versicherungsschutz nicht: Hier ist Ihre Krankenversicherung oder, wenn vorhanden, Ihre private Unfallversicherung gefragt.

Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierte, wenden etliche E-Scooter-Verleiher unzulässige Haftungsregelungen an und wälzen Wartungs- und Inspektionspflichten auf die Nutzer ab. Sehen Sie sich sich die Mietbedingungen also am besten genau an, bevor Sie einen E-Scooter leihen.

E-Scooter mieten: Wie gut sind welche Anbieter?

Da die oben genannten Unternehmen die meisten E-Scooter in Deutschland im Verleih haben, konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf Circ, Lime, Tier Mobility und Voi: Das von Flash in Circ umbenannte deutsche Startup mit Zentrale in Berlin bietet momentan E-Scooter-Verleih in sieben Städten an. LIME, bzw. LimeBike, ist ein international tätiges, US-amerikanisches Unternehmen. In Deutschland kann man zurzeit in 15 Städten E-Scooter von LIME mieten. Tier ist ein Startup aus Berlin, das aktuell in 13 deutschen Städten E-Scooter-Verleih anbietet. Beim schwedischen E-Scooter-Verleih Voi können Sie gegenwärtig in 14 deutschen Städten E-Scooter leihen.

Vier E-Scooter-Verleiher im Test:

Mittlerweile sind einige Untersuchungen im Hinblick auf E-Scooter-Verleiher veröffentlicht worden, beispielsweise bei Chip und Stiftung Warentest. Im Zuge dieser Tests wurden unter anderem Fahrzeuge und Apps der oben genannten Unternehmen verglichen, wobei sich zusammenfassend feststellen lässt, dass alle Modelle und deren Handling Stärken und Schwächen aufweisen. Während Circ im Hinblick auf das Fahrgefühl nicht überzeugt, beispielsweise macht eine niedrige Lenkstange das Fahren für großgewachsene Menschen unkomfortabel, ist der Bremsweg mit 1,80 Metern angenehm kurz und die App wird für ihre Bedienerfreundlichkeit gelobt. Auch die Fahrzeuge von LIME begeistern nicht vollständig: Bemängelt werden vor allen Dingen Instabilität und Probleme beim Bremsen. Die LIME-App bietet eine Vielzahl von Informationen, ist aber etwas unübersichtlich. Bei der Rückgabe muss ein Foto des Scooters in der App hochgeladen werden. Die E-Scooter von Tier schneiden in puncto Fahreigenschaften am besten ab und auch die App lässt sich einfach installieren und bedienen. Allerdings werden Probleme beim Entsperren und bei der Rückgabe bemängelt. Auch beim E-Scooter-Verleih Voi gibt es Kritik: Die kleinen Räder schmälern das Fahrvergnügen, insbesondere bei Unebenheiten, und der Bremsweg ist mit mindestens 4 Metern eindeutig zu lang. Die App ist wenig bedienungsfreundlich, bei Rückgabe ist ein Schnappschuss des Scooters hochzuladen. Lobend erwähnt wird hier allerdings die ausgesprochen gute Lichtanlage.

E-Scooter mieten: Berechnung und Höhe des Mietpreises

Die Berechnungsmodelle der jeweiligen Anbieter sind relativ identisch: Pro Mietvorgang wird eine Grundgebühr erhoben, anschließend ist eine Minutenpauschale fällig. Die Preise selbst variieren, außerdem ist es häufig ortsabhängig, wie viel Sie pro Minute zahlen müssen, wenn Sie einen E-Scooter mieten. Im Folgenden finden Sie die Mietpreise von Circ, Lime, Tier und Voi:

  • Circ: Grundgebühr 1 Euro, Preis pro Minute 15 bis 20 Cent, Stundenpakete möglich
  • Lime: Grundgebühr 1 Euro, Preis pro Minute 20 bis 25 Cent
  • Tier: Grundgebühr 1 Euro, Preis pro Minute 15 bis 19 Cent
  • Voi: Grundgebühr 1 Euro, Preis pro Minute 15 Cent

Spätestens hier wird klar, dass es auf Dauer ein teures Vergnügen werden kann, einen E-Scooter zu mieten: Wenn Sie sich diesen beispielsweise in Hamburg ausleihen, zahlen Sie je nach E-Scooter-Verleih zwischen 2,50 und 3,50 Euro für eine zehnminütige Fahrt.

E-Scooter mieten oder kaufen: Was lohnt sich für Sie?

Ob es bei solchen Preisen für Sie rentabel ist, sich einen E-Scooter zu kaufen oder zu mieten, hängt von der Nutzungshäufigkeit ab: Möchten Sie den E-Scooter nur für gelegentliche Spaßfahrten nutzen oder als Pendler für den Weg vom Bahnhof bzw. Parkplatz zur Arbeit? Bei häufiger Nutzung ist es definitiv günstiger, sich einen eigenen E-Scooter zuzulegen. Auf jeden Fall macht es Sinn, sich vor einem solchen Kauf einige Male einen E-Scooter zu mieten, denn so können Sie beurteilen, welches Modell für Sie am besten geeignet ist – und ob Ihnen diese Form der Fortbewegung auf Dauer überhaupt zusagt.