Mensche sitzen vor Computer und programmieren Software
Mit ioBroker das Haus steuern (Bild: joyfotoliakid - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen

ioBroker: Smarte Haussteuerung zentral organisieren

Entsprechend viele Smart-Home-Lösungen und Anleitungen sind auf Deutsch verfügbar, was die Open-Source-Lösung gerade hierzulande so beliebt macht. Lesen Sie hier, was ioBroker auszeichnet, wie es sich von openHAB und Pendants unterscheidet und wie auch Sie die Automatisierung Ihres Zuhauses mit der Open-Source-Lösung voranbringen können.

Inhalt

Grundlegendes: Was ist ioBroker überhaupt?

ioBroker ist eine Plattform, die sich dem Internet of Things (kurz: IoT) verschrieben hat. Darunter versteht man die Infrastruktur einer digitalen Gesellschaft – und somit auch den Anwendungsbereich Smart Home. Was die Plattform und die deutschsprachige Community so besonders macht, ist die Fähigkeit, über ioBroker alle Smart Home- bzw. Internet-of-Things-Devices miteinander zu verbinden. Die Automatisierung und Steuerung einzelner Komponenten lässt sich über die Open-Source-Lösung schnell und einfach realisieren. So sind mitunter diese Smart Home-Gadgets steuerbar:

  • Licht
  • Thermostat
  • Rollladen
  • Überwachungskameras

ioBroker ist also eine Software-Lösung, die als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner zwischen den verschiedenen Einzelsystemen unterschiedlicher Hersteller fungiert. So wird die Software ein zentrales Steuerelement, mit dem sich alle einzelnen Devices verbinden lassen.

Die Geschichte hinter ioBroker: So geht Automatisierung

Benutzeroberfläche von ioBroker
Benutzeroberfläche von ioBroker (Bild: ioBroker)

ioBroker ist eine Open-Source-Softwarelösung und Weiterentwicklung des Projekts CCU.IO, das zu den erfolgreichsten Smart Home-Projekten der deutschen Automatisierungs-Community zählt. Seit dem Jahr 2014 wird ioBroker als überarbeitete Neuauflage beständig weiterentwickelt – und zeichnet sich durch eine enorme Leistungsfähigkeit aus. Diese übertrumpft auch das Vorgängersystem und ist nicht ohne Grund so beliebt.

Ähnlich wie FHEM und openHAB bzw. openHAB 2 bietet auch ioBroker schier unendliche Möglichkeiten. Denn: Mit einigen grundlegenden Programmierkenntnissen können Nutzer ihre individuelle Smart Home-Umgebung zusammenstellen. Anders als handelsübliche Smart Home-Zentralen ist das Open-Source-Projekt beliebig erweiter- und individualisierbar. So gelingt es jedem Technik-Enthusiasten, eine äußerst heterogene Infrastruktur zu schaffen, die zu den eigenen Vorstellungen passt. Doch auf welcher Technik basiert das System und welche Fähigkeiten sind notwendig, um die Programmierung der Automatisierung eigenständig durchführen zu können?

Automatisierung mit ioBroker: Die Technik dahinter

ioBroker ist eine Open-Source-Softwarelösung, die in JavaScript entwickelt und mit Node.js geschrieben wurde. Seine Stärke: Es trägt dazu bei, Automatisierungskomponenten unterschiedlichster Marken und Anbieter zentral zu steuern. Die Steuerung und die Automatisierung funktionieren also hersteller- und protokollneutral.

Schon im Basis-Setup bietet ioBroker über 100 Verbindungsmöglichkeiten zu intelligenten Lichtlösungen, Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik und Smart Home-Komponenten. Nicht zuletzt ein Grund dafür, dass ioBroker beim SmartHome Deutschland Award im Jahr 2017 den dritten Platz in der Kategorie „Bestes Produkt/beste Softwarelösung“ erreichen konnte.

Das kostenfreie Programm läuft auf Windows, PC, ARM, Rasperry Pi, Linux und OSX. Für den Betrieb der Software-Lösung sind keine leistungsstarken Geräte vonnöten – wie es beispielsweise bei der Bildbearbeitung der Fall ist. Der Arbeitsspeicher sollte für reibungsloses Funktionieren jedoch mindestens 1 GB betragen. Viel wichtiger als der Arbeitsspeicher ist aber das Zielbetriebssystem: Es muss zwingend Node.js unterstützen. Falls dies nicht der Fall ist, kann die Automatisierung mit ioBroker nicht durchgeführt werden.

Die Adapter: Interfaces zu Smart Home-Produkten

Benutzeroberläche mit Adapterübersicht von ioBroker
Benutzeroberläche mit Adapterübersicht von ioBroker (Bild: ioBroker)

Verbindungsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Smart Home-Komponenten werden bei ioBroker als „Adapter“ bezeichnet. Was analog klingt, ist eine modularisierte Lösung zum digitalen Andocken von Hardware- und Softwarekomponenten an ioBroker. Aufgrund der modularen Architektur können diese Adapter eigenständig entwickelt werden. Und das tut die wachsende Community auch.

Neben den bereits existierenden Adaptern kann jeder Anwender eigene Automatisierungs- und Interface-Möglichkeiten entwickeln. Dafür sind Kenntnisse in Javascript oder Node.js essenziell. Wer bestehende Adapter in ioBroker einbinden und lediglich abbilden möchte, kann sich selbst helfen: Zahlreiche Video-Tutorials und die Unterstützung der Community helfen auch Einsteigern, sich in der Welt von Smart Home und dem Internet of Things zurechtzufinden.

Den Überblick über die Automatisierung behalten: Die Visualisierung mit ioBroker

Benutzerübersicht ioBroker zu den Komponenten Sicherheit
Benutzerübersicht ioBroker zu den Komponenten Sicherheit (Bild: ioBroker)

Kommerzielle Smart Home-Zentralen sind in aller Regel über eine App mit dem eigenen Smartphone verbunden. Die Aufbereitung der Daten und die Steuerung der einzelnen Geräte sind intuitiv und übersichtlich in die mobile Anwendung integriert. Viele Smart Home-Zentralen ermöglichen auch eine Desktop-Ansicht am Laptop oder am Computer.

Die Visualisierung von Daten und Fakten rund um die Automatisierung wird in ioBroker über das Tool „VIS“ zur Verfügung gestellt. Damit hat der User unterschiedlichste Möglichkeiten:

  • Darstellung grafischer Verläufe (z. B. Luftfeuchtigkeit)
  • Einbindung von Live-Bildern (beispielsweise bei Überwachungskameras)
  • Abbilden aktueller Werte von Sensoren (z. B. Temperatur)
  • Integration der Alarmanlage

Der VIS-Adapter verfügt über vorgefertigte Bausteine, die es gerade technisch ungeübten Anwendern einfach machen, die Anzeige auf die eigenen Präferenzen abzustimmen.

Sobald der VIS-Adapter installiert ist, lässt sich die Smart Home-Steuerung auch auf dem Smartphone abbilden. Das gelingt mit der zugehörigen ioBroker-App, die für Android und iOS verfügbar ist. Außer der etwas komplexeren Anbindung gibt es kaum Unterschiede zu anderen zentralen Automatisierungs-Steuerungen.

ioBroker vs. openHAB: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Wer sich mit Open-Source-Lösungen rund um das IoT und Smart Home beschäftigt, stößt schnell auf drei Alternativen:

Doch wie unterscheiden sich die Plattformen und Communitys – und welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Sowohl openHAB als auch ioBroker setzen auf Java, allerdings haben sie nicht dieselbe Anbindung. Die beiden Systeme sind also nicht kompatibel. FHEM basiert auf der Programmiersprache PERL. Zahlreiche Nutzer heben als Stärke von ioBroker die Visualisierungsmöglichkeiten hervor. Da sich die Anzeige individuell gestalten und anpassen lässt, sind die eigenen Möglichkeiten vielfältig. Auch die große deutschsprachige Community ist ein Plus von ioBroker. openHAB punktet bei den Anwendern vor allem mit zahlreichen Anbindungsmöglichkeiten. Für (fast) alle Smart Home-Produkte gibt es mit openHAB hersteller- und protokollübergreifende Integrationsoptionen, meistens jedoch auf Englisch. Wer in der Welt der IT jedoch zu Hause ist, wird sich daran nicht stören. Ob es nun openHAB oder eine andere Open-Source-Lösung werden soll, hängt immer auch von den eigenen Präferenzen ab. Viele Anwender entscheiden sich erst nach einer längeren Testphase der einzelnen Systeme für eine finale Lösung für ihr intelligentes Zuhause.

Fazit: Mit ioBroker zur sukzessiven Automation

Wie andere Open-Source-Programme kann auch ioBroker mit schier unendlichen Personalisierungs-Optionen überzeugen. Die in der Community bereitgestellten Lösungen und die zahlreichen bereits existierenden Adapter ermöglichen eine individualisierte Infrastruktur – jedoch nur für all diejenigen, die bereit sind, Zeit zu investieren und sich Programmierfähigkeiten anzueignen. ioBroker ist ebenso wie openHAB und FHEM besonders für Technikaffine geeignet, die sich voll und ganz ihrem smarten Zuhause hingeben möchten. Wer jedoch mit handelsüblichen Standards leben kann und nur die eine oder andere Automatisierung in den eigenen vier Wänden durchführen möchte, profitiert von den smarten Standardlösungen. Diese sind einfacher im Handling, halten aber nur begrenzte Individualisierungsmöglichkeiten offen.