Kind auf dem Fahrrad mitnehmen
Kind auf dem Fahrrad mitnehmen (Bild: the_builder - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen Kind auf dem Fahrrad mitnehmen? So fahren Sie sicher

Fahrradfahren ist nicht nur clever, gesund und nachhaltig – das Zweirad kann auch als überaus praktisches Transportgerät für den Nachwuchs dienen. Wenn Sie Ihr Kind auf dem Fahrrad mitnehmen möchten, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Jedes System zum Kindertransport hat seine eigenen Vorteile, aber auch Schwachstellen. Weil das Thema Sicherheit bei der Entscheidung für eine der Transportvarianten wohl am wichtigsten ist, sollten Sie sich im Vorfeld über die für Ihre Anforderungen am besten geeignete Lösung informieren. Lesen Sie, worauf es beim Transport von Kindern auf dem Fahrrad ankommt und wie Sie mit Ihrem Sprössling auf Nummer sicher unterwegs sind.

Kind auf dem Fahrrad mitnehmen: Das sagt das Gesetz

Deutschland – Land der Fahrradfahrer. Rollten 2005 noch rund 12 Millionen Fahrräder auf unseren Straßen, waren es 2020 schon beachtliche 79,1 Millionen. Rein statistisch müsste damit nahezu die gesamte Bevölkerung zumindest zeitweise per Muskelantrieb fahren. Angesichts von automobilen Staus in den Großstädten und noch immer ungenügender ÖPNV-Infrastruktur in vielen ländlichen Regionen erfüllen Fahrräder eine immer wichtigere Funktion im Alltag. Doch was, wenn Töchterchen und Sohnemann in die Kita oder zum Arzt gebracht werden sollen? Geht das denn so ohne Weiteres auf dem Drahtesel? Die Straßenverkehrsordnung regelt den Personentransport auf dem Fahrrad folgendermaßen: Wer ein Kind auf einem Fahrrad, einem Lastenrad oder in einem Fahrradanhänger transportiert, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Transportiert werden dürfen Kinder bis sieben Jahren. Nun wird jede Familie ihre eigenen Vorstellungen hinsichtlich Fahrtzielen, Technik und Kaufbereitschaft von Systemen für den Kindertransport haben. Denn auch Kosten, Komfort und Sicherheitsversprechen der auf dem Markt befinden Transportmittel erfüllen unterschiedliche Wünsche und sind damit so individuell wie ihre Nutzer. Dies sind die gängigsten Systeme, wenn Sie Ihr Kind auf dem Fahrrad mitnehmen möchten:

Fahrradanhänger für Kinder: Kids in der Komfortzone

Aus dem Straßenbild sind sie nicht mehr wegzudenken – die keilförmigen Fahrradanhänger für Kinder, an denen meist fröhlich ein Wimpel flattert und auf die kleinen Passagiere hinweist. In Fahrradanhängern können auch durchaus zwei Kids gezogen werden, dazu ihre Spielzeuge, Nahrung und Wechselkleidung gleich mit. Platz ist genug vorhanden. Die schnittigen Kinder-Anhänger sind so konstruiert, dass sie der Witterung trotzen. Ihr Kind ruht während der Fahrt in einem Gurtsystem, Babys zudem in einer Babyschale oder einem speziellen Babyeinsatz, der dazugekauft werden kann. Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass Sie sich für ein Qualitätsprodukt mit stabilem Rahmen entscheiden, der im Fall des Falles ausreichend Schutz bietet. Die Anschaffung dürfte kostspieliger ausfallen als bei anderen Kindertransportsystemen, lässt sich aber wie ein guter Kinderwagen später auch aus zweiter Hand leicht verkaufen. Leisten Sie sich auch den Aufpreis für ein Federsystem. Die im Fahrradanhänger während der Fahrt nicht zu vermeidenden mechanischen Belastungen für ihr Kind können so um etwa die Hälfte reduziert werden.

💡 Gut zu wissen:

Fahrradanhänger sind verhältnismäßig sicher, flexibel und für Ihr Kind, das wie in einer Fahrradrikscha gezogen wird, überaus komfortabel. Dieser Umstand stellt allerdings auch gewisse Anforderungen an Ihr fahrerisches Können, an Ihre Kondition, aber auch an Ihr Fahrrad. Bevor Sie mit Ihrem Kind im Schlepptau losstrampeln, sollten Sie also sicherstellen, ob Sie auch über das passende Rad und die nötige Ausdauer verfügen.

Kind auf dem Fahrrad mitnehmen: Im Kindersitz auf Tour

Kind auf dem Fahrrad mitnehmen
Kind auf dem Fahrrad mitnehmen (Bild: MNStudio - stock.adobe.com)

Kindersitze auf dem Fahrrad schaffen einen direkteren Kontakt zum mitfahrenden Kind. Es sitzt entweder vor Ihnen in einem Kindersitz auf der Lenkerstange oder macht es sich in Ihrem Rücken auf dem Gepäckträger bequem. Ergonomische Rückenlehnen nehmen dort Ihr Kind gut auf und lassen es in geschützter Position am Verkehrsgeschehen teilnehmen. Kindersitze auf dem Fahrrad sind ohnehin für

Kleinkinder ausgelegt, die schon aus dem Babyalter raus sind und mit allen Sinnen die Fahrt mitverfolgen. Sie sollten in der Lage sein, aufrecht im Kindersitz Platz zu nehmen und angeschnallt mitfahren zu können. Das ist etwa ab einem Alter von einem Dreivierteljahr möglich. Wenn Sie Ihr Kind vorne auf dem Fahrrad mitnehmen, darf es nicht schwerer als 15 kg sein, hinten sind 25 kg Körpergewicht erlaubt.

💡 Gut zu wissen:

Anderes als im Fahrradanhänger zur Kinderbeförderung ist außer Ihrem kleinen Passagier auf dem Kindersitz kaum noch Platz für weiteres Transportgut. Sie können beim Fahren mit Ihrem Kind reden und – wenn es im Kindersitz auf der Lenkerstange mitfährt – auch Blickkontakt halten. Doch sollten Sie sich bewusst sein, dass dieses Kontakthalten auch ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr sein kann und Ihr Kind Ihnen ohnehin partiell die Sicht einschränken wird. Bei einem Sturz ist die Verletzungsgefahr wegen der relativen Höhe eines Fahrrads womöglich gravierender als im dahinschaukelnden Fahrradanhänger für Kinder. Kindersitze bewähren sich deshalb vor allem dort, wo Sie eine überschaubare, unkomplizierte Fahrtroute vor sich haben und Ihr Kind auf dem Fahrrad mitnehmen möchten.

Kind auf dem Fahrrad mitnehmen: Transport im Lastenrad

Sie sind das Trendmobil schlechthin – Lastenräder sind dann die erste Wahl, wenn regelmäßig Transporte in größerem Umfang angesagt sind. Einige bewältigen bis zu 200 kg. Ihr Kind dürfte also problemlos zusteigen können. Der Kindertransport in einem Lastenrad verbindet die Vorzüge des gut einsehbaren Kindersitzes auf der Lenkerstange mit der Bequemlichkeit des Fahrradanhängers. Dafür muss der Transportbehälter mit Babyschale bzw. Kindersitz und einem Gurtsystem ausgerüstet werden. Und wie in einem Fahrradanhänger für Kinder lassen sich auch Spielsachen, Kleidung und anderer Kinderkram mitführen – nur eben in Ihrem Sichtfeld. Und das gibt ein gutes Gefühl, wenn man den Steppke immer im Blick hat. Wenn Sie auf dem schweren Rad kraftsparend unterwegs sein wollen, lohnt sich die Anschaffung eines Elektro-Lastenrades.

💡 Gut zu wissen:

Lastenräder zum Kindertransport sind eine kostspielige Anschaffung. Der Kauf lohnt sich zumal dann, wenn Sie nicht nur Ihr Kind auf dem Fahrrad mitnehmen möchten, sondern für Ihr Lastenrad auch anderweitig gute Verwendung haben. Lastenräder gibt es klassisch einspurig und auch als dreirädrige Ausführung für anspruchsvolle Kurzstrecken-Fahrten. Eine weitere Variante ist der Backpacker, bei dem ein bis zwei Kindersitze am verlängerten Heck des Rades installiert sind. Dieses Lastenrad für den Kindertransport ist dann aber auch nur für diesen geeignet.

Kind auf dem Fahrrad mitnehmen: Im Nachläufer angehängt

Nachläufer oder Trailerbikes sind kleine Fahrräder für Kinder, die aber nicht eigenständig gefahren werden. Auf einem Nachläufer können Sie Ihr Kind auf dem Fahrrad mitnehmen, indem Sie dieses Anhänger-Fahrrad mittels Tandemdeichsel anhängen oder an der Sattelstütze festmachen. Anders als beim Fahrradanhänger kommt Ihrem Kind hier eine aktive Rolle zu. Es wird zwar „abgeschleppt“, muss aber auch selbst in die Pedale treten und sich wacker aufrecht im Sattel halten.

💡 Gut zu wissen:

Für den Nachläufer gilt: Da der Kindertransport auf dem Fahrrad nicht per Gurt gesichert ist, sollte Ihr Kind zumindest einen Helm tragen. Ein Trailerbike lässt sich gut mit einem Kindersitz auf Ihrem Fahrrad kombinieren. Das kleinere Kind sitzt direkt bei Ihnen auf dem Erwachsenenfahrrad, ein Kind ab etwa vier Jahren im Nachläufer. Sie sollten sich vor Fahrtantritt unbedingt überzeugen, dass Ihr Kind während der Fahrt nicht müde wird. Das wäre zu riskant. Wenn es aber mal nicht mitstrampeln mag, ist das kein Problem: Sie treten dann eben für beide.