Vollfederung am Fahrrad
Vollfederung am Fahrrad (Bild: Pixel-Shot - stock.adobe.com)

Tests und Empfehlungen

Vollfederung am Fahrrad

Radfahren ist gesund. Das trifft besonders zu, wenn man längere Strecken durch die freie Natur wählt. Dies trifft leider nicht zu, wenn man mit Rückenschmerzen, tauben Händen und verspannten Nacken nach Hause kommt. Was ist geschehen? Eventuell war das Rad für die Strecke zu wenig gefedert.

Probleme, die auf einem ungefederten Fahrrad auftreten können

Während der Fahrt mit einem ungefederten Fahrrad sind Rad und Fahrer verschiedenen Stößen ausgesetzt. Diese treten zum Beispiel bei einer Fahrt über eine Bordsteinkante oder beim Durchfahren eines Schlaglochs auf. Eine Dauerstoßbelastung stellen Fahrten auf einem Kopfsteinpflaster dar.

Diese Stöße wirken je nach gewählter Rahmengeometrie und eingestelltem Sattel mehr oder weniger stark auf den Körper ein. Hinzu kommt die eigene Sportlichkeit. Fehlt es an Muskelkontrolle und Kondition, wird den Stößen oft nicht genug aktiv durch eigene Bewegungen entgegengewirkt.

Was versteht man unter einer Vollfederung?

Unter einer Vollfederung versteht man die Federung sowohl des Vorderrades, als auch des Hinterrads. Die Sporthochschule Köln ermittelte, dass man mit einer Vollfederung 30% der während einer Radfahrt auftretenden Stöße auf die Wirbelsäule vermeiden kann.

Anforderungen an die Federung

Die Federung muss auf das eigene Gewicht und das der Ladung abgestimmt sein. Das gilt speziell für Federungen mit Stahlfedern oder Elastomeren. Für die richtige Auswahl eines gefederten Fahrrades bietet es sich an, eine Probefahrt mit Gepäck durchzuführen.

Beim Aufsitzen sollte der Federweg der Dämpfung etwa ein Viertel bis maximal ein Drittel ausgeschöpft werden. Gibt die Federung in einem größeren Ausmaß nach, passt sie nicht zum geladenen Gewicht.

Varianten bei der Federung in Bezug auf die Technologie

Bei der angewandten Technologie lassen sich drei Federmedien unterscheiden: Luftkammern, Stahlfedern und Elastomere.

Stahlfedern

Stahlfedern erinnern in ihrer Form am ehesten an das, was man sich als Laie unter einer Federung vorstellt. Tatsächlich sind sie auch weit verbreitet und deshalb auch relativ preiswert erhältlich. Allerdings fordert der Stahl sein Tribut: Diese Komponente am Fahrrad ist relativ schwer.

Elastomere

Die Elastomere sind ebenfalls relativ preiswert. Der Federweg ist allerdings begrenzt. Sie werden deshalb gerne in Kombination mit Stahlfedern eingesetzt. Sie helfen Gewicht zu sparen, sind aber kälteempfindlich: Je kälter es wird, desto härter werden sie.

Luftkammern

Die teuerste Lösung stellen Luftkammern dar. Diese lassen sich zwar ideal an das Fahrergewicht anpassen, sind aber mit den verbauten Dichtungen und Dämpfern technisch sehr aufwendig. Sie sind nicht so schwer wie Stahlfedern, allerdings funktionieren bei dieser Technologie kostengünstige Lösungen selten gut.

Die Rolle der Dämpfer

Das Fahren mit einem gefederten Fahrrad kann manchmal auch etwas nervend sein. Das Hindernis ist bereits überwunden, aber das Fahrrad wippt noch nach. Hier kann eine gute Dämpfung Abhilfe schaffen. Diese verhindert, dass eine Federung nach dem eigentlichen Stoß weiterwippt.

Die Federung direkt unter dem Gesäß

Eine Federungsmöglichkeit, die auch nachträglich eingebaut werden kann, findet in der Sattelstütze Platz. Eine Federstütze hilft hier allerdings nur zum Teil: Da die Sattelstütze aufgrund des Sitzrohrwinkels nicht genau senkrecht zum Boden steht, kann sie die Stöße nur zum Teil aufnehmen.

Abhilfe schaffen hier Parallelogramm-Sattelstützen. Durch die komplexe Vorrichtung nehmen sie Stöße so auf, wie sie kommen. Die Komplexität hat allerdings ihren Preis.

Argumente gegen eine Vollfederung

Als Argumente gegen eine Vollfederung werden gerne genannt:

Höhere Kosten

Die höheren Kosten lassen sich auch bei der Wahl einer günstigeren Federung nicht aus der Welt schaffen. Dem höheren Preis steht aber eine komfortablere Nutzung des Fahrrades gegenüber, vor allem wenn man Schwierigkeiten mit der Wirbelsäule hat.

Technische Komplexität

Die technische Komplexität ist ein Mitverursacher der höheren Kosten. Sie ist aber auch mitverantwortlich für das Problem, dass man sich für eine Federung schon beim Kauf eines Fahrrads entscheiden sollte. Das Nachrüsten ist nur in wenigen Fällen und meist mit erhöhtem Aufwand möglich.

Spezielles Fahrverhalten

Das spezielle Fahrverhalten wirkt sich zum Beispiel im häufigen Nachwippen bzw. in der reduzierten Kraftübertragung aus. Das Nachwippen kann man mit Dämpfern bekämpfen. Tatsächlich würde ein sportlicher Fahrer mit einer Starrgabel mehr Geschwindigkeit auf die Straße bringen. Entscheidet man sich für eine Vollfederung ist man aber eher jemand, dem schnelles Fahren nicht so wichtig ist.

Höheres Gewicht

Bei der Besprechung von Federungen wird sehr oft auf das Gewicht Bezug genommen. Hier muss man aber klar unterscheiden: Sprechen wir vom Gewicht des Fahrrads beim Tragen (über die Kellertreppe oder über das Geländehindernis) oder beim Fahren?

Beim Tragen des Fahrrads mag jedes zusätzliche Kilogramm auch eine zusätzliche Kraftanstrengung bedeuten. Beim Fahren hingegen muss das zusätzliche Kilogramm in Bezug auf das Systemgewicht betrachtet werden. Wiegen Mensch und Gepäck bereits über 100 kg, dann sollte ein zusätzliches Kg selbst beim Bergauffahren nicht „ins Gewicht fallen“.

Federungen geben im Laufe der Zeit ihre Funktion auf

Viele Fahrer schildern, dass die Federung mit der Zeit ihre positiven Eigenschaften verloren hat. Das hat sehr viel mit einer unterlassenen Wartung zu tun. Feuchtigkeit und feiner Staub reduzieren die Wirkung der Federung. Eine Federung sollte deshalb regelmäßig gewartet werden.

Resümee

Die Vorteile einer Vollfederung entfalten sich besonders bei Fahrern mit gesundheitlichen Problemen oder wenn das Rad für sehr stoß-intensive Geländefahrten genutzt wird. Interessiert man sich für den Kauf eines vollgefederten Fahrrades ist das zu erwartende Systemgewicht (Körpergewicht plus Ladegewicht) ein wichtiger Punkt beim Kaufgespräch im Fachgeschäft.

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