Ein Mann und ein Kind sitzen auf einem Tandem.
Ein Eltern-Kind-Tandem bietet einige Vorteile bei gemeinsamen Fahrradausflügen mit Kind. (Bild: www.vanraam.com)

Tests und Empfehlungen

Das Eltern-Kind-Tandem - gemeinsam sicher auf dem Fahrrad

Ein gemeinsamer Fahrradausflug mit den Kindern macht Spaß – und ist andererseits eine Herausforderung: Wie können Sie sicherstellen, dass gerade kleinere Kinder bei solchen Ausflügen unversehrt durch den Straßenverkehr kommen? Das Eltern-Kind-Tandem kann hier eine Alternative sein und macht selbst Straßen ohne Radwege für Familien gut befahrbar. Sie möchten wissen, was ein Eltern-Kind-Tandem überhaupt ist, welche Vor- und Nachteile ein Tandem für Eltern und Kind hat, worauf Sie hinsichtlich Fahrverhalten und Ausstattung achten sollten und welches Budget Sie einplanen müssen? In diesem Beitrag beleuchten wir für Sie alle relevanten Aspekte bezüglich des Fahrrad-Tandems für Kinder.

Eltern-Kind-Tandem: Hier sitzt ihr Kind in der ersten Reihe

Zwei Personen fahren auf einem Tandem.
Auf einem Eltern-Kind-Tandem haben beide Fahrer gute Sicht. (Bild: www.vanraam.com)

Beim herkömmlichen Tandem, über das wir Sie im Beitrag Tandem fahren informieren, übernimmt der Vordermann (Pilot) das Steuer, die hintere Person (Stoker) tritt lediglich in die Pedale. Beim Eltern-Kind-Tandem ist es genau andersherum: Um auf dem Tandem-Fahrrad das Kind im Blick zu haben und dem Nachwuchs gleichzeitig ein freies Sichtfeld zu ermöglichen, werden die Plätze beim Kindertandem entsprechend getauscht. So sitzt das Kind ohne Lenkfunktion vorne und die erwachsene Begleitperson steuert das Fahrrad vom hinteren Sitzplatz aus. Da das Kind höchstwahrscheinlich deutlich kleiner ist als der Erwachsene, wird die Sicht nach vorne für diesen nicht beeinträchtigt.

Eltern-Kind-Tandem: Verkehrserziehung leicht gemacht

Diese Sitzposition stellt einen der größten Vorteile des Eltern-Kind-Tandems dar: Das Kind bleibt ständig in Sicht- und Hörweite. Bei der Fahrt mit dem Kindertandem können Sie sich problemlos mit dem Kind unterhalten und sie beide nehmen die Strecke und alle Ereignisse der Fahrt gemeinsam wahr. Das erhöht nicht nur den Erlebnisfaktor und macht viel mehr Spaß – ein Eltern-Kind-Tandem eignet sich darüber hinaus perfekt zur Verkehrserziehung. Ganz nebenbei vermitteln Sie Ihrem Sprössling das richtige Verhalten an Ampeln, am Fußgängerüberweg und in unübersichtlichen Situationen und können auf dessen Fragen direkt antworten.

Eltern-Kind-Tandem: Zweirad oder Dreirad?

Das Eltern-Kind-Tandem gibt es sowohl in einer Zweirad- als auch in einer Dreiradvariante. Die Dreiradvariante bietet naturgemäß eine höhere Kippsicherheit, was zum Beispiel vor Ampeln eine wichtige Rolle spielen kann. An dieser Stelle möchten wir der Vollständigkeit halber auch kurz auf das Stufentandem eingehen. Dieses ist nicht im eigentlichen Sinne ein Tandem für Eltern und Kind, sondern eine Entwicklung aus dem Bereich der Reha-Technik. Der vordere Sitzplatz ist wie bei einem Liegerad gestaltet. Ein solches Stufentandem bietet zwei Vorteile: Es ist variabel nutzbar, da der vordere Platz auch für erwachsene Personen geeignet ist. Außerdem kann das Kind bei einem Stufentandem aufgrund seiner Liegeposition problemlos während der Fahrt ein Nickerchen machen.

Eltern-Kind-Tandem: optionale Eigeninitiative beim Pedalieren

In der Regel sind Tandems so konstruiert, dass beide Personen in die Pedale treten können beziehungsweise müssen. Bei einem Eltern-Kind-Tandem sieht das sinnvollerweise anders aus. Allerdings gibt es auch Modelle, die drei Schaltzustände hinsichtlich des Pedalierens ermöglichen:

  • Der Antrieb unter dem Kindersitz ist deaktiviert
  • Das Kind kann pedalieren
  • Das Kind muss pedalieren

Diese Optionen sind durchaus von Vorteil, wenn das Kind schon größer und kräftiger ist. Häufig sind etwas ältere Kinder nicht nur mit dem Kindertandem unterwegs, sondern können sich zudem bereits selbstständig auf dem Fahrrad fortbewegen. Dann bietet es sich an, dass Ihr Nachwuchs mitstrampeln darf – alles andere könnte sich unter Umständen als zu langweilig für das Kind gestalten.

Eltern-Kind-Tandem: gewichtige Mehrbelastung

Selber in die Pedale treten zu dürfen, ist nicht nur gut für das Kind, es entlastet auch die Begleitperson bei Touren mit dem Eltern-Kind-Tandem. Ein Kaufargument für herkömmliche Tandems ist, dass vier Beine mehr Energie auf die Tretkurbeln bringen, als das zusätzliche Gewicht der zweiten Person benötigt. Daraus ergibt sich auf ebenen Strecken mit einem Tandem ein leichteres Fahren als beim Solorad. Im Falle eines Fahrrad-Tandems mit Kindern als Beifahrer ist dies jedoch nicht der Fall. Die erwachsene Person sollte gründlich abwägen, ob sie das erhöhte Gewicht tatsächlich bewältigen kann. Bei Strecken, auf denen einige Höhenmeter überwunden werde müssen, sollten Sie deshalb auf eine ausreichende Gangvielfalt achten. Abgesehen von dem Gewicht, das Sie in Fahrt bringen müssen, sind auch das Leergewicht und die Sperrigkeit des Kindertandems unter Umständen von Nachteil – insbesondere dann, wenn Sie das Gefährt mit seinen 25 – 35 Kilogramm tragen müssen oder es mit Auto oder Bus und Bahn transportieren wollen. Und falls Sie mit mehr als einem Kind unterwegs sein möchten, ist der Transport in einem Kindersitz auf dem Gepäckträger nicht wirklich ratsam, da der Erwachsene das Hinterrad aufgrund der speziellen Rahmengeometrie bereits überdurchschnittlich belastet. Hier wäre ein zusätzlicher Kinderanhänger die erste Wahl, zumal viele Modelle sogar zwei Kindern Platz bieten.

Eltern-Kind-Tandem: Übung macht den Meister

Generell erfordert die spezifische Konstruktion eines Tandems erweiterte Fahrkenntnisse des Erwachsenen: Der Wendekreis ist größer, der Bremsweg länger. Darüber hinaus zeigt ein Tandem ein anderes Fahrverhalten, wenn Sie einmal alleine und ohne das zusätzliche Gewicht des Beifahrers unterwegs sind. Insbesondere die Bremsen verhalten sich je nach Anzahl der mitfahrenden Personen unterschiedlich. Bei einem Eltern-Kind-Tandem kommt hinzu, dass Ihr Nachwuchs sich nicht so berechenbar verhalten wird wie ein erwachsener Copilot – beispielsweise durch plötzliche Gewichtsverlagerung, wenn etwas Interessantes am Wegesrand auftauchen sollte. Daher bietet es sich an, zuerst einmal gemeinsam auf einem großen Parkplatz oder einem Feldweg zu üben, bevor Sie sich mit Tandem und Kind in den Verkehr stürzen.

Eltern-Kind-Tandem: Darauf sollten Sie achten

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, ein Eltern-Kind-Tandem anzuschaffen, sind folgende Punkte für Sie von besonderem Interesse:

  • Anschnallen, bitte!
    Konsequentes Anschnallen schützt Ihr Kind während der Fahrt mit dem Eltern-Kind-Tandem – deshalb sollte es mit komfortablen Gurten auf seinem Sitz gesichert werden können. Zusätzlich sollten auch die Füße an den Pedalen befestigt werden, um ein Abrutschen der Füße während der Fahrt zu vermeiden – wie Sie selbst sicherlich aus eigener Erfahrung wissen, ist es gar nicht so einfach, die Füße nach dem Abrutschen schnell wieder auf die sich weiterdrehenden Pedale zu stellen.
  • Zweibein-Ständer sorgt für Stabilität
    Durch das Zweibein steht das Rad auch dann sicher, wenn Sie selbst noch nicht aufgestiegen sind und das Eltern-Kind-Tandem in Balance halten können. Dank des stabilen Ständers haben Sie die Möglichkeit, Ihrem Nachwuchs in aller Ruhe beim Aufsteigen auf das Kindertandem zu helfen und ihn anschließend festzuschnallen.
  • Sehr praktisch: der mitwachsende Vordersitz
    Damit das Eltern-Kind-Tandem möglichst lange genutzt werden kann, sollte der Vordersitz so konstruiert sein, dass er mit dem Kind mitwächst und stufenlos verstellbar ist. Ebenfalls mitwachsen können sollten Lenker und Lenkervorbau.
  • Kleider machen Leute – und schützen vor Witterung
    Da Ihr Nachwuchs beim Eltern-Kind-Tandem nicht hinter Ihrem Rücken sitzt, sondern exponiert vor Ihnen, ist er weniger gut vor Witterungseinflüssen geschützt. Wenn Ihr Fahrrad-Tandem Kindern die Möglichkeit bietet, selbst in die Pedale zu treten, sorgt das zwar für innere Wärme, aber spätestens beim Einsetzen von Müdigkeit besteht auch die Gefahr der Abkühlung. Daher ist ratsam, bei Fahrten mit dem Kindertandem wetterfeste und atmungsaktive Kleidung für Ihren kleinen Beifahrer zu verwenden.

Eltern-Kind-Tandem: Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Eltern-Kind-Tandem steht auf einer grünen Wiese.
Das 2-Rad-Modell Kivo (Bild: www.vanraam.com)

Gleich vorweg: Ganz günstig ist ein Eltern-Kind-Tandem nicht. Beispielsweise von Van Raam kostet das Fahrrad-Tandem für Kinder als Modell Kivo 3.295 Euro, in der Dreirad-Version Kivo Plus 4.395 Euro. Ein kleiner Trost ist die Tatsache, dass die Nachfrage nach gebrauchten Kindertandems hoch ist – Sie können das Gefährt also auch gut weiterverkaufen, wenn Sie es nicht mehr benötigen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten Sie vor dem Kauf sicherstellen, dass Ihr Anbieter auch entsprechende Ersatzteile für Ihr Eltern-Kind-Tandem vorhält. Der Markt für diese Spezialräder ist sehr klein, daher sind auch viele Einzelteile eher Mangelware.

Eltern-Kind-Tandem: familienfreundlich und alltagstauglich

Ein Eltern-Kind-Tandem steht auf einer Wiese.
Das 3-Rad-Modell Kivo Plus (Bild: www.vanraam.com)

Bislang sind Kindertandems in Deutschland nicht sehr häufig vertreten – dabei bieten Sie eine Vielzahl an Vorteilen. Das Eltern-Kind-Tandem kann gemeinsame Fahrten zum Freizeiterlebnis machen, denn auch längere Touren in mäßig anspruchsvollem Gelände sind mit dem Tandem für Eltern und Kind kein Problem. In der Stadt haben Sie auf einem Tandem-Fahrrad für Kinder die perfekte Gelegenheit, Ihr Kind mit Verkehrsregeln und -situationen vertraut zu machen. Und wenn es auf dem Weg zum Einkauf, zur KiTa oder zur Schule einmal schnell gehen muss, sind Sie mit dem Mutter-Kind-Tandem (beziehungsweise Vater-Kind-Tandem) deutlich schneller unterwegs, als wenn Sie auf ein nebenherfahrendes Kind Rücksicht nehmen müssten. Am besten probieren Sie ein solches Tandem-Fahrrad mit ihrem Kind einfach einmal aus – in vielen größeren Städten wie Hamburg oder Berlin werden Kindertandems zum Verleih angeboten.

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