Person tippt auf faltbarem Smartphone
So stabil und fragil sind faltbare Smartphones (Bild: ra2 -stock.adobe.com)

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So stabil und fragil sind faltbare Smartphones

Auch wenn Sie bisher noch nie eins live gesehen haben, kennen Sie die sogenannten Foldables vielleicht schon aus dem Netz. Sie gelten als der Fortschritt schlechthin auf dem Smartphone-Markt und immer mehr Hersteller kündigen sie für ihre Produktpalette an. Zusammengefaltet sind Foldables kleiner und dicker als ein handelsübliches Smartphone und geöffnet erinnern sie stark an ein Tablet. Die Konzepte der Herstellern sind unterschiedlich: Manche klappen nach innen auf, andere nach außen. Allein schon der Gedanke an ein faltbares Smartphone in seiner ersten Gerätegeneration lässt vermuten, dass zumindest die Prototypen noch viele Kinderkrankheiten in der Hardware mit sich bringen. Welche Mängel es sind und welche Potentiale die Falt-Handys versprechen, verraten wir Ihnen hier. So viel lässt sich aber schon mal sagen: So fragil, wie man zunächst vielleicht meinen könnte, sind faltbare Smartphones gar nicht.

Kunststoff-Display von faltbaren Smartphones extrem kratzempfindlich

Kunststoff gilt im Vergleich zu anderen Werkstoffen als Alleskönner in der Smartphone-Industrie und wird von den Herstellern aufgrund von Flexibilität, Preis und Gewicht meistens bevorzugt. Wenn es um das Display faltbarer Smartphones geht, scheiden – zumindest aktuell noch – andere Materialien automatisch aus und Plastik macht die biegsame Displayabdeckung bei den derzeitigen Modellen überhaupt erst möglich. Leider hat das aber auch seine Nachteile. So ist der Bildschirm zum Beispiel deutlich anfälliger für Kratzer. Zwar wird er damit gleichzeitig resistenter gegen Brüche, aber schon ein paar Münzen in der Tasche oder der Schlüsselbund können viel schneller bleibende Spuren auf den rund 2.000 Euro teuren Geräten verewigen, als auf einem Smartphone mit Glasdisplay – ganz schön ärgerlich. Eine zusätzliche Schutzfolie existiert nicht, sie würde nämlich den Faltmechanismus beeinträchtigen.

Faltbare Smartphones mit großem Innendisplay besser geschützt

Die aktuellen Geräte unterscheiden sich in ihrer Falttechnik. Das Galaxy Fold von Samsung bietet im zusammengeklappten Zustand einen kleinen 4,6 Zoll Bildschirm außen und verbirgt das sensible Display mit der Kunststoffabdeckung gut geschützt im Inneren. Beim Huawei Mate X, aber auch beim eher unausgereiften Royole FlexPai dagegen ist es umgekehrt. Sind diese faltbaren Smartphones geschlossen, besteht ihr ganzer Außenkorpus aus einem einzigen Display. Und zwar genau aus dem kratzanfälligen Polymer-Kunststoff. Damit bietet sich nicht nur beim Transport, sondern alleine schon beim Ablegen auf jeder Seite massig Angriffsfläche für das Panel. Verschiedene Härtetests haben gezeigt, dass das vergleichsweise weiche Plastikdisplay bereits Schwierigkeiten damit hat, spitzen Fingernägeln standzuhalten. Hier müssen sich potentielle Nutzer also darauf einstellen, ihr faltbares Smartphone wie ein rohes Ei zu behandeln.

Faltbare Smartphones vielleicht bald mit Glas-Display

Was sich nach Ausreizen der physikalischen Gesetze anhört, ist in der Smartphone-Industrie schon längst Wirklichkeit. Das amerikanische Unternehmen Corning arbeitet bereits an einer Methode, faltbares Glas für das Display-Panel von Foldables zu entwickeln. Dass man Glas generell biegsam machen kann, bestätigte der Hersteller des populären Gorilla-Glases bereits. Doch in Kombination mit anderen Bestandteilen im Innenleben eines Smartphones funktioniert das in der Praxis aus physikalischer Sicht noch nicht. Zumindest nicht dann, wenn das Gerät dabei gleichzeitig eine akzeptable Schadenfestigkeit vorweisen soll. Und das ist den Nutzern hingegen sehr wichtig, so Corning. Damit das neuartige Hightech-Glas weich genug zum Biegen ist und hart genug, um einen Sturz zu überstehen, werde noch an der richtigen Zusammensetzung des Werkstoffs gearbeitet, so der Glashersteller.

Scharniere in faltbaren Smartphones überraschend robust

Faltbares Smartphone auf schwarzem Hintergrund
(Bild: kmls - stock.adobe.com)

Kaum sind die ersten faltbaren Smartphones auf dem Markt, kursiert in der Fachpresse und in Foren immer wieder die gleiche Frage: Wie stabil sind die Scharniere, von denen schließlich der ganze Faltmechanismus abhängt. Das Gerät von Samsung soll beispielsweise laut Hersteller mindestens 200.000 Mal auf- und zugeklappt werden können, ohne dass Probleme auftreten. Das macht immerhin eine Nutzungsdauer von über fünf Jahren, wenn man es täglich hundert Mal öffnen würde. Kein Wunder, dass im Internet ein Extremtest den nächsten jagt, um herauszufinden, wie schnell die Technik an ihre Grenzen stößt. Was überraschend ist: Die Ergebnisse ähneln sich alle mit ihren recht positiven Aussagen. Beim Auf-und Zuklappen halten die Foldables tatsächlich eine Menge aus und sind am Ende meist genauso funktionsfähig wie Geräte, die nicht so stark beansprucht wurden. Auch Stürze steckt das Galaxy Fold gut weg, vorausgesetzt die Schutzhülle ist dran. Sogar der unbekannte FlexPai von Royole hat einen Biegetest unerwartet gut überstanden. Durch stabile Gelenke und eine solide Verarbeitung überzeugt auch das Foldable von Huawei die Mehrheit der Tester.

Zukunftstauglich aber mit viel Verbesserungspotential

Trotz vieler bestandener Härtetests lässt sich bislang nur vermuten, als wie stabil sich die Geräte im Alltag und während einer gesamten Nutzungsperiode erweisen werden. Für dingfeste Aussagen über ihre Eigenschaften sind die faltbaren Smartphones noch nicht lange genug auf dem Markt. Foldables sind aber definitiv mehr als eine kurzweilige Hightech-Spielerei und haben Potential, sich langfristig als High-End-Smartphones zu etablieren, soviel steht fest. Großes Manko ist aber das sensible kunststoffüberzogene Display. Sollte dieses in Zukunft durch Glas ersetzt werden, wäre viel für die Strapazierfähigkeit getan. Wasser und Staub bilden einen weiteren Risikofaktor, hier müssen Nutzer noch vorsichtig sein. Wer sich bei den meisten handelsüblichen High-End-Geräten schon an die Wasser- und Staubresistenz gewöhnt hat, muss wissen, dass es sie bei den faltbaren Smartphones nicht gibt. Zumindest noch nicht.

Faltbare Smartphones sind dick aber stabil

Was die Optik und Größe im zusammengeklappten Zustand angeht, sind die faltbaren Smartphones noch recht gewöhnungsbedürftig und erinnern an ein Sandwich. Mit 11 mm Dicke beim Mate X beziehungsweise 17 mm beim Galaxy Fold müsste man sich auch im Alltag damit abfinden, es nicht wie ein iPhone schnell mal in die Hosentasche gleiten zu lassen. Dafür könnte sich die oft bemängelte Dicke der Geräte im zusammengeklappten Zustand aber in Sachen Robustheit als Vorteil erweisen. Verglichen mit einem großen und dünnen Tablet der letzten Generation dürfte es sich bei starker Krafteinwirkung weniger schnell verbiegen. Zum Beispiel dann, wenn es lose im Rucksack liegt.