iPhone mit Lightning-Kabel
Einheitliche Ladebuchsen für Smartphones (Bild: stock.adobe.com)

Technik News

Gibt es bald einheitliche Ladebuchsen für Smartphones?

Was früher der leere Tank im Auto war, ist heute ein aufgebrauchter Smartphone-Akku. Egal wohin wir gehen, wir haben die Akkuanzeige immer im Blick. Schließlich wollen wir vermeiden, unterwegs keinen Strom mehr zu haben, und tun alles dafür, dass unser Smartphone am Leben bleibt. Ohnehin schalten die wenigsten Menschen ihr Handy heutzutage noch aus. Somit gehört das Ladekabel zur Grundausstattung eines jeden Handys. Trotz der großen Vielfalt an Smartphones verwenden praktisch alle Handymodelle und Hersteller denselben Typ von Ladebuchse: USB-C. Nur Apple stellt mit dem Lightning-Anschluss eine Ausnahme dar – zumindest bis jetzt. Laut einer EU Vorgabe soll bald Schluss damit sein. Stattdessen sollen einheitliche Ladebuchsen für alle Geräte eingeführt werden. Wir verraten Ihnen, ob das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird und welche Auswirkungen dies auf Ihren Handygebrauch haben könnte.

Woran könnte das Vorhaben für einheitliche Ladebuchsen scheitern?

Die EU hat kürzlich bestimmt, dass Smartphones in Zukunft einheitliche Ladebuchsen bekommen sollen. Durch die Einführung eines Standards für alle Buchsen bzw. Ladekabel können Sie in Zukunft frei wählen, welches Handy Sie mit welchem Kabel laden. Auf diese Weise sollen Sie sich nicht mehr der Politik einzelner Konzerne, wie in diesem Fall Apple, unterwerfen müssen. Im Prinzip ist es ganz einfach: Die EU beschließt die entsprechende Vorgabe und die Unternehmen haben sich, zumindest auf europäischer Ebene, daran zu halten. Alles klar eigentlich – oder etwa doch nicht? Was in der Theorie einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis alles andere als simpel. Apple versucht, gegen die EU Richtlinie vorzugehen. Das Argument: Einheitliche Ladebuchsen für alle Smartphones seien innovationsfeindlich. Dadurch, dass von oben festgelegt wird, wie die Konzerne ihre Geräte zu fertigen haben, können die Unternehmen weniger kreativ arbeiten, so Apple. Die US-Firma befürchtet, dass ihre hauseigenen Ladegeräte durch einheitliche Ladebuchsen obsolet werden. Schließlich könnten Sie durch den EU Beschluss in Zukunft einfach auf Ladegeräte anderer Hersteller zurückgreifen, die ihre Ware um ein vielfaches günstiger anbieten. Apple versucht daher, den Beschluss auf rechtlicher Ebene zu verhindern. Ob dies gelingen wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt fraglich.

Drei Dinge, die Apple befürchtet

Dass es Apple ernst ist, einheitliche Ladebuchsen für alle Handys zu verhindern, zeigt sich in der Tatsache, dass das kalifornische Unternehmen eine offizielle Eingabe an die EU Kommission eingereicht hat.

1. Schaden für die Umwelt

In dem bereits Ende Januar übermittelten Schriftstück wird nicht nur davor gewarnt, dass einheitliche Ladebuchsen innovationsunfreundlich seien sondern zudem auch der Umwelt schaden würden. Inwiefern die Umwelt von der Umstellung von Apples Lightning-Anschluss auf die USB-C Buchse in Mitleidenschaft gezogen wird, hat Apple nachstehend ausgeführt. Das Unternehmen legt nahe, dass durch einheitliche Ladebuchsen alle Lightning-Buchsen und Kabel in Zukunft unbrauchbar wären und damit Elektroschrott produzieren würden. Laut Apple wurden in den vergangenen Jahren über eine Milliarde Geräte mit Lightning-Anschluss verkauft, die wiederum eine ganze Reihe an passendem Zubehör benötigen. Einheitliche Ladebuchsen würden all diese Handys, Kabel und Adapter unbrauchbar und damit zu einer Belastung für die Umwelt machen.

2. Nachteil für den User

Handy mit angeschlossenem Ladekabel
(Bild: stock.adobe.com)

Darüber hinaus würde Ihnen die Umstellung große Unannehmlichkeiten bescheren. Was Apple genau damit meint ist fraglich. Schließlich zielt die EU Vorgabe darauf ab, Sie beim täglichen Handygebrauch zu entlasten. Sie hätten es in Zukunft einfacher. Möglich ist, dass Apple plant, seine Geräte durch die Zwangsumstellung der Ladebuchsen teurer zu machen. Es bleibt jedoch offen, ob dies nicht mehr dem Unternehmen selbst schaden würde als Ihnen. Unter Umständen greifen Sie künftig einfach auf ein günstigeres Produkt zurück, als weiterhin die möglicherweise im Preis gestiegenen Apple Handys zu kaufen. Der einzige Nachteil für Sie wäre dann, dass Sie statt ein iOS-Gerät zu nutzen, das Sie bislang gewohnt waren, in Zukunft zur Konkurrenz greifen und sich auf einem Android-Gerät zurechtfinden müssen.

3. Mehr Kosten für Apple

Zuletzt befürchtet das US Unternehmen, dass künftig unnötige Kabel und Adapter mitgeliefert werden könnten, was nicht nur zu Elektroschrott führe, sondern auch zu finanziellen Nachteilen für Apple. Die Produktion und der Versand von (obsoleten) Ladekabeln kostet schließlich Geld. Einfach ausgedrückt befürchtet Apple einen Schaden für die Umwelt, Probleme für die User und finanzielle Verluste für sich selbst. Wie erwähnt, würde die Umstellung auf einheitliche Ladebuchsen zumindest für Sie alles andere als ein Problem bedeuten. In Zukunft wären Sie nicht mehr auf Apples hauseigene Lightning-Kabel angewiesen. Ein 0,5m langes Apple Ladekabel kostet im Apple Store immerhin noch 25 Euro. Die USB-C Variante gibt es im Internet hingegen bereits ab sechs Euro.

Werden einheitliche Ladebuchsen bald Realität oder doch nicht?

Ist es trotz des Widerstands von Apple realistisch, dass Smartphones in Zukunft einheitliche Ladebuchsen bekommen? Die kurze Antwort: Wahrscheinlich ja. Die lange Antwort: Obwohl sich Apple augenblicklich weigert, die EU Vorgabe zu befolgen und einheitliche Ladebuchsen zu verwenden, gehört das Unternehmen zu den Unterzeichnern des sogenannten MoU ("Memorandum of Understanding“, zu Deutsch eine Absichtserklärung). In diesem Dokument haben Apple, Google, Samsung, Lenovo, Motorola, Sony und LG Anfang 2018 erklärt, sich freiwillig zu verpflichten, USB-C als einheitlichen Ladestandard zu verwenden. Angedacht ist, dass die Umsetzung spätestens 2021 geschehen soll. Einen kleinen Schritt in diese Richtung hat Apple bereits unternommen: In der neuesten Generation seines iPads Pro befindet sich ein USB-C- anstelle eines Lightning-Anschlusses. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Apple in seine neuen Geräte ebenfalls einen USB-C-Anschluss verbaut. Die Selbstverpflichtung wäre auch erfüllt, wenn Apple zum iPhone künftig ein entsprechendes Netzteil oder einen Adapter dazulegen würde. Bereits 2009 hat sich Apple bereit erklärt, den USB-C-Standard zu unterstützen. Außer mitgelieferten Adaptern hat sich bis heute aber nur wenig getan. Es bleibt also abzuwarten, wie ernst es Apple mit der Umsetzung seiner selbst gesteckten Ziele ist. Der EU geht das Memorandum sichtlich nicht weit genug - wie sich der aktuelle Streit entwickelt, bleibt damit zunächst offen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Laut Insiderkreisen testet Apple zurzeit ein iPhone mit USB-C-Anschluss. Das Entwicklerteam des kalifornischen Unternehmens setzt sich also bereits mit der Technologie auseinander. Es bleibt damit wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es einheitliche Ladebuchsen in allen Smartphones gibt.