Smartphone und Laptop mit Huawei und Harmony OS Logo auf den Screens
Huawei Handys ohne Gogle (Bild: THAM KEE CHUAN - stock.adobe.com)

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Ab sofort kommen Handys von Huawei ohne Google

Es scheint schon merkwürdig, was da hinter den Kulissen geschieht. Eigentlich möchten Sie sich nur ein neues Smartphone von Huawei zulegen, müssen plötzlich aber feststellen, dass das Gerät ohne Google Dienste ausgeliefert wird. Im Hintergrund steht der Spionageverdacht gegen die chinesische Regierung. Diese, so die Befürchtung, wolle über Huawei Smartphones ahnungslose Nutzer aushorchen. Vor Sorge, dass sich dieser Verdacht erhärten könnte, hat die US-Regierung 2019 beschlossen, dass Google (ein US-Konzern) keine Geschäfte mehr mit Huawei machen darf. In der Folge werden von nun an Smartphones von Huawei ohne Google auf den Markt gebracht. Was bedeutet das für Sie? (Wie) lässt sich ein Handy ohne den Google Play Store, Gmail und alle weiteren Google Programme verwenden? Sollten Sie bei der Smartphone Nutzung besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen? Wir geben die wichtigsten Antworten.

Diese Folgen hat es, dass Handys von Huawei ohne Google erscheinen

Einigen US-amerikanischen Firmen (wie Google) war es bis kürzlich per Ausnahmegenehmigung möglich, weiter, wenn auch eingeschränkt, mit Huawei zu kooperieren. So wurden die Handys Huawei P30 (Pro) und das Mate 20 (Pro) trotz des Banns mithilfe von Sonderlizenzen mit Google- bzw. Android Updates versorgt. Huawei hat beim Start des Boykotts ein Versprechen veröffentlicht, indem sich der Konzern dazu verpflichtet hat, alle Handys, die vor dem Embargo (also nicht das Mate 30 und P40) released wurden, weiterhin mit notwendigen Updates zu versorgen. Die Aktualisierungen wurden direkt von Google bezogen und dann über das sogenannte Android Open Source Project zur Verfügung gestellt - hierbei handelt es sich einfach ausgedrückt um ein Open Source Betriebssystem von Google. Die Regelung mit Sonderlizenzen ist nun jedoch erloschen. Was bedeutet dies für Ihre Smartphone Nutzung, dass alle Handys von Huawei ohne Google auf den Markt kommen? Laut Huawei will das Unternehmen auch weiterhin auf das Android Open Source Project setzen und Ihnen über diesen technischen Umweg alle wichtigen Updates zu Verfügung stellen. Ob dies gelingt, ist fraglich. Ohne die bislang erteilte Ausnahmeregelung ist Huawei nämlich ausschließlich auf das Android Open Source Projekt (AOSP) angewiesen.

Diese Schwierigkeiten stehen Huawei aktuell bevor

Die Herausforderung, der Handys von Huawei ohne Google gegenüberstehen, sind vielfältiger Natur. Im Prinzip sind sie einfach erklärt: Mit dem Aus der Sonderlizenzen kann Huawei alle Updates für Ihr Huawei Smartphone nicht mehr direkt von Google beziehen. Dank der zuvor geltenden Regelung hatte Huawei ein rechtliches Schlupfloch gefunden, den in Kraft getretenen Bann vorübergehend zu umgehen. Dies ist nun vorbei, stattdessen bekommt Huawei die entsprechenden Aktualisierungen von Google erst dann zu Gesicht, wenn sie im Android Open Source Projekt zur Verfügung stehen. Während der Sonderlizenzen waren die System- und Softwareupdates zwar ebenfalls im AOSP zu finden. Dadurch, dass Huawei nun aber darauf angewiesen ist, sie aus dem Android Open Source Projekt zu beziehen, liegen dem Unternehmen keinerlei Vorabinfos darüber vor. Huawei kann sich also erst damit auseinandersetzen und sie für Sie, den User, nutzbar machen, nachdem sie im AOSP gelandet sind. In der Folge kann es beträchtlich länger dauern als bisher, bis Software- und Sicherheit-Aktualisierungen für Ihr Huawei Smartphone zur Verfügung stehen. Das heißt: Ihrem Gerät fehlen für eine gewisse Zeitspanne notwendige Sicherheits-Patches und weitere relevante Updates, die dafür sorgen, dass ihr Smartphone nicht nur in puncto Software, sondern vor allem im Bereich der Sicherheit auf dem neusten Stand bleibt.

Mit diesen Risiken müssen Huawei Geräte außerdem rechnen

Android Figur steht neben Smartphone mit Huawei Logo auf dem Display
Huawei ohne Google (Bild: prima91 - stock.adobe.com)

Die Verspätung der Updates und Sicherheits-Patches macht sich auch beim Betriebssystem selbst bemerkbar. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Geräte von Huawei ohne Google länger auf Android 11 warten müssen. Das ist zum einen ärgerlich, da Sie nicht sofort die neuste Version des Betriebssystems nutzen können. Zum anderen hat dies zur Folge, dass Änderungen bei Android 11 (sollten Sie es letzten Endes auf ihrem Smartphone haben) nicht sofort in Kraft treten können. Modifikationen bei Gmail, Drive und Co. müssen nämlich zunächst von Google für den jeweiligen Hersteller zertifiziert werden. Dies ist Google mit dem Ende der Sonderlizenzen aber nicht mehr möglich. Somit werden die alten Versionen Ihrer Google Apps auch nicht mehr erneuert. Im Endeffekt steht damit die sogenannte „SafetyNet“-Attestierung auf der Kippe. Dieser Service von Google wird auf Android Geräten installiert und soll dafür sorgen, dass kritische Applikationen, wie z.B. Banking- und Bezahl Apps, vor Missbrauch geschützt werden. SafetyNet ist einfach ausgedrückt eine Sicherheitsgarantie, dass Sie via Smartphone finanzielle Transaktionen durchführen können, ohne befürchten zu müssen, dass Sie Opfer eines Hackerangriffs werden. Sollte SafetyNet für Smartphones von Huawei ohne Google wegfallen, könnte Sie in Zukunft keine Banking- und Bezahl Apps mehr nutzen.

Huawei ohne Google – Der Anfang wurde letztes Jahr gemacht

Wenn über den China-Bann und Smartphones von Huawei ohne Google gesprochen wird, hilft es sich der zeitlichen Abfolge dieses politisch-technischen Vorgangs bewusst zu werden. Als der Boykott letztes Jahr in Kraft trat und Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt wurde, war es nämlich keinesfalls so, dass Smartphones von Huawei ohne Google sofort Realität wurden. Zunächst war es allen aktuellen Huawei Geräten nicht mehr möglich, Google Updates zu erhalten. Soll heißen: Sowohl Aktualisierungen zu bestehenden Google Apps, wie z.B. Gmail, waren ab sofort nicht mehr möglich als auch Updates für das Android Betriebssystem, das ebenfalls zu Google gehört. In der Folge blieben alle Google Apps auf demselben Stand wie bei Inkrafttreten des Banns, zudem blieben wichtige Sicherheits-Patches für Android aus. In der Konsequenz gab es also weniger Service und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Der Google Play Store stand jedoch weiterhin zur Verfügung, wenn auch ohne Google Apps. Um diesen Umstand zeitnah zu begegnen, hat Google (wie oben erwähnt) Sonderlizenzen erhalten, unter denen es weiterhin mit Huawei kooperieren konnte. Wenn Sie mehr über die Folgen des schrittweise eingeschränkten Supports von Huawei Phones wissen möchten, dann klicken Sie hier.

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