Menschen auf einer Messe
gamescom 2017: zwischen Werbung und Begeisterung (Bild: rcfotostock - stock.adobe.com)

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gamescom 2017: zwischen Werbung und Begeisterung

„Die gamescom ist ein starker Pfeiler in der Innovationsbranche.“ So eröffnete erstmalig Bundeskanzlerin Angela Merkel die erfolgreichste gamescom überhaupt. Mehr als 350.000 begeisterte Besucher liefen vom 22. bis zum 26. August über gewohnt bunte, verspielte und faszinierende Messestände. Die Spielemesse hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker im Meinungsbild etabliert und das Image der „Killerspiele“-Messe abgelegt. Sie ist immer noch die Quelle von Spiel, Spaß und Schlafentzug. Mehr Aussteller präsentierten auf deutlich mehr Fläche als in den Vorjahren und über 150 Spitzenpolitiker waren letzte Woche in Köln. Auch diese Zahlen zeigen das starke Wachstum der Messe, das längst die IFA in Berlin und die CeBIT in Hannover in den Schatten stellt.

Von verspielter Comic-Grafik bis zu fotorealistischen Szenen

Das Motto der diesjährigen gamescom „The Heart of Gaming“ betonte auch den Fokus auf die E-Sport-Szene. So durfte natürlich auch dieses Jahr bei der Wahl der Spiele viel erwartet werden. Das traf für PVP-Spiele (Player vs. Player) sowie Rollen- und Actionspiele gleichermaßen zu.

Klassiker wie „Call of Duty“ oder „STAR WARS Battlefront II“ waren selbstverständlich vertreten – und auch „FIFA 18“ reihte sich gut ein. Die großen Spielereihen machten aber nur die Spitze des Eisberges aus. So fanden sie nicht einmal in den Ankündigungsvideos von zum Beispiel Gronkh ihren Platz.

Die Begeisterung galt eher Spielen wie „Metroid Exodus“ oder auch „Ark: Survival Evolved“. Grafischen Meisterwerken, bei denen nicht mehr zwischen Realität und Virtualität unterschieden werden kann, standen waschechtem Comicdesign von Spielen wie „Ni No Kuni 2“ und „Super Mario Odyssey“ gegenüber.

Mehr als in den Jahren zuvor legten die Entwickler Wert auf Atmosphäre, Emotionen und filmreife Musik. Die Messe war in Teilen ein Erlebnis, so wie immer. Highlight auch von den DoktorFroid-Jungs war das Action-Adventure „Detroid: become human“, das in 2018 erscheinen soll.

Abverkauf statt Vorschau: Es mangelt an Spielen

Einen Dämpfer gab es trotzdem – zumindest von den großen Entwicklerstudios. Wer die Hallen genauer unter die Lupe nahm, vermisste Spielankündigungen wie „Spiderman“ oder „Days gone“.

Mircrosoft, Sony und andere Publisher verzichteten fast komplett auf die Präsentation von Spielen, die zu weit in der Zukunft lagen. Plakate oder Banner mit Ingame-Screenshots suchte man vergeblich. Stattdessen erschien die gamescom wie eine reine Werbeshow von Titeln, die im Herbst oder Winter hohe Abverkäufe erzielen müssen.

Natürlich war das aber nicht überall der Fall: In Halle 10.1, gaben Entwickler von Indie-Games gewohnt detailverliebte Instruktionen an die begeisterten Gamer. Hier wurde Nähe großgeschrieben und Begeisterung von Menschen weitergegeben, die die Spiele selbst programmiert haben.

Virtual Reality als besonderes Erlebnis

Person bedient Lenkrad
(Bild: Peter Kalmar - stock.adobe.com)

Wo, wenn nicht auf der gamescom in Köln, sollte die VR-Brille immer wieder ihren Höhepunkt finden? Richtig, nirgends. So konnte von Shootern über Rennspiele bis zum Achterbahnfahren durch Meereslandschaften alles in fast 4D erlebt werden.

Die VR-Brille war zudem eine ganz angenehme Abwechslung vom ungewohnten Anblick der Stände. Wurde nicht gerade ein Spiel präsentiert, gab es hier nur eins zu sehen: Freifläche. Die Spiele selbst wurden in „bunkerähnlichen“ Bereichen gezeigt. Wer selbst spielen wollte, musste sich auf lange Wartezeiten einstellen. Sogar etwas mehr als in den Jahren davor.

Der Wunsch nach mehr

Abschließend, und um es mit den Worten von David Hain zu sagen, ist die gamescom jedes Jahr der Ausnahmezustand. Für Zuschauer, für Fans, für YouTuber und für die Publisher.

Trotz und gerade wegen des kontinuierlichen Zulaufs darf dabei aber eins nicht vergessen werden: Das verspielte, die Persönlichkeit und die Community brachten und bringen ihren Erfolg. Dieses Feeling und den Enthusiasmus braucht die gamescom. Vor allem, wenn der Hype anhalten soll, den es seit Jahren gibt.

Die Publisher müssen sich ein Beispiel an den Indie-Entwicklern nehmen, die ihre Ideen präsentieren. Niemand will Teil 2, Teil 4 oder Teil 631. Lasst die Messe nicht zu einer Werbeshow verkommen. Öffnet die Stände und zeigt auch mal wieder Spiele, die keine Abverkäufe erzielen müssen. Bringt den großen Spaß an den Spielen wieder zurück, wo er hingehört: nach Köln auf die gamescom.