Hand hält Führerschein in Auto
Welche Voraussetzungen braucht ein digitaler Führerschein? (Bild: Peter Maszlen - stock.adobe.com)

Neuerscheinungen Digitaler Führerschein - ab sofort auf Ihrem Smartphone

Autofahren ist doch etwas Schönes. Weite Straßen, die sich durch die Natur schlängeln und die Freiheit, immer und überall hinfahren zu können. Mit dieser romantisierten Vorstellung hat das Autofahren von heute wenig gemeinsam. Überfüllte Städte, Klimabelastung und ein Land, das der Digitalisierung hinterherhinkt - gerade beim Thema digitaler Führerschein. Lange ist es her, als ein digitaler Führerschein von der Bundesregierung das erste Mal ins Spiel gebracht wurde. Während andere Länder den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft haben, wurde hierzulande immer noch über Gesetze und Richtlinien debattiert. Nun soll ein digitaler Führerschein tatsächlich Realität werden. Das Projekt steht in den Startlöchern und ist bereits jetzt nutzbar - wenn auch nicht in vollem Umfang. Wir verraten, was das bedeutet, wie Sie das digitale Dokument bekommen können und was Sie außerdem dazu wissen müssen.

Welche Voraussetzungen braucht ein digitaler Führerschein?

Was braucht es, damit ein digitaler Führerschein in Zukunft auch auf Ihr Gerät kommt? Nicht viel. Zunächst bedarf es eines modernen Smartphones. Hierzu zählen auch Handys, die über fünf Jahre alt sind. Das Bundesverkehrsministerium spricht zwar von “modernen Smartphones”, gemeint sind aber eigentlich ganz normale Handys. Darüber hinaus benötigen Sie einen gültigen Personalausweis (diesen sollten Sie übrigens grundsätzlich mit sich führen und nicht nur, wenn ein digitaler Führerschein auf Ihr Handy soll). Zudem muss auf Ihrem Perso auch die Online Funktion aktiviert sein. Ein alter “Lappen” von früher tut es leider nicht.

Die aktivierte Online-Funktion ermöglicht es, den Perso auch digital zu nutzen und nicht - wie bisher - nur analog. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob bei Ihrem Perso diese Funktion aktiviert ist, können Sie sich die kostenlose App “AusweisApp2” herunterladen, damit lässt sich dies leicht feststellen. In der Regel ist das Feature aber aktiv, sobald Sie Ihren Perso vom Bürgeramt abgeholt haben. Zudem brauchen Sie die App “ID Wallet”. Mit dieser können Sie den digitalen Führerschein auf Ihr Smartphone ziehen. (In der App lässt sich übrigens auch der Personalausweis selbst hinterlegen.)

Damit dies gelingt, brauchen Sie Ihren Perso mit aktivierter Online Funktion. Zusätzlich benötigen Sie die Geheimzahl, die Sie beim Erhalt des Persos bzw. beim Aktivieren der Online Funktion erhalten haben. Wenn Sie die Geheimzahl in der App eingegeben haben, wird die Anfrage an das Kraftfahrtbundesamt weitergeleitet und ein digitaler Führerschein auf Ihr Smartphone übertragen. Der Haken an der Sache: Kurz nach dem Start von ID Wallet ist die App wieder aus den Stores verschwunden. Aktuell ist sie weder im Google Play noch im App Store zu finden. Die Applikation soll in den kommenden Wochen aber wieder zur Verfügung stehen.

Ein digitaler Führerschein für alle? Jein, zumindest ein bisschen

Hand hält Smartphone im Auto
Digitaler Führerschein - andere Länder sind uns weit voraus (Bild: s-motive - stock.adobe.com)

Die gute Nachricht zuerst: Ein digitaler Führerschein kann ab sofort genutzt werden. Wenn Sie das Dokument auf Ihrem Telefon führen möchten, können Sie dies jetzt tun. Dies hat das Bundesverkehrsministerium im September dieses Jahres verkündet. Nun zur schlechten Nachricht: Auch wenn sich ein digitaler Führerschein auf Ihrem Gerät befindet, können Sie damit relativ wenig anfangen. Was bedeutet das genau? Das Kraftfahrtbundesamt, das für die Ausstellung des digitalen Führerscheins verantwortlich ist, schreibt in seinen Nutzungsbedingungen, dass ein digitaler Führerschein aktuell noch kein vollwertiger Ersatz für einen “echten” Führerschein ist.

Für den digitalen Führerschein fehlt die rechtliche Grundlage

Hierzu fehle aktuell noch die rechtliche Grundlage. Auf EU-Ebene wird gerade daran gearbeitet, das Dokument auch im Alltag gültig zu machen. In der Praxis bringt Ihnen das Dokument also noch relativ wenig. Das heißt für Sie: Abwarten und Tee trinken. Hinter den Kulissen wird trotzdem schon einmal an Applikationen gearbeitet, die den täglichen Einsatz des digitalen Führerscheins möglich machen sollen. Aktuell entwickelt das Bundesverkehrsministerium zusammen mit BMW und Sixt entsprechende Apps. Diese sollen in den folgenden Monaten zum Einsatz kommen. Nicht ganz klar ist, warum die offizielle ID Wallet App, die extra für den digitalen Führerschein entwickelt wurde, dazu nicht ausreicht. Zudem bringen auch die Apps von BMW und Sixt relativ wenig, wenn die rechtliche Grundlage dafür fehlt.

Was für Vorteile bringt ein digitaler Führerschein?

Sollte ein digitaler Führerschein tatsächlich Realität werden, kommen damit natürlich eine ganze Reihe von Vorteilen. Noch-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagt hierzu: „Der digitale Führerschein hat das Potenzial, den Alltag von Autofahrern deutlich zu erleichtern.“ In der Praxis könnte so eine aufwendige Video-Überprüfung des Führerscheins etwa für Car-Sharing oder bei Mietwagen-Anbietern überflüssig werden. Stattdessen zeigen Sie einfach Ihren digitalen Führerschein - und fertig. In Kombination mit dem anderen (ebenfalls schleppend vorankommenden) Projekt des digitalen Persos würde das Ausweisen in Zukunft viel einfacher werden.

Mithilfe eines digitalen Personalausweises ließe sich künftig ganz einfach in Hotels ein kontaktloser Check-in nutzen, ohne dass Sie zur Feststellung Ihrer Identität an der Rezeption vorbeischauen müssten. Ihr Smartphone könnte in diesem Szenario auch als digitaler Schlüssel dienen, um das Hotelzimmer zu öffnen. Übrigens: Seit Mitte Mai läuft dazu ein Pilotprojekt der Bundesregierung mit der Deutschen Bahn, der Lufthansa, Bosch und BWI, dem IT-Dienstleister der Bundeswehr. Zusammengefasst: Die Vorteile, die ein digitaler Führerschein bringen kann, liegen auf der Hand. Wie so oft hapert es vor allem an der Umsetzung. Sowohl auf technischer Ebene als auch in puncto Gesetzgebung gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

Digitaler Führerschein - andere Länder sind uns weit voraus

Wie kommt es, dass wir hierzulande so oft hinterherzuhinken scheinen, wenn es um Digitalisierung geht? Zwar hat sich in der Bundesregierung z.B. die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, für eine Digitalisierung von amtlichen Dokumenten stark gemacht. Unterm Strich scheint aber relativ wenig zu passieren. Auch der Digitalverband Bitkom kritisiert, dass sowohl der digitale Personalausweis als auch die elektronische Gesundheitskarte und nun ein digitaler Führerschein nicht praxistauglich sind. In Norwegen und im Kosovo gibt es bereits seit Jahren offizielle Führerschein Apps, die alle Funktionen eines klassischen Führerscheins besitzen. Andererseits wiederum soll eben gründlicher gearbeitet werden, was Prozesse verlangsamt. Es bleibt abzuwarten, wann es auch hierzulande endlich soweit ist.