Google Home und Amazon Echo Dot
2017: Ein Jahr voller Innovationen (Bild: folienfeuer - stock.adobe.com)

Neuerscheinungen

2017: Ein Jahr voller Innovationen

Kaum ist der letzte Sommerurlauber zurück im Büro, eröffnen auch schon die ersten Weihnachtsmärkte. Zumindest fühlt es sich Jahr für Jahr erneut so an; erst recht, wenn der Sommer sich so zurückhaltend präsentiert wie in diesem Jahr. Zwischen Glühwein, Bratwurst, gebrannten Mandeln und kandiertem Obst schaut man dann gerne einmal auf das fast vergangene Jahr zurück. Was ist eigentlich alles geschehen? Woran erinnert man sich gerne und woran lieber nicht? Wir wollen einen Blick auf die technischen Neuheiten des Jahres werfen: Was konnte tatsächlich begeistern? Was ist total verrückt? Und was wird besonders kritisch beäugt?

Alle Jahre wieder

Die wohl größte öffentliche und mediale Aufmerksamkeit erhalten mittlerweile traditionell neue Produkte von Apple. Mit aufwendigen Vorstellungs-Events, Geheimniskrämerei im Vorfeld und geschickter Vermarktung erzeugt der Tech-Gigant aus Cupertino einen Spannungsbogen, der mindestens einmal im Jahr die Herzen seiner Fans aus aller Welt höherschlagen lässt. Zum zehnten Jubiläum des iPhones wurde in diesem Jahr neben den iPhones 8 und 8 Plus auch das iPhone X vorgestellt, mit dem Apple mit einem fast flächendeckenden Display und gut funktionierender Gesichtserkennung wieder einmal den Anspruch hat, neue Maßstäbe auf dem Smartphone-Markt zu setzen. Zudem nimmt das Gerät eine besondere Funktion ein: Mehr noch als andere Top-Smartphones ist es als Statussymbol zu verstehen, das sich mit leicht gehobener Nase selbst von seinen direkten Geschwistern abzusetzen versucht.

Flaggschiff mit Kinderkrankheiten

Das Gerät mit der römischen Zahl Zehn im Namen zeigt auch Schwächen: Das fast randlose Display des iPhone X ist extrem Sturzanfällig. Die Rückseite des Smartphones, das mit 1.149 bis 1.319€ pro Stück auch preislich neue Maßstäbe setzt, ist wie schon beim iPhone 4 und 4s aus Glas und dementsprechend empfänglich für teure Missgeschicke. Nach einem von Stiftung Warentest simulierten Falltest waren, anders als bei den Schwestermodellen iPhone 8 und 8 Plus, alle drei getesteten iPhone X beschädigt. Auch die Reparatur wird teurer als gewöhnlich, was ebenfalls am hochwertigen Display liegt. Das Smartphone von Apple befindet sich dabei allerdings in bester Gesellschaft: Mit dem Galaxy S8 und Note 8 konnten auch die Topmodelle des direkten Konkurrenten Samsung im Falltest nicht bestehen.

Wearables werden attraktiver

Uhr, Fitness-Assistent, Mini-Computer, modisches Accessoire und vieles mehr: Wearables sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das Angebot reicht vom einfachen Fitnessarmband aus Plastik, das Puls und Schritte überwacht, bis zur smarten Designer-Armbanduhr aus edlen Materialien, deren Hauptaufgabe ähnlich wie bei klassischen Luxusuhren jenseits der eigentlichen Funktionalität liegt. Teure Smartwatches gibt es zwar schon länger, jedoch war die modische Flexibilität begrenzt: In der ersten Generation der Apple Watch hatten Kunden mit einzelnen Modellen die Möglichkeit, sich deutlich fünfstellige Beträge ans Handgelenk zu schnallen – bei optisch marginalen Unterschieden.

Dieses Jahr wurden Smarte Uhren vor allem schöner. Fitnessarmbänder bekamen zunehmend Funktionen wie beispielsweise NFC-Kommunikation spendiert, die von Smartwatches bereits bekannt waren und sie so im Vergleich noch attraktiver gestalten. Die nächste große Tech-Innovation bei Smartwatches lässt allerdings trotz öffentlichkeitswirksamer Präsentationen weiter auf sich warten: Zwar kann Apples aktuelle Watch 3 nun dank LTE auch ohne Verbindung zum Smartphone mit der Außenwelt kommunizieren, bei anderen Herstellern geht das aber schon länger. Interessant ist es trotzdem um die Wearables, denn das Angebot wird individueller. Auch Hersteller von Premium- und Modeuhren steigen zunehmend in das Geschäft ein und bieten elegante und trendige Modelle an, denen man ihr vernetztes Dasein nicht sofort ansieht.

„Hallo Computer.“

Begonnen hat die Diskussion um die wohl kontroverseste Neuerung der letzten Jahre bereits mit der Vorstellung und Markteinführung Ende des Jahres 2016. Doch durch stetige Weiterentwicklung und nach wie vor präsente Diskussionen gehört Amazons sprachgesteuerter Lautsprecher Echo auch in diesen Rückblick. Das Stichwort „Alexa“ polarisiert ähnlich stark wie die Diskussion über Nutzen und Risiken der smarten Assistentin. Nicht nur, dass insbesondere in Deutschland die Angst vor dem Verlust des letzten Stücks Privatsphäre umgeht. Auch die offensichtlichen Parallelen zum Computer aus Star Trek dürften bei manchem für ein komisches Bauchgefühl sorgen.

Aber was hat man eigentlich von digitalen Assistenten für zu Hause wie Amazons Echo, Microsofts Cortana oder dem Google Assistant? Spielereien zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz sind längst nicht alles, was der Lautsprecher ermöglicht. So kann die Sprachsteuerung Heizung, Beleuchtung und Musik im Smart Home steuern und Informationen wie Wetter und Nachrichten wiedergeben. Das Gerät lässt sich als Freisprechanlage fürs Telefon nutzen, sodass ohne störendes Handteil telefoniert werden kann. Zudem kann der Assistent auf Zuruf Listen und To-Dos erstellen, die man dann beispielsweise beim Einkaufen auf dem Smartphone abrufen kann. Einige fungieren darüber hinaus selbst als Schaltzentrale fürs smarte Heim: Sie sind vorkonfiguriert für viele Produkte aus dem Bereich Smart Home und sollen so die Einrichtung und Steuerung noch weiter vereinfachen.

Smartes Heim, Glück allein?

Person bedient Apple Watch
(Bild: DENYS PRYKHODOV - stock.adobe.com)

Für den Bereich Smart Home ist die steigende Popularität der Sprachassistenten für zu Hause bester Treibstoff: Die Möglichkeit, das Smart Home einfach per Sprachbefehl zu steuern, regt den Markt an. Die Palette der direkt mit verschiedenen Assistenten kompatiblen Geräte und Produkte wächst zusehends und wird somit auch für technisch weniger versierte Konsumenten interessant. Die Einrichtung des intelligenten Heims dürfte neben Sicherheitsbedenken eines der größten Hindernisse für eine weitere Verbreitung sein. Doch auch wenn die Einrichtung einfacher wird, ist Vorsicht eine Tugend: Sicherheitsvorkehrungen bei der Einrichtung des Smart Homes sind durchaus sinnvoll, insbesondere was das WLAN-Netz angeht.

Bestes Panorama auf dem Schreibtisch

Die Zeiten der Monitore im Seitenverhältnis von 4:3 sind schon länger vorbei. Das breitere 16:9 hat sich nahezu flächendeckend durchgesetzt, seit der Röhrenmonitor dem Flachbild weichen musste. Seither geht der Trend zu immer mehr Bildschirm auf dem Schreibtisch – die Geräte werden größer und breiter, mittlerweile häufig als Curved Display. Die Displaykrümmung soll dabei die perspektivische Flucht verringern und für eine natürlichere Bildwahrnehmung sorgen. Eine Grundidee, die spätestens im Verhältnis 21:9 deutlich zum Tragen kommt.

Doch mit allem Breitenwahn nicht genug, setzt Samsung noch einen drauf: Der C49HG90 ist ein Monitor im Seitenverhältnis von 32:9 und bietet damit so viel Fläche wie zwei Monitore im klassischen Verhältnis von 16:9 nebeneinander. Die Diagonale von 49 Zoll klingt gigantisch, durch die Breite ist der Bildschirm aber trotzdem nur etwas höher als ein 24 Zoll großer Bildschirm in 16:9. Mit einem Markteinführungspreis von 1.500€ zielt der Riese eindeutig auf Enthusiasten ab, auch wenn er mittlerweile für einige hundert Euro weniger zu bekommen ist.

Wohnzimmer oder Kunstgalerie?

Während am Computer Curved-Monitore voll im Trend liegen, gehen Fernseher schon wieder in eine andere Richtung. LG macht’s vor: Extrem dünn, minimalistisches Design – der LG SIGNATURE OLED TV W versucht den Fernseher mit dem Wohnzimmer zu verschmelzen. Das W im Namen steht für Wallpaper, also Tapete, und macht damit den Anspruch deutlich. Das Gerät besteht aus zwei Teilen, denn im extrem schlanken Bildschirm ist kein Platz für Anschlüsse oder Lautsprecher. Letztere sind dafür in Dolby Atmos Soundqualität in der Soundbar vertreten, die den zweiten Teil des Gerätes ausmacht. Erhältlich ist der Fernseher in zwei Varianten mit 65 bzw. 77 Zoll.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Samsung mit dem Lifestyle-TV The Frame. Auch hier ist der Name Programm: Der Rahmen des schlanken Fernsehers lässt ihn wie ein gerahmtes Bild mit Passepartout wirken und soll ihn so zum Kunstobjekt machen. Dadurch rückt das Design mehr denn je in den Mittelpunkt, auch wenn es „nur“ ein weiterer Schritt der Verschlankung der Geräte ist. Selbstverständlich ist trotzdem alles an moderner Technologie an Bord, was sich beide Hersteller gut bezahlen lassen. Samsungs Fernseher gibt es in den Größen 43, 55 und 65 Zoll und kostet zwischen 1.299 und 3.199€. LG verlangt für die größeren und extrem flachen Geräte so viel wie manche Hersteller für ihre Automobile. 7.999€ werden für die Variante mit 65 Zoll Bilddiagonale fällig. Mehr als das Doppelte, nämlich 19.999€ sind es gar beim größeren 77-Zoll-Gerät.

Ausflug in eine fremde Welt

Rund um die virtuelle Realität wurde es phasenweise regelrecht still angesichts des Hypes, den die neue Technologie vor einigen Jahren entfacht hatte. Zu teuer die Geräte, zu speziell die Anwendungsgebiete für den Massenmarkt, zu schlecht die Kompatibilität der Geräte untereinander. Geht es nach Microsoft, soll sich das nun ändern. In der zweiten Jahreshälfte hat der Herausgeber des Betriebssystems Windows unter dem Namen Windows Mixed Reality einheitliche Anforderungen bekanntgegeben, um eine allgemeingültige Richtlinie für VR-Technologien und –Inhalte zu etablieren. Diese soll im Umfeld der Virtual Reality Hard- und Software für Klarheit sorgen, damit Inhalte und Geräte verschiedener Hersteller zukünftig problemlos kompatibel sind. Erwartet wird, dass diese Vereinheitlichung Eintrittsbarrieren in die Welt der Virtual Reality weiter reduziert und die Technologie so ihren Siegeszug antreten kann. Hersteller loben die Initiative von Microsoft und haben bereits kompatible VR-Brillen im Angebot. Wir dürfen gespannt sein, ob die hohen Erwartungen erfüllt werden können.

Haute Cuisine für den Heimgebrauch

Neben Unterhaltungselektronik und Smart Home-Lösungen gibt es auch wieder etwas Neues aus der Küche: Für anspruchsvolle Hobbyköche hat Miele den Dialoggarer vorgestellt. Dieses neuartige Gerät, das für den unbedarften Beobachter zunächst wie ein Backofen wirkt, ermöglicht die gleichzeitige Zubereitung unterschiedlicher Speisen mit individuellen Ansprüchen. Das High-Tech-Gerät steht im Garprozess mit den einzelnen Lebensmitteln „im Dialog“ und soll so bei jedem für den perfekten Garpunkt sorgen. Damit soll es beispielsweise möglich sein, sogar einen Fisch im Eisblock zu garen, ohne das Eis zum Schmelzen zu bringen. Klingt verrückt und sehr speziell? Stimmt wohl, denn die Ansprüche, die das neue Gerät befriedigen soll, sind eher gehobener Natur. Gleiches gilt auch für den Preis: Der Miele Dialoggarer steht Profis und ambitionierten Hobbyköchen mit ausreichendem Geldbeutel ab Frühjahr 2018 für knapp 8.000€ zur Verfügung. Wer vom Konzept begeistert ist, kann also schon einmal anfangen zu sparen.