Smartphone mit davor liegendem Kabel auf Holzunterlage
Einheitliche Ladekabel in der EU (Bild: gerasimov - stock.adobe.com)

Nachhaltigkeit

Endlich: EU plant einheitlichen Ladekabel Standard

Bereits vor mehr als zehn Jahren planten EU-Abgeordnete eine Vorschrift, die Hersteller von Smartphones, Laptops und anderen Elektroartikeln zu einem einheitlichen Ladeanschluss verpflichten sollte. Damit sollte nachhaltiger gewirtschaftet sowie große Vorteile für Konsumenten geschaffen werden – leider wurde daraus bis heute nichts. Während Apple auf hauseigene Lightning-Stecker setzt, verwendet Android für seine älteren Modelle Micro-USB-Stecker sowie für seine neuen Modelle USB-C-Stecker. Bis heute kam vor allem von Apple großer Widerstand gegen einen EU Ladekabel Standard. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Bereits im Jahr 2020 startete die EU-Kommission einen erneuten Anlauf und dieser soll nun im Jahr 2021 mit konkreten Plänen durchgesetzt werden. Aus welchen Gründen ein EU Standard für Ladekabel geplant ist und wann das einheitliche Ladekabel der EU genau umgesetzt werden soll, erfahren Sie hier.

Einheitliche Ladekabel: Apple wehrt sich

Dank der Selbstverpflichtung der Industrie verfügen die meisten Ladekabel mittlerweile über einen USB-Anschluss anstatt eines festen Kabels. Dies ermöglicht den Anschluss mit verschiedenen Kabeln und das Aufladen von unterschiedlichen Geräten mit nur einem Netzteil. Doch das genügt vielen Politikern bei weitem nicht. Schon länger gibt es Überlegungen über einen festen EU Standard für Ladebuchsen an Smartphones. Vielen Herstellern gefällt das gar nicht. Gerade Apple fühlt sich mit dieser Lösung in seinen Innovationsmöglichkeiten eingeschränkt und hat sich bereits mehrfach negativ über die Pläne der EU geäußert. Die Ablehnung einer solchen Regelung ist keine Überraschung. Denn die Einführung von einheitlichen Ladekabeln hätte Auswirkungen auf die Umsätze von Apple und anderen großen Smartphone Herstellern. Der Smartphone Gigant verdient nämlich sehr gut an seinen iPhones sowie anderen hauseigenen Geräten, die firmeneigenes Zubehör erfordern. Inwieweit dies einen Einfluss auf die Entscheidung sowie Durchsetzungskraft der EU-Kommission hat, bleibt abzuwarten.

EU Standard für Ladekabel noch dieses Jahr möglich?

Bis heute setzen verschiedene Smartphone-Hersteller auf ihre eigenen Ladekabel samt individuellen Anschlüssen. Dies ermöglicht ihnen deutlich größere Umsätze, da ein Ladekabel entweder nur als kostenpflichtiges Zubehör erworben werden kann oder bei Verlust direkt beim Hersteller neu gekauft werden muss. Obwohl der EU-Ausschuss bereits vor über zehn Jahren für eine Vereinheitlichung sorgen wollte, scheiterte er kläglich. Nicht zuletzt war der Widerstand von Apple einfach zu groß. Angesichts eines besseren Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstseins könnte die Bereitschaft vieler Unternehmen mittlerweile aber deutlich gestiegen sein.

Während für ältere Smartphone-Modelle überwiegend Micro-USB-Anschlüsse verwendet werden, kommen bei neueren Geräten vor allem USB-C-Anschlüsse zum Einsatz. Ebenso problematisch: Selbst beim kabellosen Laden gibt es verschiedene Standards, die keiner einheitlichen Norm unterliegen. Mit dem neuen EU Standard soll dies in Zukunft vereinfacht werden. Der neueste Entwurf der Europäischen Union besteht auf einheitliche Ladekabel in der gesamten EU. Besonders vielversprechend: Dieser soll sowohl für Smartphones als auch für Kopfhörer, Tablets, Smartwatches, Lautsprecher, E-Book-Reader und eventuell sogar Kameras gelten. Der EU Standard für Ladekabel soll noch dieses Jahr verabschiedet werden. Derzeit wird aber erst einmal geprüft, auf welcher rechtlichen Basis man den Entwurf durchsetzen kann.

Weniger Elektromüll, mehr Reparaturen und Recycling

Viele Ladekabel an Mehrfachsteckdose und Durcheinander an Kabeln
Elektromüll vermeiden (Bild: Olya - stock.adobe.com)

Da durch die Vereinheitlichung von Ladekabeln innerhalb der EU deutlich weniger Ladekabel genutzt werden würden, führt das automatisch zu weniger Abfall. Wer sich die Zahlen bezüglich Elektromülls vor Augen führt, staunt nicht schlecht: Laut einer Studie im Auftrag der EU-Kommission verursachen allein Ladekabel jährlich mehr als 13.000 Tonnen Elektroschrott. Langfristig wird sogar mit einer deutlichen Erhöhung von Elektroschrott gerechnet, die alleine der Verwendung von Ladekabeln zugeschrieben wird. Mit einem neuen EU Standard für Ladekabel soll es nicht mehr notwendig sein, für jedes neue Endgerät auch direkt ein neues Ladekabel kaufen zu müssen. Damit sollen zig Tonnen Elektroschrott eingespart werden. Das langfristige Ziel der EU ist eine Kreislaufwirtschaft für Elektrogeräte ganz ohne Müll. Für dieses Ziel sollen ebenfalls mehr Geräte recycelt werden sowie ein Recht auf Reparatur sowie Software-Updates eingeführt werden. Wie genau die Regelungen hierzu aussehen werden, ist noch nicht ganz klar, doch ein EU Standard würde sich definitiv lohnen, denn derzeit wird nicht einmal die Hälfte des anfälligen Elektroschrotts wiederverwendet.

EU Standard auch für kabellose Ladestationen?

Da immer mehr Smartphone Hersteller auf kabelloses Laden setzen, soll dieses ebenfalls in den neuen Vorschriften des EU-Ausschusses inkludiert werden. Denn auch hier möchte die EU-Kommission einen neuen EU Standard schaffen, der flächendeckend gelten soll. Bereits jetzt nutzen viele Hersteller Qi-Standard für ihre neuesten Smartphones. Doch damit nicht genug: So wie es aussieht, stehen wir schon bald vor der Markteinführung einer komplett neuen Alternative für das kabellose Laden von Smartphones und Co. Powermat soll der Konkurrenzstandard werden, der schon bald viele Geräte noch effektiver – ganz ohne Kabel – laden soll. Mit dieser Marktneuheit wird eine Vereinheitlichung also noch komplizierter als jetzt schon. Es bleibt also spannend, für welche einheitliche Ladekabel-Lösung sich die EU entscheidet und wie diese verpflichtend umgesetzt werden kann. Bevor ein neuer EU Standard kommt, soll dieser zunächst an einer technischen Studie ausprobiert werden.