Frau in moderner, cleaner Umgebung schaut auf Smartphone
Google Werbung ohne Cookies (Bild: BullRun - stock.adobe.com)

Datensicherheit

Google-Werbung kommt künftig ohne Cookies aus

Die Geschichte der Werbung ist lang und voller Weiterentwicklungen. Von Marktschreiern, über Reklameschilder, Anzeigen in Zeitschriften bis hin zu Online-Ads – Werbung gab es in vielen Formen und Farben. Die aktuell ausgeklügelste Variante sind personalisierte Werbeanzeigen. Diese sind so programmiert, dass sie nur den Usern angezeigt werden, die potenziell als Zielgruppe infrage kommen. Damit diese Anzeigen zu den richtigen Personen gelangen, gibt es sogenannte Cookies. Dabei handelt es sich um Textinformationen, die Aufschluss darüber geben, wo, wann und wie lange ein User auf einer bestimmten Website war. Diese Informationen werden, vor allem von Google, gesammelt und für eigene Google Werbung genutzt. Das heißt im Umkehrschluss: Ihre persönlichen Daten werden von Google großflächig ausgelesen und verarbeitet. Bis jetzt zumindest. Google-Werbung verzichtet künftig nämlich auf Cookies.

Das ändert sich künftig bei Google-Werbung

Im Prinzip ist es schnell erklärt: Bislang hat Google-Werbung zu einem Großteil auf Cookies basiert. Das ändert sich nun. In Zukunft will Google keine Nutzerinformationen mehr von Ihnen speichern, die dann im Anschluss für eigene Werbezwecke weiterverwendet werden. In einem kürzlich erschienenen Post im Google-Blog hat das Unternehmen bestätigt, künftig keine neuen Tools mehr entwickeln zu wollen, um das Nutzerverhalten seiner User zu verfolgen und zu speichern. Die dafür bislang eingesetzte Technologie läuft bald ab und erhält keinen Nachfolger mehr. Bereits zu Beginn letzten Jahres hat Google diesen Schritt angekündigt. Nun wird er in die Tat umgesetzt.

Warum hat Google diesen Schritt gemacht?

Google-Werbung ohne Cookies? Für Datenschützer und besorgte User mag das auf den ersten Blick zu schön, um wahr zu sein klingen. Weshalb hat sich Google für diesen Schritt entschieden? Auf Cookies basierte Google-Werbung zählt schließlich zur Haupteinnahmequelle für das US-Unternehmen. Tatsächlich war das auch nicht Googles erste Wahl. Hintergrund der Entscheidung für mehr Datenschutz und weniger Cookies sind die hohen Datenschutzstandards in Europa und den USA. In den vergangenen Jahren wurden die Rufe nach einem Ausbau der Usersicherheit immer größer. Darauf musste Google nun reagieren und hat sich zu diesem Schritt entschlossen bzw. musste diesen gehen.

Was nutzt Google-Werbung stattdessen?

Durch die strenger gewordenen Datenschutzrichtlinien in der EU und den USA ist das Unternehmen nun gezwungen, Google-Werbung künftig ohne Cookies zu schalten. Natürlich geht dies gegen die Interessen des Unternehmens, das viel Umsatz mit Google-Werbung macht. Was also tun? Google arbeitet seit längerem an einem Kompromiss. Die neue Technologie hört auf den Namen FLoC. Der Begriff steht für „Federated Learning of Cohorts“ und heißt übersetzt in etwa „Gebündeltes Erforschen von Kohorten“. Soll heißen: Statt den Verkehr einzelner User zu tracken, sollen in Zukunft Nutzergruppen nachverfolgt werden.

Was auf den ersten Blick eigentlich genauso klingt, wie das, was zuvor gemacht wurde, hat beim näheren Hinsehen einen entscheidenden Unterschied: Ihre Nutzerdaten, wie z.B. IP-Adresse, Standort und Verhalten auf einer Website werden nicht mehr Ihnen persönlich zugerechnet. Stattdessen erforscht FLoC Nutzergruppen mit gemeinsamen Interessen. Einfach formuliert: Google-Werbung basiert auch in Zukunft auf Nutzerverhalten. Jedoch werden die Daten nicht von einzelnen Usern erhoben, sondern von Nutzergruppen. Mit dieser Annäherung versucht das Unternehmen in Zukunft weiterhin Werbetracking zu betreiben, nur eben im Rahmen geltender Gesetze.

Ist das neue Tracking besser als das alte Tracking?

Person mit hochgelegten Beinen gibt etwas auf dem Smartphone in die Google Suche ein
Google verzichtet auf Cookies (Bild: utah51 - stock.adobe.com)

Wie ist die Änderung bei der Google-Werbung jetzt also zu bewerten? Sind Sie als User nun besser geschützt als vorher oder betreibt Google da nur Augenwischerei? Nun ja, viele deutsche Verleger bleiben skeptisch. Ihre Befürchtung: Google ist inzwischen so mächtig geworden, dass es das bisherige Tracking gar nicht mehr benötigt. Aufgrund seiner Marktmacht sei Google nicht mehr auf Cookies angewiesen. Auch ohne Cookies sammle Google täglich Millionen von Daten. Der hauseigene Browser Chrome hatte vergangenes Jahr einen Marktanteil von über 70 Prozent. Über diese User lassen sich umfassende Daten sammeln, die später für personenbezogene Werbung verwendet werden können – und das ganz ohne Cookies.

Auf diese Weise kann das Unternehmen viel mehr und viel detaillierter Nutzerdaten sammeln als die Konkurrenz. Unterm Strich benötigt Google Cookies also nicht wirklich, um auch weiterhin seine Macht auszubauen und viel Geld zu verdienen. Der Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) fordert daher, dass die EU-Kommission endlich eingreifen soll, damit die Bürger Europas ihre digitale Souveränität gegenüber großen Internetfirmen zurückerlangen können. Ob dies geschieht, bleibt jedoch fraglich. Bereits der zuletzt von Google unternommene Schritt hat Jahre gebraucht, um umgesetzt zu werden. Heißt: Solange Sie Chrome nutzen, wird Ihr Nutzerverhalten auch weiterhin ausgelesen, um es für Google-Werbung zu benutzen.

Diesen Datenschutz bietet Chrome für seine App

Unterm Strich passiert nicht wirklich viel in Bezug auf Datenschutz, was Google-Werbung betrifft. Was Google in den vergangenen Monaten jedoch tatsächlich gemacht hat, ist einen integrierten Werbeblocker in seine Chrome App einzubauen. Auf diese Weise sollen Ihnen künftig keine lästigen Werbeanzeigen mehr beim Surfen auf dem Smartphone (in der Desktop Version ebenfalls) angezeigt werden. Der sogenannte „Chrome Filter“ sortiert Ads in Zukunft aus, damit werden Ihnen zwar weiterhin Anzeigen dargestellt, jedoch viel weniger als bisher. Im Prinzip arbeitet das Tool also ganz ähnlich, wie bekannte Werbeblocker von Adblock Plus oder Adblock Green.

Die oben genannten Werbeblocker sieht Google jedoch nicht so gerne auf seiner Seite. Diese sind geschäftsschädigend, schließlich verdient Google einen Großteil seines Geldes mit Werbeanzeigen. Der Chrome-Filter ist kann daher also als ein Versuch von Google gesehen werden, dem Problem konkurrierender Werbeblocker Herr zu werden. Chrome-Filter schön und gut. Wie verhält es sich hierbei jedoch mit dem Datenschutz? Sammelt Google unter dem Chrome-Filter auch weiterhin Nutzerinformationen? Die Antwort lautet leider: Ja. Möchten Sie also in Zukunft anonym surfen, ganz ohne Tracking, dann nutzen Sie idealerweise Incognito Apps. Mehr dazu und zum Chrome-Filter können Sie hier nachlesen.