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Vorsicht - Ärger mit Tastatur Apps auf iOS 13.1 (Bild: bongkarn - stock.adobe.com)

Datensicherheit

Vorsicht - Ärger mit Tastatur Apps auf iOS 13.1

Wirft man einen Blick auf Tastaturen, so haben sich die Zeiten in den letzten Jahren stark geändert. Wenn Sie heute eine haptische Tastatur verwenden, also diejenige mit echten Tasten zum Herunterdrücken, gehört sie höchstwahrscheinlich zu Ihrem Laptop. Heute gibt es praktisch kein Smartphone mehr, das nicht ein im Display integriertes Keyboard hat. Zu Beginn für viele User ungewohnt, schließlich gibt es beim Tippen keinen spürbaren Widerstand mehr, haben sich digitale Tastaturen inzwischen zur Grundausstattung von Smartphones entwickelt. Android und iOS bieten Ihnen standardmäßig eigene Tastaturen an. Sie können aber genauso gut alternative Keyboards von Drittanbietern mit weiteren Funktionen verwenden. Das kann durchaus nützlich sein. Genau hier wurde kürzlich jedoch ein Sicherheitsproblem entdeckt. Einige Tastatur Apps für iOS sollen heimlich Ihre Daten abgreifen. Das steckt dahinter.

Auf diese Weise stehlen Tastatur Apps Ihre Nutzerdaten

Das Problem wurde bereits auf iOS 13 festgestellt. Nun kam heraus, dass auch iOS 13.1 davon betroffen ist: Einige Tastatur Apps für iPhone können Ihr Nutzerverhalten ausspähen, diese Informationen speichern und weiterversenden. Das Datensammeln bezieht sich somit nicht auf Apples eigene Tastatur, sondern explizit auf sogenannte „Third-Party-Keyboards“ – Tastaturen also, die von Drittanbietern stammen. Die Sicherheitslücke hat ihren Ursprung in der Erlaubnis der Apps den Netzwerkzugriff zu erhalten. Sobald sie dies haben, können sie von Ihnen eingegebene Informationen an den Hersteller der Anwendung weiterleiten.

Da es sich um Tastatur Apps handelt, konzentriert sich die Art dieser Informationen vor allem auf Ihr Eingabeverhalten beim Verfassen von Nachrichten. Welche Worte verwenden Sie häufig? Wie oft vertippen Sie sich beim Formulieren? Wie lange benötigen Sie für das Schreiben eines Wortes oder eines Textes? Aus der Beantwortung dieser Fragen können die Hersteller Rückschlüsse auf die Funktionalität ihrer App schließen und etwaige Ungereimtheiten ausbessern. Um dies klarzustellen: Hierbei handelt es sich prinzipiell um einen ganz normalen Vorgang. Auch Apple und Google werten das Verhalten ihrer User dezidiert aus. Verwenden Sie für gewöhnlich die Standardtastatur Ihres iPhones, können Sie sichergehen, dass Apple umfassend darüber informiert ist, wie Sie Texte verfassen.

Der Unterschied von Apples Keyboard zu Tastatur Apps von Drittanbietern ist, dass Letztere in der Regel keinen Vollzugriff auf Ihr Netzwerk haben. Nur wenn Sie dies ausdrücklich erlauben, ist es den anderen Apps gestattet. Dies müssen Sie jedoch vor Benutzen der Anwendung explizit festlegen. In der Regel geschieht dies so, dass Sie die Tastatur Apps vor dem erstmaligen Verwenden fragen, ob Sie ihnen einen Vollzugriff auf das Netzwerk gewähren. Verneinen Sie dies, haben die Apps (eigentlich) keine Möglichkeit, Ihr Nutzerverhalten aufzuzeichnen und an den Hersteller weiterzuleiten. Das aktuelle Problem um Ihre Datensicherheit besteht darin, dass besagte Drittanbieter trotzdem Ihre Daten sammeln – unabhängig davon, ob Sie zuvor zugestimmt haben oder nicht.

Wie gefährlich ist das Problem für Sie tatsächlich?

Dass Tastatur Apps Daten von Ihnen abgreifen können, ist ein reelles Problem. Schließlich ist die Frage nach gutem Datenschutz ein Dauerthema, wenn es um die Smartphone-Nutzung geht. In Zeiten, in denen sich Unternehmen wie Facebook, Apple und Google konstant mit Kritik am Schutz ihrer User auseinandersetzen müssen und selbst vermeintlich sichere Apps wie Telegram in der Kritik stehen, nicht genug für den Datenschutz zu tun, sollte das aktuelle Problem nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Tatsächlich lässt sich aktuell jedoch noch nicht belegen, dass Drittanbieter persönliche Informationen von Usern gespeichert haben. Einfach ausgedrückt: Das Problem existiert in der Theorie, praktisch ist es bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Apple ist über das Problem informiert und arbeitet zurzeit an einer Lösung. Wichtig ist, dass es sich hierbei um einen Bug bei iOS handelt. Falls Daten abfließen sollten, ist dies also nicht auf heimtückische App Entwickler zurückzuführen, sondern auf einen Fehler in Apples eigenem Betriebssystem. Applikationen, die im App Store angeboten werden, sind standardmäßig Auflagen und Kontrollen von Apple unterzogen. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass Anwendungen einem Mindeststandard an Qualität entsprechen und vor allem keine Gefahr für Ihre Datensicherheit darstellen. Ein heimliches Sammeln von Daten würde daher ohnehin den strengen Richtlinien des App Stores widersprechen. Insofern ist Apple derzeit bemüht, die hausgemachte Datenlücke schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Ihnen mit dem kommenden iOS Update ein entsprechender Bug Fix mitgeliefert wird.

So können Sie sich gegen das Sammeln von Daten schützen

Person bedient Smartphone
(Bild: DENYS PRYKHODOV - stock.adobe.com)

Die schlechte Nachricht ist, dass Sie augenblicklich wenig ausrichten können. Schließlich liegt die potenzielle Datenlücke im System von Apple. Glücklicherweise können Sie aber zwei Dinge tun, mit denen Sie datenschutztechnisch auf der sicheren Seite sein sollten. Erstens können Sie natürlich komplett auf Tastatur Apps von Drittanbietern verzichten. Wenn Sie ohnehin keine nutzen, dann sollten Sie augenblicklich auch keine neuen installieren. Für den Fall, dass sich die eine oder andere Keyboard App auf Ihrem Gerät befindet, sollten Sie darüber nachdenken sie zu entfernen. Das ist zwar ein eher radikaler Schritt, damit gehen Sie aber sicher, dass Sie von dem aktuellen Problem nicht weiter betroffen sind. Möchten Sie weiterhin Tastatur Apps verwenden, können Sie zweitens überprüfen, ob die Anwendung ordnungsgemäß arbeitet und keine weiteren Keyboards installiert sind, die Sie gar nicht kennen bzw. nicht verwenden. Gehen Sie dazu auf Einstellungen > Allgemein > Tastatur > Tastaturen und stellen Sie sicher, dass dort nur Tools zur Texteingabe sind, die Sie auch installiert haben. Sollten Sie eine Tastatur entdecken, die Ihnen nichts sagt, dann empfiehlt es sich diese umgehend zu löschen.

Darum können Tastatur Apps von Drittanbietern sinnvoll sein

Trotz des aktuellen Sicherheitsproblems um die Keyboard Anwendungen ist deren Verwendung grundsätzlich durchaus sinnvoll. Oft bieten diese Apps Funktionen, die Ihre Standard Tastatur nicht aufweist. Obwohl die Texteingabe des iOS Betriebssystems eine Vielzahl an nützlichen Features aufweist und zudem intuitiv zu bedienen ist, bieten andere Keyboard Apps viele spannende Zusatzfunktionen. Dazu zählen unter anderem verschiedene Schriftarten, die Ihnen beispielsweise die kostenlose App „Better Font-s Cool Keyboard-s“ liefert. Möchten Sie die graue iOS-Eingabefläche etwas bunter gestalten, bietet sich die ebenfalls kostenfrei Anwendung „Bunte Tastatur & Coole Themen“ an. Mit „FancyKey Tastatur-Themes“ haben Sie zudem die Möglichkeit, beim Verfassen von Texten kleine Animationen erscheinen zu lassen und somit das Texten etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Auch diese Applikation ist für Sie kostenlos.