Eine Frau trinkt einen Kaffee und schaut dabei auf ihr Smartphone
Neuerungen und Unterschiede bei der Gesichtserkennung (Bild: sticker2you - stock.adobe.com)

Datensicherheit

Neuerungen und Unterschiede bei der Gesichtserkennung

Kaum wurde die Gesichtserkennung zum Standard in den High-End-Modellen der Smartphones, teilten sich gleich die Meinungen über ihren Nutzen und ihre Risiken. Gerade Android-Geräte standen noch kürzlich in der Kritik, nicht sicher genug zu sein und sich durch kinderleichte Tricks überlisten zu lassen. So reichte zum Beispiel schon das Vorhalten eines Selfies des Besitzers aus, um das Gerät zu entriegeln. Die Face-ID vom iPhone gilt dagegen als sicherste Entsperrmethode. Doch auch hier hieß es nach ihrer Einführung unter den Nutzern schnell „zu langsam“ oder „zu unpraktisch“. Mittlerweile haben die Hersteller ihre Hausaufgaben erledigt und ihre Gesichtserkennungen verbessert. Welche Neuerungen es gibt und wie sich die Gesichtserkennungen unterscheiden, lesen Sie hier.

Gesichtserkennung beim iPhone: Face-ID

Apple brachte seinen Gesichtsscanner Face-ID erstmals vor circa zwei Jahren mit dem iPhone X auf den Markt und setzt dabei auf zwei Technologien. Beim 3D Modell spiegelt die sogenannte TrueDepth-Kamera etwa 30 Tausend unsichtbare Punkte auf das Gesicht und fertigt mittels Infrarotstrahlen ein 3D Bild des Nutzers an. Parallel läuft das 2D Modell, bei dem die Infrarotkamera das ausgelesene Punkteraster mit ihrer gespeicherten Abbildung abstimmt. Somit vergleicht Apple bei seiner Gesichtserkennung ganze zwei Bilder des Anwenders und geht so auf Nummer sicher. Diese Bilder werden zudem ständig aktualisiert, etwa wenn die Smartphone-Besitzer plötzlich anderes Make-Up, Bart, Brille oder einen Hut tragen. Was die Sicherheit angeht: Die Fehlerquote soll laut Hersteller bei eins zu einer Million liegen.

Besser und genauer wurde die Gesichtserkennung von Apple dann in seinen nächsten Smartphone-Generationen. Der Algorithmus wurde im iPhone XS, XS Max, XR und nun im iPhone 11 beschleunigt, sodass auch viele ehemalige Kritiker von der Face-ID endgültig überzeugt wurden. Auch bei wenig Licht wurde die Gesichtserkennung im Vergleich zum Vorgänger merklich verbessert. Aktuell wird allerdings gemunkelt, dass Apple sich von der Gesichtserkennung wieder trennen will, um ein randloses Display ohne große Aussparung für die TrueDepth-Kamera zu ermöglichen. Diese ist allerdings nötig, um die komplexe Technologie dahinter im Gerät unterzubringen. Ob und wann das der Fall sein wird, ist von offizieller Seite her jedoch unklar.

Google Pixel 4: Gesichtserkennung macht Face-ID Konkurrenz

Konkurrenz bekommt die Face-ID nun von Googles aktuellem Flaggschiff Pixel 4. Hierbei setzt der Hersteller genau wie Apple auf die Infrarot-Technologie und hat gleich zwei Sensoren für die Gesichtserkennung im Bildschirmrand verbaut. Sie sollen dafür sorgen, dass das Gerät noch schneller und sicherer entsperrt wird als ein iPhone. Im Gegensatz zum letzteren ist es hier sogar egal, ob Sie das Google Pixel 4 schräg, gedreht oder auf dem Kopf halten. Ebenfalls neu: Sie können selbst einstellen, ob nach der Gesichtserkennung noch das Hochwischen wie beim iPhone notwendig ist oder ob Sie stattdessen gleich im Menü landen wollen. Diese Option dürfte viele Nutzer erfreuen, weil der übliche manuelle Schritt entfällt und ein schnellerer Zugriff auf das Gerät erlaubt wird.

Noch stärker beschleunigt wird das Ganze durch einen zusätzlichen Radar, den Google in seinen Pixel 4 eingebaut hat. Bereits während sich Ihre Hand dem Gerät nähert, erkennt sie der Bewegungssensor und macht das Telefon für die Entriegelung bereit. Halten Sie es daraufhin vor Ihr Gesicht, sind die Infrarotsensoren bereits aktiv und der Entsperrvorgang funktioniert insgesamt schneller als beim iPhone. Ein schwerwiegendes Manko gibt es aber auch bei diesem aktuellen Modell. Viel Kritik hat Google bisher dafür geerntet, dass die Gesichts-Identifizierung auch mit geschlossenen Augen funktioniert und somit eine schwerwiegende Sicherheitslücke darstellt. Daraufhin hat der Hersteller ein Update angekündigt, welches diese Lücke schon bald schließen soll.

Auch Samsung verbessert seine Face Unlock

Frau nutzt Gesichtserkennung auf ihrem Smartphone
(Bild: Arsenii - stock.adobe.com)

In den vergangenen Monaten gab es bei auch vielen Android-Smartphones scharfe Kritik. Und zwar dafür, dass die Gesichtserkennung lediglich durch die Frontkamera funktioniert und dadurch leicht auszutricksen ist. Diese Kritik hat sich der Hersteller Google nun zu Herzen genommen und in seinem neuen großen Update Android 10 erhebliche Verbesserungen versprochen. Nun soll die Funktion nämlich darauf achten können, ob Ihre Augen geöffnet sind, sich Ihre Pupillen bewegen oder ob Sie blinzeln. Diese Indikatoren geben dem Gerät das Signal, dass es sich tatsächlich um das Gesicht seines Besitzers handelt und nicht um sein Foto.

Zwar wurde die Android Face Unlock auf diese Weise definitiv verbessert, aber mit der Face-ID von Apple ist sie dennoch nicht zu vergleichen. Denn solange das Gesicht lediglich von der Selfie-Kamera überprüft wird und keine Tiefenwahrnehmung mit Infrarot wie im iPhone stattfindet, bleibt die Gesichtserkennung nur bedingt sicher.

Eine Neuerung gibt es allerdings noch: Brille oder Hut sollen ab sofort auch für Android-Geräte kein Hindernis mehr sein, das Gerät zu entsperren. Probleme, die es damit in der Vergangenheit gab, wurden laut Android Central überarbeitet. Parallel kursieren in der Fachpresse außerdem Gerüchte darüber, dass auch Samsung sich in seinem kommenden Galaxy S 11 von der 2D-Technologie trennen will und Sensoren für einen 3D Gesichtsscanner verbaut. Diese sollen dann durch ein innovatives Kamerasystem aus mehreren Linsen sogar genauere Tiefeninformationen einfangen können als die TrueDepth-Kamera von Apple, heißt es. Wenn das so sein sollte, dürfte allerdings mit größeren Aussparungen im Display zu rechnen sein als üblich und somit mit einem neuartigen Erscheinungsbild von Samsungs Flaggschiff.