Person macht Handyphoto von einer Brücke im Wald
Heimliche Aufnahmen der Kamera-App (Bild: Przemyslaw Koch - stock.adobe.com)

Datensicherheit

Heimliche Aufnahmen der Kamera-App - Das können Sie tun

Ein aktuelles Smartphone besitzt eine Vielzahl an unterschiedlichen Apps. Vom Verfassen von Textnachrichten, über das Verwenden eines Internetbrowsers bis hin zum Online Banking – durch eine entsprechende App lässt sich so ziemlich alles erledigen. Die wohl am meisten verwendete ist zweifelsohne die Kamera-App. Und das ist nicht verwunderlich. So lassen sich mit ihr unkompliziert und in Sekundenschnelle Bilder und Videos erstellen. So weit so gut. Doch was passiert, wenn Ihre Kamera-App plötzlich nicht nur von Ihnen genutzt wird, sondern auch von Dritten? Dieser Umstand ist glücklicherweise bisher nicht wahr. Jedoch haben US-Forscher den Grundstein hierfür bereits gelegt. Was steckt dahinter und was können Sie tun, um Ihre Kamera-App zu schützen? Wir klären auf, wie Sie Ihre Smartphone Kamera-App vor potenziellem Missbrauch schützen können.

Die Gefahr des immer online Seins

Die größte Gefahr, Opfer eines Hackerangriffs zu werden, liegt in dem permanenten online Sein. Es gibt heutzutage nur wenige Smartphone-Nutzer, die nicht konstant mit dem Internet verbunden sind. Und auch, wenn Sie kein mobiles Datenvolumen besitzen sollten, verbindet sich Ihr Gerät spätestes zu Hause mit Ihrem WLAN-Netzwerk. Dabei besteht gleich doppelt Gefahr: Zum einen können sich Hacker theoretisch Zugriff zu Ihrer Kamera-App verschaffen. Zum anderen sammeln Software-Hersteller wie Android oder iOS ganz legal Ihre Nutzerdaten. Dadurch, dass Ihr Smartphone größtenteils online ist, erlauben Sie Dritten ständig Zugriff auf Ihre persönlichen Informationen – auch auf Ihre Kamera-App. Zumindest, wenn Sie diesen Zugriff nicht beschränken. Wir zeigen Ihnen wie das geht.

Legales Tracking einschränken

Wie bereits erwähnt, gehört es leider zum Alltagsgeschäft von Apple und Co., dass Ihre Nutzerdaten von Ihrem Smartphone aufgezeichnet und zur Auswertung weitergeleitet werden. So verwendet Ihr iPhone zum Beispiel die sogenannte „iPhone Analyse“, die Ihr Verhalten wie den Ort, an dem Sie sich gerade befinden, speichert und (täglich) zur Verarbeitung an Apple weitersendet. Laut dem kalifornischen Software-Konzern will dieser mit diesen Maßnahmen seine Dienste und Produkte verbessern. Ein weiteres legales „Spionage“-Feature auf dem iPhone lautet „Ad-Tracking“. Auch dieses Tool speichert Ihre Nutzerdaten und verwendet diese für die gezielte Platzierung von Werbung. Beide Funktionen lassen sich unter Einstellungen > Datenschutz > Analyse bzw. Werbung deaktivieren. Auch Android erhebt Daten und wertet diese für sich aus. Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Privatsphäre im Rahmen der Möglichkeiten so gut schützen, wie es die jeweiligen Einstellungen Ihres Betriebssystems erlauben.

Apps Erlaubnis erteilen

Egal ob Sie ein Android Gerät oder ein iPhone nutzen, jede neue Kamera-App fragt Sie zunächst um Erlaubnis, ob sie auf Ihre Foto-Galerie zugreifen darf. Das gilt auch für die vorinstallierte Kamera-App auf beiden Systemen. Wenn Sie den Zugriff auf Ihre Fotos verweigern, können Sie sicher gehen, dass beide Anwendungen (Kamera und Foto-Galerie) keine Verbindung zueinander aufbauen können. Wenn Sie also einer Kamera-App die Erlaubnis erteilen auf andere Teile Ihres Telefons zuzugreifen, sollten Sie in jedem Fall sichergehen, dass Sie der App auch vertrauen können.

Gesundes Misstrauen beim App-Download

Frau hält Handy
(Bild: New Africa - stock.adobe.com)

Im Wesentlichen gilt, dass Sie nur die Kamera-App aus dem Google Play Store oder dem App Store herunterladen sollten, der Sie auch tatsächlich vertrauen können. Das klingt erst einmal banal, erweist sich jedoch essenziell für Ihren Datenschutz. Denn neue Apps herunterzuladen ist eine der Hauptursachen für gefährliche Hackerangriffe. Ein App Store gilt als Einfallstor für alle Art von fremden Gefahren. Denn prinzipiell kann jede Person eine Kamera-App entwickeln und diese zum Download für Ihr Samsung Galaxy S8 oder Ihr iPhone 7 anbieten. Die Gefahr, dass sich unter der Vielzahl an angebotenen Anwendungen schwarze Schafe verstecken, ist also gar nicht so gering, wie man auf den ersten Blick vermuten mag. Natürlich werden die zum Download bereitgestellten Apps vorher von Android und Apple geprüft und benötigen für die Präsenz im App Store eine entsprechende Lizenz. Doch das bedeutet nicht, dass eine angebotene Kamera-App damit automatisch als unbedenklich eingestuft werden kann.

Welche Kamera-App ist die Richtige?

Als Faustformel gilt, dass Sie sich vor jedem Download genau über die potenzielle Kamera-App informieren sollten. Vorweg: Die vorinstallierte Kamera-App auf beiden großen Betriebssystemen Android und iOS gilt in der Regel als unbedenklich. Doch gibt es neben diesen Applikationen bekanntlich eine ganze Reihe an weiteren Anwendungen, die Sie für das Erstellen oder Bearbeiten Ihrer Fotos herunterladen können. Achten Sie im Vorfeld darauf, dass die Kamera-App, die Sie installieren wollen, bereits oft heruntergeladen wurde. Wenn sich die Download-Zahl beispielsweise nur im zweistelligen oder dreistelligen Bereich befindet, ist Vorsicht geboten. Lesen Sie auch die Kundenrezensionen der Kamera App durch. Schauen Sie zudem auch die allgemeine Bewertung an. Bei einem oder zwei Sternen beispielsweise, ist eher davon abzuraten die Kamera-App herunterzuladen. Unterm Strich: Machen Sie sich ein umfassendes Bild der Kamera-App. Denn nur wenn Sie sichergehen können, dass es sich bei ihr um eine legitime Anwendung handelt, können Sie auch darauf vertrauen, dass Ihre Fotos und persönlichen Informationen privat bleiben.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Obwohl es aktuell noch keine bekannten Fälle einer „Spionage-App“ gibt, die heimlich Fotos mit Ihrem Smartphone aufnimmt, ist die Gefahr dafür durchaus real. So haben US-Forscher zu Testzwecken bereits eine Kamera-App namens „Place Raider“ entwickelt, die tatsächlich in der Lage ist Fotos unbemerkt mit der Smartphone-Kamera zu erstellen. Hierbei wurden mehrere Fotos von einer bestimmten Location gemacht und automatisch mit der Rechenleistung des Geräts in „brauchbar“ und „unbrauchbar“ sortiert. Anschließend wurden die für „gut“ befundenen Aufnahmen auf einen Server hochgeladen. Die Foto-Versatzstücke wurden dann auf dem Server zu einem Panorama-Bild zusammengefügt. Dieses hat den Forschern ermöglicht, detaillierte Informationen (wie z.B. Wertgegenstände) auf diesem Bild zu identifizieren. Ein gefundenes Fressen für Hacker also. Was heute noch Zukunftsmusik ist, kann in nicht weit entfernter Zeit durchaus Realität werden. Das bedeutet nicht, dass Sie grundsätzlich jeder neuen Kamera-App konsequent misstrauen müssen. Doch ein kritischer Umgang mit neuer Software ist das A und O für Ihre Datensicherheit. Nur so können Sie gewährleisten, dass Privates auch in Zukunft privat bleibt.