Gedruckter Lexikontext mit Fokus auf dem Wort "Deepfakes"
Was genau ist ein Deepfake? (Bild: Devon Yu - stock.adobe.com)

Datensicherheit Deepfake - Alles, was Sie darüber wissen müssen

Falschnachrichten sind kein neues Phänomen. Die Unwahrheit in Umlauf zu bringen, trotz besseren Wissens, ist eine tief menschliche Eigenschaft. Dies geschieht quasi immer in Form von Medien. Diese sind so alt wie die Menschheit selbst. Früher galt die mündliche, später die schriftliche Überlieferung als das Kommunikationsmittel der Wahl. Mit dem Buchdruck und spätestens mit Erfindung der Zeitung hat die Massenkommunikation - und damit auch das massenhafte Verbreiten von Fakenews - begonnen. Fernsehen, Internet und Social Media haben ihr Übriges getan und die Qualität von Falschnachrichten verbessert. Fakenews gab es also schon immer, mit neuer Technologie verbreitet sie sich aber schneller und wird immer ausgefeilter. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung sind sogenannte “Deepfakes” - täuschend echte Bilder, Audioaufnahmen und Videos. Wir klären auf, was hinter einem Deepfake steckt.

Endlich erklärt: Was genau ist ein Deepfake?

Bei einem Deepfake handelt es sich um digitales Medium, in der Regel ein Bild, eine Audioaufnahme oder ein Video, das wider besseren Wissens Falschmeldungen beinhaltet. Mit Deepfakes lassen sich also Lügen verbreiten. Meistens werden dafür Videos eingesetzt. Mit ihnen werden z.B. Interviews oder Reden von Politikern gezeigt, die es so nie gegeben hat. Mithilfe von technischer Manipulation erscheinen täuschend echte Statements. Bei einem Deepfake Video werden die Mimik und die Sprache der Person so angepasst, dass es aussieht, als wäre es wirklich die Person, die gerade spricht.

Video Deepfakes sind vor allem deswegen beliebt, weil sie die größte Glaubwürdigkeit besitzen. Bei einem Foto oder einer Tonaufnahme ist es schon eher möglich, dass sie manipuliert sein könnten. Bewegtbild hat jedoch eine hohe Glaubwürdigkeit. Bis vor kurzem konnten wir bei einem Video nahezu sicher sein, dass es echt ist bzw. auch wirklich den der Tatsachen entspricht. Seitdem es Deepfakes gibt, hat sich dies jedoch geändert. Die Wortherkunft “Deepfake” liegt übrigens in den beiden Begriffen “Deep Learning” und “Fake” begründet - was das genau bedeutet, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Das ist die Technologie hinter einem Deepfake

Im Wort “Deepfake” steckt u.a. der Begriff “Deep Learning”. Mit Blick auf die Funktionsweise von Deepfakes, lassen sich insgesamt zwei verschiedene Algorithmen ausmachen. Einerseits das eben genannte Deep Learning und andererseits die künstliche Intelligenz. Genau genommen handelt es sich bei beiden um KI-Algorithmen, der eine wird jedoch “Deep Learning” und der andere “künstliche Intelligenz” genannt. Für die Technik Interessierten unter Ihnen: Beide Algorithmen heißen zusammen GAN (“Adversarial Network”, zu Deutsch in etwa „erzeugende gegnerische Netzwerke“). Das alles klingt erst einmal kompliziert. Im Prinzip ist es aber ganz einfach.

Beide Algorithmen sind tatsächlich gegnerisch, denn sie arbeiten gegeneinander. Zunächst versucht der sogenannte “Generator” möglichst echte Videos zu kreieren. Der “Diskriminator” genannte Gegenpart hat wiederum zur Aufgabe, diese Videos auf Fehler hin zu überprüfen. Hat er welche gefunden, teilt er dies dem Generator mit. Letzterer lernt daraufhin aus seinen Ungenauigkeiten bzw. Fehlern und kann in Zukunft noch bessere Videos bzw. Fälschungen erstellen. Durch diese sich gegenseitig kontrollierenden Algorithmen entsteht ein System, das immer bessere Deepfakes produziert. Die Technologie dahinter ist also relativ komplex, der eigentliche Vorgang, aus Erstellung auf der einen und Kontrolle auf der anderen Seite, simpel.

Was macht einen Deepfake eigentlich so gefährlich?

Frau in Hightech-Umgebung mit gescanntem Gesicht
Deepfake kann eine reale Bedrohung darstellen (Bild: sata_production - stock.adobe.com)

Ein Deepfake ist wirklich faszinierend. Durch ihn lassen sich täuschend echte Bilder, Ton- und Videoaufnahmen kreieren. Besonders Filme von in der Öffentlichkeit stehenden Personen, die sich im Nachhinein als Deepfake entpuppten, haben in den vergangenen Monaten die Runde gemacht. So eindrucksvoll sie auch sind, schließlich wirken vieler diese Deepfake Filme real und lassen sich nicht von tatsächlich entstandenen Aufnahmen unterscheiden, so gefährlich werden sie dadurch auch. Beim Deepfake handelt es sich nämlich nicht nur um ein kleines Wunderwerk moderner Technik, sondern auch um eine potenzielle Gefahr für die Öffentlichkeit und jeden Einzelnen. Das klingt etwas dramatisch? Ist es auch.

Unter dem Einsatz von Deepfakes lassen sich Botschaften verbreiten, die der Unwahrheit entsprechen. Das kann beispielsweise im Falle einer prominenten Person negative Folgen sowohl für sie selbst als auch für die Personen haben, die von der Falschnachricht beeinflusst werden. In der Öffentlichkeit stehende Menschen sind von Deepfakes besonders betroffen, weil sich eine Botschaft viel schneller verbreitet und damit eine große Zahl an Menschen erreicht. Speziell für Politikerinnen und Politiker sind Deepfakes gefährlich. Sie stehen nicht nur im Rampenlicht, sondern gestalten und lenken aktiv die Geschicke einer Stadt, einer Region oder eines Landes. Willentlich erzeugte Falschmeldungen können potenziell großen Schaden und diplomatische Konflikte bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zur Folge haben.

In diesen Fällen wurde ein Deepfake verwendet

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche prominente und in der Öffentlichkeit stehende Personen sowie Politiker Opfer von Deepfakes. Zu den bekanntesten Fällen gehören vermeintliche Videos vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Facebook Gründer Mark Zuckerberg oder der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama war ebenfalls Opfer von Deepfakes, genauso wie (nochmals) Trump in einer Better Call Saul-Parodie. Auch von Carrie Fisher, der Darstellerin der Star Wars Prinzessin Leia existieren Deepfakes, genauso wie vom Filmproduzenten George Lucas und den Schauspielern Tom Cruise und Robert Downey Jr. bei einem angeblichen “Roundtable”, also einer Gesprächsrunde.

Es existiert ein Deepfake aus dem aktuellen Wonder Woman-Film, nur mit Linda Carter, der ehemaligen Darstellerin und nicht mit Gal Gadot, die Wonder Woman eigentlich verkörpert. Deepfakes haben in der Vergangenheit weder Halt vor koreanischen Nachrichtensprecherinnen gemacht, noch vor Tom Cruise, der in einem TikTok Video Putztipps gibt. Kurzum: Es gibt eine Menge Deepfakes. Viele davon sind unterhaltsam und harmlos - vor allem dann, wenn offen kommuniziert wird, dass es sich dabei um kein Abbild der Wirklichkeit handelt. Wenn dies jedoch nicht kommuniziert wird, sollten Sie diese Videos mit größter Vorsicht schauen. Im Schlimmstfall werden Deepfakes eingesetzt, um gezielt Desinformationen zu verbreiten und Konflikte zu streuen.