Mann versucht mit Becher durch die Wand zu hören
Abgehört, wenn die App „mithört“ (Bild: Paolese - stock.adobe.com)

Datensicherheit

Abgehört - Was ist zu tun, wenn die App „mithört“?

Im Dezember 2017 erschien ein Bericht der New York Times, der vielen Smartphone-Besitzern einen Schauer über den Rücken laufen ließ: So sollen rund 1.000 Apps aus dem Google Play Store sowie dem Apple App Store seine Nutzer belauschen. Viele dieser Spitzel sind dabei als harmlose Spiele getarnt. Ziel seien dabei aber nicht Ihre privaten Gespräche, sondern Ihr Fernsehnutzverhalten. Die Aufnahmen sollen so vermeintlich nur zu Werbezwecken genutzt werden. Den meisten Handy-Nutzern dürfte bei diesem Gedanken, dass ihre App bei ihrem abendlichen Serienmarathon mithört trotzdem nicht wohl zumute sein. Wir zeigen Ihnen daher, wie Sie sich vor ungewollten App-Lauschangriffen schützen können.

Spionage durch das Smartphone zu Werbezwecken?

Die meisten von Ihnen nutzen Ihr Smartphone vermutlich mehrmals täglich und womöglich tragen Sie es sogar immer bei sich um keine wichtigen Nachrichten zu verpassen. Und genau dieser Zustand ist für viele Werbetreibende interessant. Denn auch wenn Sie Ihr Smartphone nicht aktiv nutzen, kann ein Mikrofon eines eingeschalteten Handys über eine lauschende App seine Umgebung abhören und so Aufschluss darüber geben, wann und was genau Sie gerade hören.

Aus dieser Tatsache schlägt das Start-Up-Unternehmen Alphonso Inc. sein Kapital. Das Unternehmen entwickelte eine „Automated Content Recognition“-Technologie (ACR), die es ermöglicht Ihre Fernsehgewohnheiten über das Mikrofon Ihres Smartphones abzuhören. Das Abhören Ihres Smartphones passiert dabei nicht nur, wenn eine App gerade aktiv genutzt wird, sondern auch, wenn diese nur im Hintergrund mitläuft. Die gesammelten Informationen werden dann von Alphonso an seine Kunden verkauft, die vor allem in der Werbebranche tätig sind. Und diese Werbetreibenden wollen nicht nur wissen wer, sondern auch wann und wo ihre Werbung konsumiert wird. So können sie die eigene Werbung daraufhin zielgerichtet und vor allem personalisiert auf den potenziellen Kunden ausspielen.

Werden private Gespräche auch vom Smartphone abgehört?

Die lauschenden Apps sollen laut Hersteller menschliche Sprache nicht zur Erkennung verwenden und somit Ihre privaten Gespräche nicht auswerten. Die Erkennung der durch das Smartphone abgehörten Soundaufnahmen erfolgt dabei in Zusammenarbeit mit dem Musikdienst Shazam, der sowohl Lieder als auch Werbung erkennen kann. Wie genau so eine Erkennung der Fernsehinhalte und Werbung allerdings ohne Sprachaufnahme möglich sein soll, ist nicht bekannt. Aus diesem Grund sind Datenschützer auch eher skeptisch und vermuten, dass die Apps sehr wohl in der Lage seien Gespräche, die Sie in der Gegenwart Ihres Handys führen, abzuhören.

Abhören nur mit Zustimmung des Nutzers

Lauschangriffe dürfen die Apps tatsächlich nur mit Ihrer Zustimmung starten und die meisten von Ihnen werden diese unbewusst bei der Installation gewährt haben, insofern Sie nicht die Nutzungsbedingungen vorher genau durchgelesen haben. Aber das dürften die meisten Smartphone-Nutzer eher selten tun. Dabei sind sowohl das Start-Up als auch die App-Entwickler rechtlich dazu verpflichtet, Hinweise zum Abhörvorgang durch das Smartphone in der App-Beschreibung im Google Play Store bzw. Apple App Store zu hinterlegen. Außerdem ist in den Apps eine sogenannte doppelte "Opt-In"-Methode eingebaut, die Sie dazu zwingt Ihre Zustimmung zweimal zu geben, bevor sie Sie abhört. Die erste Zustimmung müssen Sie der App vor der Installation erteilen und die zweite während der ersten Nutzung der App, kurz nach dem Start.

Das Start-Up Alphonso Inc. geht mit seinen Smartphone-Lauschattacken zudem sehr offen um. So erklärt das Unternehmen in seiner Datenschutzrichtlinie genau, welche Informationen zu welchem Zweck gesammelt werden. Weiterhin existiert auf der Homepage von Alphonso eine Anleitung für alle Smartphone-Nutzer, die den Zugriff auf ihr Mikrofon und die Anzeige von personalisierter Werbung durch Apps auf ihrem Smartphone verhindern möchten.

Welche Apps hören ihre Nutzer ab?

Person hält Smartphone mit Ohr auf dem Display
(Bild: Mariia Nazarova - stock.adobe.com)

Rein äußerlich lassen sich die Apps nicht erkennen. In den meisten Fällen handelt es sich um kostenlose und unscheinbare, ungefährliche Spiele, die ein kurzes Vergnügen versprechen. Teilweise sind auch Apps betroffen, die speziell für Kinder entwickelt worden sind. Laut dem Gründer und CEO von Alphonso Inc., Ashish Cordia, sollen bereits 1000 Spiele und andere Apps die Software nutzen. Eine Liste mit allen Apps, die Ihr Smartphone abhören, existiert derzeit leider noch nicht. Allerdings gibt es einen Trick, der Ihnen verraten kann, ob die Apps die Sie benutzen mit der ACR-Technologie ausgestattet sind. Wenn Sie im Google Play Store oder App Store nach „Alphonso Software“ oder „Alphonso Automated“ suchen, sollen viele der betroffenen Apps angezeigt werden.

Wie können Sie sich vor den App-Lauschangriffen schützen?

Wenn Sie sich vor App-Lauschangriffen schützen möchten, haben wir hier einige Tipps für Sie, die Sie befolgen sollten. So können Sie künftig nicht mehr vom Smartphone abgehört werden.

1. Wenn Sie eine neue App installieren, können Sie bei der Installation den Zugriff auf Ihr Mikrofon verweigern. Die Apps können Sie in den meisten Fällen trotzdem problemlos nutzen ohne dabei von Ihrem Smartphone abgehört zu werden.

2. Wenn Sie prüfen möchten, ob Ihre Apps betroffen sind, suchen Sie im Google Play- oder im App Store nach „Alphonso Software“ oder „Alphonso Automated“. Werden Ihre Apps angezeigt, nutzen sie die Abhörtechnologie.

3. Sollten Sie bereits betroffene Apps installiert haben und unbewusst die Zustimmung für den Zugriff auf Ihr Mikrofon gewährt haben, können Sie diese jederzeit zurücknehmen. Dies können Sie in den App-Berechtigungen tun.

Bei Android: Öffnen Sie in Ihrem Android Phone hierfür zunächst die Einstellungen Ihres Smartphones und klicken dann auf Apps. Öffnen Sie Android System WebView und dann App-Berechtigungen. Dort können Sie auf sämtliche Systemkomponenten wie Ihre Kamera oder das Mikrofon zugreifen.

Bei iOS: Öffnen Sie Ihre iOS-Einstellungen, dazu müssen Sie auf Ihrem Homescreen auf das Icon Einstellungen klicken. Tippen Sie danach auf Datenschutz und anschließend auf Mikrofon. Ihnen sollte nun eine Liste verschiedener Apps angezeigt werden, die auf Ihr Mikrofon zugreifen können. Mit dem Schalter rechts hinter der App können Sie dieser den Zugriff entziehen. Schieben Sie ihn dazu einfach nach links.

4. Der wahrscheinlich unbeliebteste Tipp um sich vor dem ungewollten Abhören durch Ihr Mobiltelefon zu schützen, ist vor dem Download, wenigstens aber vor der Inbetriebnahme einer App, alle Nutzungsbedingungen genau zu lesen.