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Smart Home: Wenn die Wohnung mitdenkt

15.02.2018

© mikkelwilliam | istockphoto.com

Vor lauter Angeboten neuer, angeblich „smarter“ Lösungen für das eigene Heim kann man sich kaum noch retten. Begriffe wie „intelligentes Wohnen“ oder „Smart-Living“ werden in diesem Zusammenhang gerne genannt und suggerieren die Gestrigkeit all jener, deren Wohnungen noch nicht vernetzt sind. Amazon Echo, besser bekannt als „Alexa“, ist im Kontext Smart Home mittlerweile in den Köpfen verankert, treibt den medialen Hype sogar nahezu im Alleingang voran. Aber jenseits von toll klingenden Beschreibungen haben wir uns ein paar grundlegende Fragen gestellt: Was bedeutet Smart Home wirklich? Braucht „man“ das und wenn ja, wer ist eigentlich „man“?

Von der Pike auf

Smart Home beschreibt die Vernetzung unterschiedlichster Geräte im und rund um das eigene Heim. Die Wohn- und Lebensqualität sollen durch mehr Sicherheit und Kontrolle gesteigert und die Energieeffizienz des eigenen Wohnraums erhöht werden. Das „intelligente Heim“ nimmt seinem Bewohner durch moderne Technik notwendige Aufgaben ab. Dabei ist es effizienter als ein Mensch sein könnte und stellt dem Nutzer Informationen bereit, die seinen Alltag effizienter gestalten sollen. Soweit zur Theorie.

 

Praktisch erklärt: Smart Home bedeutet zum Beispiel, von überall die Lichter im Haushalt, die Heizung, Sicherheitskameras, den Staubsauger und die Waschmaschine bedienen zu können. Das ganze erfolgt auf Zuruf oder per Smartphone-App – Voraussetzung ist lediglich eine aktive Internetverbindung. Aber damit nicht genug: Die einzelnen Geräte können auch durch Sensoren automatisch gesteuert werden. Weitere Möglichkeiten sind eine Zeitsteuerung oder vordefinierte Aktionen, die vom Standort des Nutzers abhängen. Dieser muss dann aktiv nichts mehr tun.

 

Im Smart Home lässt sich alles bequem von überall steuern.

Wie sieht das konkret aus?

Für jeden Lebensbereich gibt es mittlerweile geeignete Geräte, die sich ins Smart Home integrieren lassen. Neben Heizung, Licht, Jalousien und Sicherheitskameras können auch Haushaltselektronik wie Kaffee- oder Waschmaschinen und Unterhaltungselektronik aller Art miteinander vernetzt werden. Dabei gibt es inzwischen viele Geräte, die sehr spezielle Funktionen übernehmen:

 

Fensterkontakte können erkennen, wenn Fenster offen oder nicht richtig geschlossen sind. Beim Öffnen können sie beispielsweise dem smarten Heizungsthermostat mitteilen, dass gelüftet wird und dementsprechend vorübergehend nicht geheizt werden soll. Außerdem kann beim Verlassen der Wohnung eine Warnmeldung auf dem Smartphone ausgelöst werden, die auf geöffnete Fenster hinweist.

 

Für die Steuerung der Geräte und die Kommunikation der Geräte untereinander wird eine zentrale Steuereinheit benötigt. Leider gibt es bislang noch diverse rivalisierende Systeme, sodass nicht alle Geräte miteinander kompatibel sind. Durch Amazon Echo, das sich in kurzer Zeit zum Massenprodukt gemausert hat, könnte es jedoch bald einen gemeinsamen Nenner geben. Die Sprachassistentin „Alexa“ ist inzwischen nicht nur unter Technik-Freaks bekannt und verbreitet. Mittlerweile wird von vielen Kunden bei der Kaufentscheidung erwartet, dass die Smart Home-Lösungen mit dem Amazon-Gerät kompatibel sind. Ein einheitlicher Standard ist daher zumindest denkbar.

Ein Tag im Smart Home

Was mit einem vernetzten Heim möglich ist, zeigt das folgende Szenario:

 

In der idealen Vorstellung vom Smart Home ist alles miteinander vernetzt. Wirklich alles. Anschaulich wird dies auch auf Messen gezeigt.

 

Der Handywecker klingelt um 05:50 Uhr. Gleichzeitig wird automatisch die Heizung im Badezimmer eingeschaltet, das Licht auf 10% gedimmt und die Kaffeemaschine eingeschaltet. Zeit sich noch einmal für zehn Minuten umzudrehen, bis das Badezimmer warm und der Kaffee fertig ist.

 

Im Badezimmer angekommen, schaltet man das Licht ein, was morgens dazu führt, dass automatisch auch das Internetradio angeht: Nach den aktuellsten Nachrichten folgt die Verkehrslage für den eigenen Weg zur Arbeit. So bleibt noch Zeit zu reagieren, falls viel los ist. Im Anschluss wird noch die heutige Folge des Lieblingspodcasts abgespielt, bevor für den Rest der Zeit das Radio läuft – bis das Licht wieder ausgeschaltet wird, denn dann geht stattdessen das Radio in der Küche an.

 

Nach dem Frühstück wird noch schnell die smarte Waschmaschine für den späten Nachmittag beladen und dann geht es zur Arbeit. Dank Sensoren an Fenstern und Türen meldet das Smartphone beim Öffnen der Wohnungstür, dass alle Fenster geschlossen sind. Es kann also losgehen. Als sich das Smartphone mit der Freisprecheinrichtung des Autos verbindet, werden automatisch sämtliche Heizkörper in der Wohnung heruntergeregelt.

 

Nach getaner Arbeit geht es zurück nach Hause und wieder verbindet sich das Smartphone mit dem Auto. Diesmal schaltet sich die Waschmaschine ein und die Heizungen gehen wieder an, damit die Wohnung bei der Ankunft angenehm geheizt ist. Auf dem Rückweg noch schnell beim Supermarkt anhalten und einkaufen, was fürs Abendessen fehlt. Was noch im Kühlschrank ist, wird schnell per Smartphone-App überprüft: Dank Kameras im intelligenten Kühlschrank hat man den Inhalt auch im Supermarkt jederzeit im Blick.

 

Zu Hause angekommen, fix den Kaminofen angemacht, geht es ans Kochen. Beim Einschalten der Dunstabzugshaube bei Kaminbetrieb erscheint erst einmal nur eine Mitteilung auf dem Smartphone: Bitte Fenster öffnen. Fast vergessen. Gut, wenn das Fenster mitdenkt. Für die richtige Stimmung beim Kochen und Essen sorgt die Lieblingsplaylist, gesteuert per Sprachbefehl. Und wenn dann auch die Waschmaschine noch ausgeräumt ist, lässt es sich hervorragend mit einem guten alten Buch und einer Decke vor dem heimischen Kamin entspannen.

Sinnvoll oder nicht?

Eigentlich lässt sich also alles vernetzen, wenn nicht direkt, dann mit einem kleinen Umweg. Das geht von den üblichen Haushaltsgeräten wie Kühlschrank, Kaffeemaschine und Waschmaschine bis hin zur Unterhaltungselektronik und Haustechnik, wie Licht, Heizung und Jalousien. Besonders gefragt sind auch Geräte, die im Haushalt und im Garten helfen: Rasenmäh- oder Staubsaugroboter, aber auch Geräte, die für mehr Sicherheit im Haus sorgen.

 

Über die Sinnhaftigkeit, alles miteinander vernetzen zu können, kann man wahrscheinlich lange streiten. Der Grat zwischen technischer Spielerei und tatsächlichem Nutzen ist schmal. Natürlich muss man mit seinem Handy nicht die Kaffeemaschine bedienen können, aber der Blick aus dem Supermarkt in den heimischen Kühlschrank kann durchaus sinnvoll sein. Auch Sensoren an Fenstern und Türen können im Winter oder im Fall eines Einbruchs den entscheidenden Unterschied machen.

 

Ob „man“ das komplette Paket braucht? Vielleicht, wenn „man“ sehr technikaffin ist. Vielleicht auch trotzdem nicht. Heizungssteuerungen oder Fenstersensoren sind aber auch in energetischer Hinsicht eine sinnvolle Investition und daher tatsächlich eine Überlegung wert.

 

Skeptiker betrachten die aktuellen Möglichkeiten gerade hinsichtlich der Sicherheit kritisch und haben damit nicht ganz unrecht: Nicht alle Geräte sind gut gegen externe Eindringlinge geschützt und können so Tür und Tor ins heimische Netzwerk öffnen. Entscheidend sind also hinreichende Sicherheitsmaßnahmen. Wie jeder einzelne das Thema derzeit auch betrachten mag, eins ist sicher: Smart Home wird sich rasant schnell weiterentwickeln, auch was die Sicherheit anbelangt, und wird langfristig nicht vor Skepsis halt machen, auch wenn wir hier noch ganz am Anfang sind.