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Mit GPS-Uhr in die Spitze: Wie Technik im Sport die Leistung trimmt

20.06.2018

Quelle: Thorsten Langenbahn

 

Mit technischen Hilfsmitteln wie GPS-Uhr oder dem Regenerations-Gerät „Lymphomat“ versuchen Sportler ihre Leistungsfähigkeit zu optimieren. Ein Trainingsbesuch bei Nachwuchs-Leichtathletin Patricia de Graat.

 

Flagstaff. Arizona. Patricia de Graat ist mit der Elite der deutschen Leichtathletik im Lauftrainingslager im Südwesten der USA. Rund 60 Athleten trainieren hier über anderthalb Monate verteilt in der Höhe. Die 19-Jährige aus Herdecke vor den Toren Dortmunds ist für dreieinhalb Wochen dabei. Weil es auf 2100 Metern weniger Sauerstoff gibt, bildet der Körper hier mehr rote Blutkörperchen, die Kapazität der Sauerstoffaufnahme wird gesteigert, die Leistungsgrenze nach oben verschoben – ein bewährtes Mittel der Trainingslehre. Allerdings kann einem in Flagstaff, dem Tor zum Grand Canyon, schon mal die Luft wegbleiben.

 

„Um sich an die Höhe zu gewöhnen, steigt man mit Wandern ins Training ein“, sagt Patricia de Graat. Die zierliche Athletin aus Herdecke läuft seit ihrer Kindheit. Im Dress der LG Olympia Dortmund hat sie es über die Mittelstrecken 800 und 1500 Meter bis in die nationale Spitze geschafft. Mit Vereins- und Nationalmannschaftskollegen war die mehrfache deutsche Jugendmeisterin auch im Südwesten der Vereinigten Staaten unterwegs. Die Methoden, die der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) dort zum Einsatz brachte, bedienen sich modernster Hilfsmittel.

 

Mit Laufuhr und einem Lächeln: Patricia de Graat am Rande einer Trainingseinheit im Stadion Rote Erde,
wo die LG Olympia Dortmund trainiert. (Quelle: Thorsten Langenbahn)

 

GPS-Uhr im Training immer am Handgelenk

Denn Leistung kann nur bringen, wer Be- und Entlastung vernünftig steuert. In der Belastung immer mit dabei: Patricia de Graats Smartwatch. „Ich komme damit gut klar, deswegen habe ich sie“, sagt die Spitzenläuferin. Die GPS-Uhr von Tomtom begleitet sie jetzt schon seit vier Jahren, Tag für Tag, Woche für Woche, Kilometer für Kilometer – und das sind einige. Rund 50 bis 60 Kilometer läuft die angehende Abiturientin durchschnittlich in einer normalen Trainingswoche. Besonders gefällt ihr das Quick-GPS: „Damit steht innerhalb von rund zehn Sekunden die GPS-Verbindung.“

 

Im Wettkampf trägt sie das Hilfsmittel nur bei Straßenläufen ab fünf Kilometern am Handgelenk. „Darunter macht es keinen Sinn. Wenn man bei 1500 Metern auf die Uhr guckt, wäre das fürs Ergebnis eher hinderlich“, erläutert die Sportlerin.

 

Richtige Technik auch beim Dehnen: Patricia de Graat auf der Tartanbahn ihres Heimatvereins TSV Herdecke. (Quelle: Instagram patricia.dgraat)

 

Daten gehen per App an den Trainer

Ihre Daten übermittelt sie einmal pro Woche an ihren Heimtrainer Pierre Ayadi, der auch zum Trainerteam des DLV gehört. Die Übermittlung verläuft digital. Zuhause in Herdecke setzt sich die 19-Jährige an ihr Notebook, verbindet die Laufuhr per USB-Kabel und liest die Daten über die App „Tomtom Sports“ aus. „Die App ploppt direkt auf, wenn ich das Laptop aufklappe. Streckenlänge, Höhe, Geschwindigkeit, Schrittfrequenz – das kann ich mir alles anzeigen lassen.“ Die Daten kopiert sie in ein Blanko-Formular, ehe sie das ganze Trainingsprotokoll per Mail an ihren Coach schickt. Der kann dann mit den gelaufenen Kilometern und Zeiten in die Analyse gehen und daraus wichtige Schlüsse für die Trainingssteuerung ziehen.

 

Ihre GPS-Uhr möchte Patricia de Graat nicht mehr missen. „Da hängt viel dran. Jeder Sportler hat ja so seine Rituale“, sagt sie. Die Uhr gebe ihr Sicherheit und ein gutes Gefühl, so wie ihre Wettkampf-Spikes, die sie schon lange trage. Noch befindet sich die Athletin der LGO Dortmund, die so erfolgreiche Läuferinnen wie Deutschlands Sprint-As Gina Lückenkemper hervorgebracht hat, in einem Übergangsjahr. Den Sprung von der Jugend bis in die U23 hat Patricia de Graat – nicht zuletzt dank des richtigen Technikeinsatzes – bisher gut gemeistert.

 

Kurs Finale: Patricia de Graat qualifiziert sich bei den Deutschen Hallenmeisterschaften
für den Endlauf über 1500 Meter. (Quelle: Thorsten Langenbahn)

 

Auch wenn sie bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund einen schweren Rückschlag hinnehmen musste. Im 1500-Meter-Vorlauf bei ihrem Heimspiel in der Helmut-Körnig-Halle qualifizierte sie sich mit nur vier Zehntelsekunden unter ihrer Indoor-Bestzeit von 4:28,31 Minuten für das Finale. Den Endlauf musste sie jedoch kurz vor dem Start absagen: Der DLV-Arzt hatte sie wegen eines bakteriellen Infekts aus dem Rennen genommen.

 

Regeneration am Lymphomaten

Eat, sleep, train, repeat – so gestaltete sich größtenteils das Aufbautraining in Arizona. Nach etwa einer Woche hatte sich der Körper an die neuen Umstände in der Höhe gewöhnt. Zwei bis drei Einheiten absolvierten die Läufer pro Tag in den Bergen, darunter auch Einheiten über 15 mal 200 Meter. Die Pausen nutzten die Athleten jeweils, um den Ruhepuls zu messen. „Der ist deutlich höher als unten“, weiß Patricia de Graat. 44 bis 45 Schläge pro Minute sind es bei ihr normalerweise, wenn sie im Stadion Rote Erde im Schatten des Westfalenstadions trainiert. Oben in der Höhe waren es anfangs 63 Pulsschläge. Medizinisch betreut wurden die Athleten von einem DLV-Arzt und einem Team von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln. Die Sportwissenschaftler nahmen nach jeder Einheit durch einen kleinen Piks am Ohrläppchen Blut ab, bestimmten so den Laktatwert.

 

 

Posen erlaubt: Patricia de Graat 2017 nach der Cross-DM in lässiger Haltung mit ihren Teamkameradinnen
und Staffel-Bronze. (Quelle: Instagram patricia.dgraat)

 

Die Physiotherapeuten kümmerten sich um die Regeneration. Neben den eigenen Händen zur Massage dabei im Einsatz: ein sogenannter Lymphomat. Der Ansatz: Regeneration mittels Kompression – immer mehr Spitzensportler greifen darauf zurück. „Das ist wie ein Schuh, der über das ganze Bein geht, sich mit Luft aufpumpt und wieder zurückgeht“, beschreibt Patricia de Graat die Funktionsweise. „Das fühlt sich ein bisschen so an wie beim Blutdruckmessen“, sagt die Läuferin über das Gerät zur Kompressionstherapie, in dem die Sportler ein bisschen an ein Michelin-Männchen erinnern. Rund 20 Minuten lang werden die schnellen Beine so für neue Belastungen fitgemacht.

 

„Irgendwann will man alles genau wissen“

Im Vergleich zu den Nachwuchsläufern gebe es deutliche Unterschiede, was die technische Ausstattung angeht. „Bei den Jüngeren gibt es kaum einen mit Uhr. Das nutzen eher diejenigen, die das leistungsorientiert machen“, erzählt die Sportlerin, die in Dortmund am Olympiastützpunkt Westfalen trainiert. „Irgendwann fängt man an, alles genau wissen zu wollen und versucht mit allen Mitteln, die Leistung zu optimieren – mithilfe von Technik kann man das gut machen.“ 

 

Im Fokus: Patricia de Graat als Startläuferin bei der Leichtathletik-DM 2017. (Quelle: Instagram patricia.dgraat)

 

Ihre aktuelle GPS-Uhr, an der sie so hängt, hat schon einiges mitgemacht. „Die Uhr ist mir auch schon mal hingefallen, da ist ein Versicherungsschutz sinnvoll“, findet Patricia de Graat. Früher oder später wird sie sich wohl auch ein neues Modell kaufen. Zum Beispiel besitzt ihre aktuelle GPS-Uhr – anders als neuere Versionen – noch keinen integrierten Pulsmesser. Mit Laufsport Bunert und New Balance weiß die Nachwuchsathletin zwar zwei Ausrüster an ihrer Seite, von einem Technik-Sponsor kann sie bisher aber nur träumen. Dafür ist sie bei der LGO und beim DLV, wo sie zum Nationalteam zählt, in besten Händen. Das hat auch das Höhentrainingslager gezeigt. „Ich bin auf jeden Fall fitter als vorher“, sagt Patricia de Graat mit einem Lächeln und GPS-Uhr am Handgelenk, ehe sie zur nächsten Trainingsrunde mit modernster Technik durchs denkmalgeschützte Stadion Rote Erde aufbricht.