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Was ist ein Eingangrad?

14.12.2018

Eingangräder sind Fahrräder ohne Gangschaltung, die nur mit einer Übersetzung – sprich in einem einzigen Gang – gefahren werden. Bergauf kann das ganz schön mühsam sein – warum also auf den Komfort einer Gangschaltung verzichten?
 

Die verschiedenen Bezeichnungen für das Eingangrad

Der englische Begriff für das Eingangrad lautet Singlespeed. Hat das Singlespeed keinen Freilauf – das heißt, die Pedale drehen sich immer mit – wird es als Fahrrad mit starrem Gang oder auch „Fixie“ bezeichnet. Fixie leitet sich aus der englischen Bezeichnung „fixed-gear“ ab.
 

Warum auf eine Gangschaltung verzichten?

Ein Rad mit mehreren Gängen ist vielfältig einsetzbar und erleichtert das Fahren bei  unterschiedlicher Geländebeschaffenheit. Und trotzdem gibt es gute Gründe, auf diesen Vorteil zu verzichten:
 

  • Fahrräder ohne Gangschaltung werden als wartungsärmer wahrgenommen.
  • Räder, an denen wenig komplexe Technik verbaut ist, sind oft kostengünstiger. Eine geringe Wartungsintensität kann außerdem laufende Kosten niedrig halten.
  • Für ebene Fahrten in der Stadt, auf flachem Werksgelände oder innerhalb einer Fabrikhalle  ist eine Gangschaltung nicht unbedingt erforderlich.
  • Neben allen rationalen Gründen lassen Singespeeds aber auch einfach das Ästhetik-Herz von Puristen höher schlagen. Die oft minimalistisch ausgestatteten und clean designten Räder haben inzwischen schon fast Kultstatus und sind aus dem Stadtbild aktuell nicht wegzudenken. Auch der Klassiker – das Hollandrad mit einer Übersetzung – erlebt eine Renaissance.
     

singlespeed
photoschmidt - stock.adobe.com

 

Der Zweck bestimmt die Übersetzung

Auch wenn ein Eingangrad nur eine Übersetzung anbietet, ist diese nicht bei jedem Fahrrad gleich. Eine Anpassung je nach Einsatzzweck ist in einer gewissen Range möglich. Steuern lässt sich das über die Anzahl der Zähne beim Kettenblatt und beim Ritzel. Fahrräder im Mountainbike-Bereich verwenden zum Beispiel eine Übersetzung von 2:1. In diesem Fall hat das vordere Kettenblatt im Vergleich zum hinteren Ritzel doppelt so viele Zähne. Räder für Straßenradrennen verfügen über eine Übersetzung von bis zu 5:1.
 

Beim Singlespeed sollte die Übersetzung lang genug sein, um beim Fahren auf ebenen Strecken eine angenehme Geschwindigkeit zu erreichen. Zum Anfahren oder bei häufigen Fahrten in hügeligen Gebieten sollte sie eher kurz sein. Übersetzungen von 2,8 : 1 oder 2,6 : 1 sind gängig, doch grundsätzlich ist das natürlich eine individuelle Entscheidung.

 

Ein normaler Wartungsvorgang: das Nachspannen

Für eine störungsfreie Fahrt ist eine korrekt gespannte Kette erforderlich. Ist sie zu straff gespannt, verschleißt sie rascher und verursacht knackende Geräusche. Liegt sie zu schlaff auf den Zahnrädern, springt sie eventuell ab. Die Folge ist ein Tritt ins Leere und es besteht Sturzgefahr. Je nach Ausstattung gibt es bei Eingangrädern verschiedene Möglichkeiten, um die Kettenspannung einzustellen:

Bei Verwendung von exzentrischen Innenlagern lässt sich die Spannung auch durch die Verschiebung der Innenlager erreichen. In diesem Fall müssen die Bremsen nicht angepasst werden.
 

  1. Über einen Kettenspanner
    Kettenspanner sind bei Kettenschaltungen im Einsatz, aber auch Besitzer von Eingangrädern können sich  dafür entscheiden. Dieser sorgt immer für eine optimale Spannung und leistet gute Dienste, wenn zum Beispiel durch den Wechsel des Ritzels die Kette nachgespannt werden muss.

  2. Über horizontal verlaufende Ausfallenden
    Über die Ausfallenden wird die Hinterradachse aufgenommen. Verlaufen die Ausfallenden horizontal und sind nach hinten offen, kann die Achse des Hinterrades leicht verschoben werden. Dadurch lässt sich eine schlaffe Kette spannen. Achtung: Je nach vorhandener Bremstechnik müssen anschließend auch die Bremsen auf die verschobene Lage des Hinterrades angepasst werden.
     

Eingangräder mit mehr als einem Gang

Findige Köpfe haben sich überlegt, wie sie bei einem Eingangrad trotzdem eine zusätzliche Übersetzung unterbringen können. Als Lösung konstruierten sie ein Laufrad mit je einem Ritzel auf jeder Seite. Diese Ritzel verfügen über eine unterschiedliche Anzahl von Zahnrädern und erzeugen im Zusammenwirken mit dem Kettenblatt eine unterschiedliche Übersetzung. Vor der Fahrt entscheiden sich die Fahrer für eine bestimmte Übersetzung und bauen das Hinterrad passend ein. Nicht einfach, aber wirkungsvoll.
 

Der starre Gang: das Fixie als Trend im Straßenverkehr

Bei einem starren Gang („Fixie“) hat das Fahrrad keinen Freilauf, das heißt, die Pedale drehen sich immer mit. Diese Konstruktion wird zum Beispiel beim Bahnradrennen genutzt. Hier ist ein Freilauf ist nicht nötig, denn es wird bis zur Ziellinie für den Sieg getreten.
Kunstradfahrer benötigen den starren Gang für Kunststücke, bei denen das Rückwärtsfahren zur Performance gehört. Auch beim Radball werden Fahrräder mit starren Gang eingesetzt.
 

Trainierende Bahnradsportler haben die Räder mit starrem Gang in den Straßenverkehr gebracht. Ihnen geht es dabei vor allem um das Training für den nächsten Sieg. Seit einiger Zeit sind Fixies aber auch bei Kurierfahrern verbreitet.
 

Der starre Gang aus der Sicht der Verkehrssicherheit

Ein Rad ohne Gangschaltung verstößt selbstverständlich nicht gegen die Verkehrssicherheit. Doch theoretisch ist es möglich, mit diesem fixen Gang zu bremsen, weshalb manche Fahrer auf weitere Bremssysteme verzichten. Die StVZO schreibt aber vor, dass ein Fahrrad über zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremssysteme verfügen muss. Ob der starre Gang als ein solches Bremssystem gewertet werden darf, ist nicht eindeutig geklärt. Es gab zu diesem Punkt in der Vergangenheit widersprechende Gerichtsurteile. Auf der sicheren Seite liegen Radfahrer, die ihr Fixie mit einer Vorderrad- und einer Hinterradbremse ausstatten.
 

Resümee

Für den Verzicht auf eine Gangschaltung haben wir einige Gründe aufgezählt. Das Fahrrad wird dadurch einfacher, es entstehen aber auch neue Gesichtspunkte bei der Wartung. So sollte sorgfältig auf die korrekte Kettenspannung geachtet werden. Auch wenn man theoretisch mit einem starren Gang bremsen kann, sollten aus Gründen der Verkehrssicherheit zwei verschiedene Bremssysteme am Fahrrad verbaut sein.

 

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