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Pilot und Stoker: Die Aufgabenverteilung beim Tandem

26.02.2018

Ein Tandem ermöglicht das harmonische Fahren zu Zweit. Doch die Harmonie basiert auf einer exakten Rollenverteilung. Welche Aufgaben wer bei einer Tandemfahrt übernimmt, lässt sich in diesem Artikel nachlesen.

 

Was ist ein Tandem?

Über die Definition eines Tandems haben wir bereits im Artikel über die Besonderheiten beim Tandem fahren geschrieben. Die wichtigsten Vorteile

  • Man fährt zu zweit und kommt immer gleichzeitig an. Eine stärkere Person muss nicht auf einen schwächeren Fahrer warten. Allerdings müssen sich beide auf eine bestimmte Trittfrequenz einigen.
  • Auf dem zweiten Sitz können Menschen mitfahren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht alleine fahren können (z.B. sehbehinderte Menschen).

 

Wer ist wer auf einem Tandem?

Aus historischen Gründen wird die vorne sitzende Person als Kapitän oder Pilot bezeichnet. Für die hintere Position haben sich Bezeichnungen wie das aus dem englischen übernommene Stoker oder das deutsche Wort Heizer eingebürgert.

 

Besonderheiten beim Fahren mit einem Tandem

Das Gesamtgewicht eines Tandems ist durch zwei Personen wesentlich größer als bei einem Einzelfahrrad. Die Bremsen müssen deshalb mehr Energie aufbringen, um das Rad zu stoppen. Dies spielt besonders bei längeren Bergabfahrten eine Rolle. Hier bewährt sich kräftiges Bremsen in kurzen Abständen besser als ständiges Schleifen mit den Bremsen.

Rutscht man während der Fahrt mit seinen Füßen von den Pedalen ist es nicht immer leicht, sofort wieder auf die sich drehenden Pedale zu treten. Deshalb empfiehlt es sich, mit Klickpedalen oder mit Riemen zu fahren. Dadurch wird das unbeabsichtigte Abrutschen mit den Schuhen vermieden.

Da sich die Tretkurbeln meistens synchron bewegen, erreichen beide gleichzeitig den Totpunkt. Bei großen Steigungen kann das Fahren sehr mühsam sein. Durch die geringe Geschwindigkeit fällt auch das Lenken schwerer.

 

Die Rolle des Piloten

Grundsätzlich ist der Pilot derjenige im Team, der die bessere Sicht auf das Verkehrsgeschehen hat. Das gilt sowohl für die Beurteilung von Vorrangsituationen als auch für das Reagieren auf Unebenheiten in der Straße. Da die hinten sitzende Person diese Sicht nicht hat, muss der Vordermann diese rechtzeitig auf spezielle Situationen vorbereiten.

 

Lenken

Der Pilot übernimmt das Lenken. Vor dem Abbiegen zeigt er oder sie dies durch Handzeichen nicht nur den anderen Verkehrsteilnehmern, sondern auch dem Stoker rechtzeitig an. Beim Ausweichen von kleinen Unebenheiten, sollte die schnell verbal mitgeteilt werden.

 

Balancieren

Beim Stopp an der Ampel muss der Pilot das Fahrzeug in Balance halten. Der Stoker sollte eher nicht absteigen, da sonst der Koordinierungsaufwand beim Anfahren zu groß wäre. Aus dieser Überlegung heraus ergeben sich aber auch Grenzen.

Die vorne sitzende Person sollte kräftig genug sein, um das Fahrrad samt Hintermann balancieren zu können. Die Kombination aus kleiner Person vorne und großer bzw. schwerer Person hinten, ist zwar möglich, aber herausfordernder.

 

Bremsen

In Gefahrensituationen bremst der Vordermann. Nach Möglichkeit informiert er den Stoker vorab. Gebremst kann bei einem Tandem sehr energisch werden. Aber die Gefahr, dass bei einer Vollbremsung das Hinterrad hochsteigt, besteht bei einem Tandem nicht.

 

Schalten

Beim Schalten müssen beide die Kraft von den Pedalen nehmen. Auch hier informiert der Vordermann den Hintermann rechtzeitig vor dem Schaltvorgang.

 

Die Rolle des Stokers

Der Stoker unterstützt das Fahren durch gleichmäßiges Treten und durch eine gleichmäßige Belastung des Fahrrades. Hektisches Wechseln der Haltung am Fahrrad wird vermieden.

 

Lenken

Der Stoker lenkt nicht mit. Bei Kurven ist das Verhalten neutral. Weder ein übermäßiges In-die-Kurve-legen, noch eine Bewegung zur anderen Seite sind hilfreich.

 

Pedalieren

Die Hauptaufgabe des Stokers ist die Unterstützung des Vorankommens durch gleichmäßiges Pedalieren. Nur bei Schaltvorgängen wird der Druck - auf Hinweis des Piloten - auf die Pedale reduziert.

 

Haltung

Zwar könnte der Stoker wegen seiner einfacheren Rolle während der Fahrt einiges anderes tun. Trotzdem sollten Stoker darauf achten, dass sie durch ihre Handlungen den Piloten nicht irritieren.

 

Gibt es Abweichungen von dieser Rollenverteilung?

Bei manchen Konstruktionen kann die bisher beschriebene Rollenverteilung abweichen. Bei einem Stufentandem lenkt die hinten sitzende Person von einer erhöhten Position. Vorne ist eine Liegesitzschale montiert, von der aus die Fahrt durch Pedalieren unterstützt wird.

Diese Variante wurde ursprünglich für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen entworfen. Die liegende Person kann so am Radsport teilnehmen, ohne lenken zu müssen. Der Antrieb ist so gestaltet, dass der Vordermann pedalieren kann, aber nicht muss.

Eine ähnliche Situation ist bei einem Eltern-Kind-Tandem gegeben. Hier sitzt der Erwachsene hinter dem Kind und übernimmt so die Rolle des Kapitäns. Das Kind kann bei freier Sicht auf den Straßenverkehr das richtige Verhalten auf der Fahrbahn erlernen.

 

Eine Probefahrt fördert die Feinabstimmung

Bevor das Team sich unter die anderen Verkehrsteilnehmer mischt, sollten mehrere Probefahrten durchgeführt werden. Für die ersten Runden empfiehlt sich die Nutzung eines großen Parkplatzes oder eines Marktplatzes mit wenig Verkehrsaufkommen.

Der potentielle Pilot sollte mit einer Leerfahrt starten. So erfolgt schnell eine Gewöhnung an die Eigenheiten eines Tandems, die sich aus seiner Länge ergeben. Im Besonderen lernt der Pilot so den größeren Kurvenradius des Rades kennen.

Anschließend sollten sich beide Fahrende gemeinsam auf dem Rad erproben. Dabei lernen die beiden das korrekte Aufsteigen, den problemlosen Start, das gemeinsame Pedalieren, das richtige Balancieren während eines Stopps und auch das gemeinsame Bewältigen von Kurven.

Nicht umsonst vergleichen manche das Tandem fahren mit dem Tanzen: Einer führt, aber beide bewegen sich im gleichen Takt.