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Gravel Bike – der sportliche Allrounder

20.01.2020

Gravel Bike auf Schotterweg neben einem Kanal im Winter
Ein Gravel Bike lässt viel Freiraum bei der Wahl der Wegbeschaffenheit. Ob Schotter, Asphalt oder Gelände - vieles ist möglich. (Foto: WERTGARANTIE/ndu)

 

Es gibt eine Vielzahl an Fahrrädern für Alltag, Sport oder Reisen – in der Regel lässt sich allerdings nicht jedes Rad gleich gut für alle Einsatzbereiche nutzen.  Wer zum Beispiel sowohl gerne auf Straße als auch im Gelände unterwegs ist und außerdem eine Vorliebe für lange Radtouren hat, besitzt oft mehrere Bikes und greift je nach Vorhaben zum passenden. Das seit einigen Jahren auf dem Markt befindliche Gravel Bike verspricht eine deutlich größere Flexibilität im Hinblick auf das Terrain. Aber – was ist ein Gravel Bike eigentlich genau? Welche Vor- und Nachteile hat ein Gravel Bike im Vergleich zu Rennrad oder Mountainbike? Wie schneidet Gravel Bike vs. Cyclocross ab? Gibt es auch Gravel E-Bikes? Und würde sich ein Gravel Bike für Sie persönlich eignen? In diesem Beitrag erläutern wir Konstruktion und Besonderheiten dieses Fahrradtyps und verraten Ihnen, wobei Sie beim Kauf eines Gravel Bikes achten müssen bzw. welche Kosten Sie erwarten.

 

Gravel Bike – was genau ist das eigentlich?

Wörtlich übersetzt ist ein Gravel Bike ein „Schotterfahrrad“, das aufgrund seiner Geländetauglichkeit genau wie das Cyclocross gelegentlich auch als „Querfeldeinrad“ oder „Allroad-Bike“ bezeichnet wird. Es eignet sich, wie der Name schon verrät, unter anderem sehr gut für geschotterte Strecken. Ursprünglich aus den USA stammend, wo es ein riesiges Netz solcher Wege gibt, sogenannte „Waldautobahnen“, erfreut sich das Gravel Bike seit einigen Jahren auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Im Prinzip ist das Gravel Bike ein Hybrid aus Cyclocross und Rennrad, und entsprechend wurden bei diesen beiden Fahrradtypen Anleihen hinsichtlich der Geometrie und Komponenten gemacht.

 

Gravel Bike: Aufbau und Ausstattung mit Mehrwert

  • Gravel Bikes haben in der Regel einen längeren Radstand, eine eher kurze Geometrie (ähnlich wie Endurance Bikes), ein kurzes Oberrohr und ein langes Steuerrohr. Diese Konstruktion ermöglicht eine weniger gestreckte und somit auch komfortablere Sitzposition, die sich insbesondere auf längeren Strecken angenehm bemerkbar macht, außerdem verbessert sie die Rolleigenschaften und sorgt für hohe Stabilität.
     
  • Meistens sind mechanische oder hydraulische Scheibenbremsen verbaut und sorgen für Sicherheit im Gelände – auch bei widrigen Wetterbedingungen und höheren Geschwindigkeiten. Natürlich gibt es aber auch Gravel Bikes, die mit Felgenbremsen ausgestattet sind.
     
  • Häufig besteht der Rahmen aus Aluminium, im höheren Preissegment auch aus Carbon. Aufgrund seiner guten Dämpfungs- und Korrosionseigenschaften bietet sich Titan ebenfalls als Werkstoff an, was allerdings erhebliche Kosten mit sich bringt. Aber auch Stahlrahmen haben im Gravel-Segment ihre Anhänger.
     
  • Das Gravel Bike verfügt über einen Rennlenker, besonders beliebt ist der sogenannte Flare-Lenker: Der Unterlenker ist ausgestellt und somit breiter als der Oberlenker, was auch in unwegsamerem Gelände ein hohes Maß an Lenkkontrolle bietet.
     
  • Bei vielen Modellen gibt es außerdem die Möglichkeit, Schutzbleche und gegebenenfalls auch Gepäckträger mittels integrierter Ösen zu befestigen. Diese Option ist besonders dann interessant, wenn es um Alltagstauglichkeit und Radreisen geht. Zu beachten ist, dass ein Gravel Bike trotz optionaler Gepäckaufnahme nicht mit dem klassischen Six-Bag-Touring mit Trekkingrad mithalten kann. Der Stauraum ist noch begrenzter und ein allzu schwer oder ausladend bepacktes Gravel Bike wird auf einem anspruchsvollen Trail zu Problemen führen. Der Gepäcktransport auf einem Gravel Bike bietet sich im Bikepacking-Stil an. Im Beitrag Bikepacking: Radreisen ins Abenteuer – ganz ohne unnötigen Ballast erhalten Sie ausführliche Informationen dazu und im Artikel Packliste Fahrradtour und Checkliste Fahrradtour: Der perfekt geplante Radurlaub gibt es eine hilfreiche Packliste für längere Radtouren.

 

Das größte Alleinstellungsmerkmal des Gravel Bikes ist jedoch sicherlich die Tatsache, dass der Rahmen verschiedene Reifenbreiten aufnehmen kann, von sportlichen 25 bis hin zu mindestens 40 komfortversprechenden Millimetern. Ein unkomplizierter Wechsel der Laufräder ist meistens durch Steckachsen möglich. Diese Flexibilität ermöglicht problemloses Fahren auf nahezu jedem Untergrund und fast jedem Gelände: Das Gravel Bike fühlt sich auf dem Waldweg und Asphalt ebenso wohl wie auf Schotterpisten und Trails!

 

Gravel Bike vs. Rennrad und Mountainbike

Gleichzeitig ist die optionale Breite der Reifen auch der größte Unterschied des Gravel Bikes im Vergleich zu Rennrad und Mountainbike. Ein Rennrad mit seinen schmalen Laufrädern und Reifen ist extrem leicht und windschnittig und ermöglicht daher auf ebenem, asphaltiertem Untergrund deutlich höhere Geschwindigkeiten als das Gravel Bike. Andererseits ist das auch der einzige Untergrund, auf dem ein Rennrad optimal geeignet ist – Gelände und unbefestigte Wege scheiden bei diesem Fahrradtypen aus. Das Mountainbike mit seinen bis zu 64 Millimeter breiten Reifen ist ein echter König des Geländes und bewältigt je nach Ausstattung auch die härtesten Trails, bei denen man mit dem Gravel Bike schon Probleme bekommen könnte. Auf Asphalt bietet das Mountainbike hingegen einen deutlich geringeren Spaßfaktor – der Rollwiderstand ist einfach zu groß, um richtig durchstarten zu können. Mehr Informationen zu Mountainbikes erhalten Sie übrigens auch in unserem Artikel Das Mountainbike.

 

Gravel Bike vs. Cyclocross

Tatsächlich sehen sich Cyclocross und Gravel Bike optisch relativ ähnlich, wurden aber für unterschiedliche Nutzungsweisen konzipiert: Das ebenfalls ausgesprochen geländetaugliche Cyclocross ist eher ein Sportfahrrad für Wettkämpfe und wird zudem gerne von ambitionierten Rennradfahrern zum Ausdauertraining genutzt, wenn die traditionelle Saison der Rennräder vorbei ist, also vom Herbst bis zum Frühling. Die Sitzposition des Cyclocross ist wie beim Rennrad sportlich geneigt, wodurch dieser Fahrradtyp für schnelle, aber eher kurze Strecken prädestiniert ist. Wenn Sie sich also zwischen Gravel Bike und Cyclocross entscheiden möchten, sollten Sie sich in erster Linie die Frage stellen, ob Sie sehr schnell und sportlich fahren möchten, oder ob Ihnen neben der Geschwindigkeit auch längere Strecken am Herzen liegen.

 

Gravel Bike: Mit welchen Anschaffungskosten müssen Sie rechnen?

Wie immer richtet sich der Preis danach, über welche Qualität und Ausstattung Ihr Gravel Bike verfügen soll. Wenn Sie einen guten Rahmen aus Aluminium und zuverlässige mechanische Scheibenbremsen haben möchten, in puncto Antrieb und sonstige Ausstattung aber nicht zu anspruchsvoll sind, können Sie bereits ab 1.200 Euro ein Einsteigermodell erstehen, das durchaus für längere Strecken geeignet ist. Mit 1.700 Euro aufwärts schlägt ein Gravel Bike der Mittelklasse zu Buche. Auch hier ist der Rahmen meistens aus Aluminium gefertigt, aber ein solches Rad verfügt in der Regel schon über hydraulische Scheibenbremsen, wertigere Laufräder und bessere Reifen, was das Gravel Bike noch geländetauglicher und weniger pannenanfällig macht. Unter Umständen sind an einem Mittelklasserad auch schon hochwertigere Antriebe verbaut. Wer bereit ist, über 2.500 Euro für ein Gravel Bike auszugeben, bewegt sich im High End-Bereich. Entscheidende Komponenten wie Antrieb und Scheibenbremsen sind in diesem Preissegment meist von sehr hoher Qualität und auch bei den Laufrädern und Reifen wird häufig zu Top-Marken gegriffen, was sich insbesondere im Hinblick auf Griffigkeit, Pannensicherheit und niedrigem Rollwiderstand bemerkbar macht. Ein solches Gravel Bike der Spitzenklasse wiegt lediglich zwischen 8 und 10 Kilogramm und ist ausgesprochen wendig und antriebsstark, was sowohl bei langen Strecken als auch im Gelände äußerst fahrerfreundlich ist. Wie bei vielen Fahrradtypen gibt es mittlerweile auch in diesem Segment Modelle mit integriertem Rückenwind: Alles Wichtige über Gravel Bikes mit Tretunterstützung erfahren Sie im Beitrag Gravel-E-Bike – Rückenwind für jedes Terrain?

 

Gravel Bike – eignet sich dieser Fahrradtyp für Sie?

So vielseitig, wie sich das Gravel Bike darstellt, handelt es sich bei diesem Fahrrad allem Anschein nach um eine „eierlegende Wollmilchsau“ – umgangssprachlich ausgedrückt. Tatsächlich bietet der Fahrradtyp eine herausragende Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten und lässt sich problemlos als Bike für Pendler, als Tourenrad oder im Gelände nutzen. Natürlich stößt auch das Gravel Bike gelegentlich an seine Grenzen: Wenn Ihnen sportliche Höchstleistungen wichtig sind, sollten Sie eventuell lieber ein Rennrad oder ein Cyclocross als ein Gravel Bike erstehen. Auf jeden Fall ist es ratsam, eine Gravel Bike-Kaufberatung beim Fachhändler in Anspruch zu nehmen, um abzuklären, ob bzw. welches Gravel Bike für Sie optimal sein könnte.

 

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